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„Intime Beziehung zum Gerät“

Kann man zu einer künstlichen Robbe Vertrauen aufbauen? Linda Nierling und ihr Team meinen ja. Sie erforschen sogenannte Assistive Technologien.

22.10.2016
  • VALERIE EBERLE

Karlsruhe. Alleine, von anderen nicht verstanden oder akzeptiert, suchen Menschen mit Beeinträchtigung nach Möglichkeiten, sich einzugliedern. Assistive Technologien (ATs) könnten helfen. Aber was sind ATs und warum sind sie umstritten? Linda Nierling vom Karlsruher Institut für Technologie untersucht mit ihrem Team, wie Menschen mit Behinderungen mit der Hilfe von Assistiven Technologien besser in die Gesellschaft eingebunden werden können.

Ihr Projekt beschäftigt sich mit „sozialen Robotern“. Können die fühlen?

Linda Nierling: Der Computer fühlt nichts. Aber natürlich projizieren Menschen auf ihn bestimmte Gefühle. Das ist moralisch stark umstritten. In der Altenpflege gibt es das Beispiel von Paro, der Robbe. Wenn das Tier angefasst wird, klimpert es süß mit seinen Augen und räkelt sich, will gestreichelt werden. Soziale Roboter werden in unserem Bereich vor allem bei Menschen mit Autismus diskutiert. Erste Studien haben gezeigt, dass es ihnen leichter fällt, zuerst einen Roboter oder eine virtuelle Umgebung als Lernfeld zu benutzen, um menschliche Interaktion zu üben.

Ein Roboter ist also eine Assistive Technologie. Was gehört noch dazu?

Wir verstehen darunter: Technologien, die den Menschen unterstützen. Das kann ein sehr weites Spektrum umfassen: Dazu gehört eine Brille genauso wie ein menschenähnlicher Roboter.

Und um was genau geht es in Ihrem Projekt?

Es geht darum, die Rolle und die Anforderungen an heutige und künftige ATs in Europa zu analysieren: Wie werden sie genutzt, entwickelt und wie kann man dies politisch gestalten? Wir haben dabei ATs für drei Formen von Behinderungen im Blick: Einmal Menschen mit Seheinschränkungen oder Blinde, Menschen mit Höreinschränkungen oder Taube und Menschen mit Autismus.

Welche Rolle spielen Sie dabei?

Wir sind keine Techniker, sondern bewerten die Folgen der Technik.

Die Folgen welcher Technik?

Technische Entwicklungen, die Gliedmaßen oder Organe ersetzen sollen, zum Beispiel das bionische Auge. Durch Verbindungen zwischen Gehirn und Computerauge soll das Sehvermögen wieder hergestellt werden.

Ist man dann nicht halb Mensch, halb Maschine?

Der Mensch steuert letztlich die Maschine. Der Computer entscheidet also nicht, was gesehen wird, er ist nur ein verstärkendes Instrument. Aber man hat schon eine sehr intime Beziehung zu diesem Gerät.

Etwas weiter entwickelte ATs sind selbstfahrende Autos. Braucht man da überhaupt noch einen Menschen am Steuer?

Eine aktuelle Studie aus Amerika zeigt, dass 47 Prozent aller Jobs das Potenzial haben, durch neue Technologien wegzufallen. Aber: Einfache Tätigkeiten fallen tendenziell eher weg. Wenn sich das autonome Fahren durchsetzt, werden wir möglicherweise früher oder später keine Lastwagenfahrer mehr brauchen.

Gibt es auch Bereiche, in denen Hilfsmittel das Gegenteil von Integration bewirken?

Es gibt Fälle, in denen Behinderte durch ATs eine Stigmatisierung erfahren. Ein klassisches Beispiel aus dem Alltag sind die Brille und das Hörgerät. Während die Brille zu einem Modeaccessoire geworden ist, bleibt das Hörgerät ein Stigma, das ungern getragen wird.

Fällt Ihnen ein Paradebeispiel der Integration ein?

Ein schönes Beispiel dafür sind der digitale Sprachassisstent Siri, oder der Barcode-Scanner. Das sind Paradebeispiele, wie eine ursprünglich Assistive Technologie zu einem erfolgreichen Mainstream-Produkt werden kann.

Ein Blick in die Zukunft: Werden wir im Jahr 2050 Robotern im Alltag auf der Straße begegnen?

Möglich ist das schon. Die deutsche Post startet erste Versuche, Pakete durch Drohnen auszuliefern. Künftig werden sich Technologien weiterentwickeln, und jeder von uns sollte sich genau überlegen, welche Technologie er haben will.

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22.10.2016, 06:00 Uhr

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