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Iran provoziert mit Karikaturenwettbewerb
Die USA sind im Iran nicht beliebt, wie dieses Wandbild in Teheran zeigt. Hardliner legen gerne nach, jetzt wieder mit Holocaust-Karikaturen. Foto: afp
Hardliner bringen moderaten Präsidenten Ruhani in die Zwickmühle

Iran provoziert mit Karikaturenwettbewerb

Karikaturenwettbewerbe zum Thema Holocaust gab es im Iran schon öfter. Dem um Ausgleich bemühten Präsidenten Ruhani passt das nicht.

29.04.2016
  • MARTIN GEHLEN

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif reagierte gereizt. "Betrachten sie den Iran nicht als Monolithen. Die iranische Regierung unterstützt oder organisiert nicht ein Karikaturenfestival dieser Art", polterte er kürzlich im Interview mit dem "New Yorker", als er nach dem neuerlichen Holocaust-Wettbewerb seines Landes gefragt wurde. Verantwortlich dafür seien NGOs, die nicht von der iranischen Regierung kontrolliert würden, erklärte er. Auch die US-Regierung werde schließlich nicht haftbar gemacht für rassistisch ausgerichtete Hassorganisationen wie den Ku Klux Klan.

Sarif weiß, dass das von Hardlinern für Juni ausgelobte judenfeindliche Zeichnertreffen dem internationalen Ansehen der Islamischen Republik schaden und die Entspannungspolitik des moderaten Präsidenten Hassan Ruhani belasten wird. Das gilt auch für die jüngsten demonstrativen Raketentests der Revolutionären Garden, die Israel von iranischem Territorium aus erreichen können. Und so machte Ruhani in der vergangenen Woche offen Front gegen israelfeindliche Propaganda. In einem Brief an Revolutionsführer Ali Khamenei verlangte er, die Aufschrift "Tod für Israel" müsse von allen iranischen Raketen entfernt werden.

Der erste umstrittene Karikaturenwettbewerb 2006 war eine Idee von Vorgängerpräsident Mahmud Ahmadinedschad, ein Antisemit und Israelhasser, der den Holocaust leugnete und als Mythos bezeichnete. Damals gingen 1100 Beiträge aus 60 Ländern ein, darunter waren Arbeiten bekannter rechtsextremer Zeichner. Organisatoren waren das iranische Haus der Karikaturen, welches von der Stadt Teheran finanziert wird, sowie die Zeitung Hamshahri, dem offiziellen Sprachrohr der Stadtverwaltung. 2015 beim zweiten und jetzt 2016 beim dritten Karikaturenwettbewerb führen neben dem Haus der Karikaturen auch das Owj- und Sarsheshmeh-Kulturzentrum Regie, die beide von den Revolutionären Garden und den gefürchteten Basij-Milizen finanziert sind. Gab es 2015 noch 12 000 Dollar (10 500 Euro) für den Sieger, sollen es in diesem Jahr 50 000 Dollar (44 000 Euro) sein. Gezeigt werden die Siegerblätter auf der 11. Karikaturen-Biennale in Teheran, die das Ministerium für Kultur und die Islamische Führung ausrichtet.

Parallel dazu schrieb in diesem Jahr auch der Islamische Studentenverband der Universität Isfahan einen Holocaust-Karikaturenwettbewerb aus, was bei der deutschen Partneruniversität in Freiburg auf scharfe Kritik stieß. Das Preisgeld sind 35 Dollar (30 Euro). Die Karikaturen sollten das "falsche Szenario des Holocaust" entlarven, heißt es in der Ankündigung, über der ein judenfeindliches Plakat prunkt. "Diese Aktion birgt die Gefahr, den jahrelang aufgebauten vertrauensvollen Dialog zwischen unseren Universitäten nachhaltig zu beschädigen", schrieb Freiburgs Rektor Hans-Jochen Schiewer an seinen Isfahaner Amtskollegen und forderte ihn auf, "sich dringend von diesem, die Opfer des Naziregimes verachtenden Wettbewerb zu distanzieren".

Für die Regierung Ruhani, die vor drei Monaten mit dem Atomvertrag das Fundament für die Rückkehr des Iran in die internationale Staatengemeinschaft legen konnte, ist die von ihren Gegnern angezettelte neuerliche Holocaust-Kontroverse eine schwere Hypothek. Denn die Hardliner, die bei den Wahlen zum Parlament und dem Expertenrat im März deutliche Verluste erlitten, wollen keine Liberalisierung der iranischen Gesellschaft und keinen Ausgleich mit dem Westen. Ihre paramilitärischen Revolutionsgardisten haben an den westlichen Sanktionen glänzend verdient. Und so bündeln sie jetzt alle Kräfte, um eine Wiederwahl Ruhanis im Juni 2017 zu verhindern.

Der Kampf um die nächste Präsidentenwahl hat bereits begonnen. Ruhanis Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad läuft sich warm.

In der irakisch-iranischen Grenzstadt Shalamcheh und am Kaspischen Meer hielt er erste Kundgebungen ab - frenetisch bejubelt von den Zeitungen der Revolutionären Garden.

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29.04.2016, 06:00 Uhr

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