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Stuttgart

Islam-Debatte wird auch im Südwesten kontrovers geführt

Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja.

29.03.2018
  • dpa/lsw

Stuttgart. «Da Millionen Muslime in Deutschland leben, gehört auch der Islam zu Deutschland», sagte er im Gespräch mit der «Stuttgarter Zeitung» (Donnerstag). Alles andere wäre ein unauflösbarer Widerspruch. Damit trat der Regierungschef der Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) entgegen. Er sagte unlängst, der Islam sei kein Teil von Deutschland.

Diese Position vertritt auch CDU-Generalsekretär Manuel Hagel. Für ihn gehören Muslime zu Deutschland - der Islam aber nicht. «Unsere Gesellschaft, unser Staat ist natürlich christlich-jüdisch geprägt», wird Hagel in der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Donnerstag) zitiert. «Obwohl der Islam nicht zu unserem Land gehört, gehören gleichwohl alle Muslime hier in unserem Land, die auf unserer Wertebasis mit uns leben, zu unserer Gesellschaft - und zu unserem Land.»

Ähnlich sieht das Holger Kappel, Landesvorsitzender der WerteUnion. «Die Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, ist falsch», sagte er. «Die integrierten muslimischen Mitbürger, die gehören zu Deutschland. Aber nicht der Islam.» In den Ortsverbänden würden die Mitglieder die Köpfe schütteln, wenn sie Merkels Aussage hörten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Regierungserklärung auch an die Adresse Seehofers gesagt, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre. Die WerteUnion ist eine konservative Strömung in der baden-württembergischen CDU.

Kritisiert wird die Haltung der CDU-Politiker von den Jusos Baden-Württemberg. «Die CDU muss ihr Verhältnis zum Grundgesetz und insbesondere zur Religionsfreiheit klären», schreiben die jungen Sozialdemokraten in einer Stellungnahme. «Der Versuch, einzelnen Religionen ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft abzusprechen, zeugt gerade in Zeiten brennender Moscheen von bemerkenswerter Arroganz insbesondere gegenüber muslimischen Menschen.» Für die Jusos gilt: «So lange auch nur ein Muslim, Hinduist oder Buddhist auf Grundlage unseres Grundgesetzes seinen Glaube praktiziert, ist diese Religion Teil unseres vielfältigen Landes.»

Der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, hält die gesamte aktuelle Debatte für lächerlich. «Es ist eine Scheindiskussion, mit der versucht wird, den Alltag zu bestimmen», sagte er. Darunter würden nicht nur die Muslime in Deutschland leiden, sondern auch alle, die mit Muslimen zusammenarbeiten. «Solange der Islam in Deutschland juristisch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt wird, bedeutet solch ein Schlagabtausch nichts. Er schadet eher dem Zusammenhalt und der Demokratie.»

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29.03.2018, 18:56 Uhr | geändert: 29.03.2018, 18:40 Uhr

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