Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Interview mit dem Ex-Rottenburger Filmmusiker Mathias Rehfeldt
Der Ex-Rottenburger Mathias Rehfeld komponiert Filmmusik. Kommende Woche spielt er live zum Stummfilm „Nosferatu“.Bild: Privat
Nosferatu neu vertont

Interview mit dem Ex-Rottenburger Filmmusiker Mathias Rehfeldt

Filmmusik Mathias Rehfeldt schreibt Musik fürs Fernsehen und Kino. Am 18. November spielt der Ex-Rottenburger live im Waldhornkino zum Stummfilm „Nosferatu“.

12.11.2016
  • Dunja Bernhard

Mathias Rehfeldt vertont historische Stummfilme neu und schreibt Filmmusiken fürs Fernsehen, unter anderem für die ZDF-Serie „Terra X“ und für „Abenteuer“ von Spiegel-TV. Der 30-Jährige wuchs in Rottenburg auf, studierte hier und in Tübingen zunächst Kirchenmusik, dann Filmmusik in München, wo er heute lebt. Telefonisch sprachen wir mit ihm anlässlich der Live-Vertonung des Stummfilm-Klassikers „Nosferatu“ am Freitag, 18. November, im Waldhornkino.

ROTTENBURGER POST: Komponieren Sie die Musik vorher durch oder improvisieren Sie?

Matthias Rehfeld: Ich werde hauptsächlich improvisieren. Allerdings habe ich mir Motive überlegt, um die Handlungsstränge zu zeigen. Das ist unglaublich wichtig, weil nur so die Musik ihre Funktion erfüllen kann, die Handlung mit zu tragen.

Wie oft schauen Sie sich einen Film an, bevor Sie ihn live begleiten?

Bestimmt fünf Mal.

Zu dem Stummfilm „Der Galiläer“ spielten Sie die Musik im Weggental ein. Neben der Jann-Orgel verwendeten Sie Synthesizer und Drum-Pad. Warum moderne Klänge für alte Filme?

Ich versuche in meiner Musik nicht die Stummfilmmusik der damaligen Zeit zu reproduzieren und den Konzerten einen Museumscharakter zu geben. Mir ist es wichtig, einen aktuellen Bezug zu schaffen. Die Elektronik ist für mich die Weiterführung des Grundgedankens der Orgel, nämlich als einzelner Spieler quasi ein Orchester zu imitieren.

Sie haben einige Filme über historische Personen mit Musik unterlegt, unter anderem den neuen Martinusfilm. Kommt Ihnen da Ihr Kirchenmusikstudium zugute?

Generell finde ich es wichtig, dass man selbst einen Bezug zur Thematik hat, wenn man einen Film über ein christliches Thema macht. Gar nicht unbedingt nur auf die Musik bezogen. Natürlich hilft mir da auch mein Studium. Gerade schreibe ich an einem Drei-Teiler für das ZDF zum Thema „Reformation“. Da ist ein Hintergrundwissen unter anderem über die kompositorische Tätigkeit Luthers sehr hilfreich.

Sie schreiben für das Fernsehen Filmmusik zu Reportagen. Wie viel Kirchenmusik fließt da mit ein?

Übersichtlich viel. Ich ertappe mich oft dabei, dass der Musik Wendungen aus meinen Orgelimprovisationen zugrunde liegen.

In Tierfilmen gibt es keine Charaktere. Woran orientieren Sie sich bei Ihren Kompositionen?

Meistens an den Handlungssträngen. Ein Tierfilm ohne Entwicklung wäre wahrscheinlich nicht sonderlich spannend. Insofern achte ich schon im Drehbuch sehr genau darauf, dass es eine Geschichte zu erzählen gibt. Daran kann ich mich hervorragend orientieren.

Wie viel hat der Regisseur mitzureden?

Die Regie trägt die kreative Verantwortung für den Film. Deren Input ist auch enorm wichtig für mich. Während ich selbst hauptsächlich die Musik im Kopf habe, sieht die Regie das Gesamtbild.

Erzeugen Sie die Filmmusiken ausschließlich selbst oder lassen Sie Ihre Kompositionen auch von Musikern einspielen?

Wenn es das Budget und die Zeit irgendwie erlauben, lasse ich immer echte Instrumente einspielen. Obwohl die technischen Möglichkeiten mittlerweile fantastisch sind, kommt nichts an echt interpretierte Musik ran.

„Thailand sehen und sterben“, eine Familienkomödie, die Anfang 2017 ins Fernsehen kommt, spielt in Thailand. Waren Sie vor Ort? Haben Sie Hannelore Elsner, eine der Hauptdarstellerinnen, getroffen?

Leider nicht. Zeitlich ist Komposition und Dreh meistens getrennt, so dass ich mich mit dem Film erst richtig beschäftige, wenn der Dreh abgeschlossen ist. Daher kann ich auch bis auf ein kurzes, sehr nettes Kennenlernen nichts über Hannelore Elsner sagen. Ihre Arbeit ist allerdings wirklich beeindruckend. Mit der Regisseurin Franziska Buch war es allerdings eine tolle Zusammenarbeit und für mich künstlerisch sehr bereichernd.

Ohne Musik fehlt dem Krimi die Spannung und dem Liebesfilm die Stimmung. Ist es nicht ungerecht, dass kaum über Filmmusiker gesprochen wird und Sie beim Abspann recht weit hinten kommen, Regisseure aber in aller Munde sind?

Das empfinde ich gar nicht so. Die Soundtracks von John Williams und Hans Zimmer, den Großen der Szene, sind sicherlich den meisten ein Begriff. Wie überall muss man sich, denke ich, seinen Namen erst erarbeiten. Die Lorbeeren sind aber auch sekundär. Ich freue mich gerade irrsinnig darüber, meinen Lebensunterhalt mit etwas verdienen zu dürfen, das für mich, auch wenn es manchmal sehr stressig ist, pure Freude bedeutet.

Zwei Mal Filmmusik von Mathias Rehfeldt

Am  Montag, 14. November, läuft um 18 Uhr der Film „Sankt Martin - Soldat, Asket, Menschenfreund“, für den Rehfeldt die Musik schrieb. Am Freitag, 18. November, um 20 Uhr spielt er im Waldhorn-Kino live auf der E-Orgel zum Stummfilm „Nosferatu“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.11.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.