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Fasten brechen, Grenzen überwinden

Islamische Gemeinde lädt jeden Abend zum Essen ein

Nationalität oder Religion sind egal – zum allabendlichen Fastenbrechen in der Moschee am Stadtgraben sind alle Menschen willkommen. Dabei steht nicht das Essen im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft.

01.08.2012
  • sascha Geldermann

Tübingen. 80 Menschen versammeln sich am Montagabend zum gemeinsamen Fastenbrechen in dem Gebäude Am Stadtgraben 17. Muslime verzichten während des Ramadans in diesem Jahr zwischen dem 20. Juli und dem 19. August bis Sonnenuntergang aufs Trinken und Essen. Sich dann abends gemeinsam zum Mahl zu versammeln, hat Tradition. „Meine ganze Familie ist in meiner Heimatstadt Istanbul geblieben, daher bin ich dankbar, hier eine enge Gemeinschaft fürs Fastenbrechen gefunden zu haben“, sagt Ismail Türk. Hier fühle er sich wie zuhause.

An den Tischen sitzen Deutsche neben Afghanen, Christen neben Muslimen. Viele der Gäste studieren. Nicht nur Islamwissenschaft, sondern auch Zahnmedizin oder Germanistik. „Wir laden jeden Abend alle Leute zum Essen ein“, sagt der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Salih Baltacioglu. Jeder sei willkommen. Es gehe darum, Religionsgrenzen einzureißen und die verschiedenen Kulturen kennenzulernen.

Bevor ganz ohne Gegenleistung das Essen serviert wird, beten die Muslime in der Moschee im Erdgeschoss. Sie ziehen ihre Schuhe aus, reinigen sich im Waschraum und verbeugen sich auf den Gebetsteppichen vor Gott. Seit Anfang des Jahres besteht die Islamische Gemeinschaft als eigenständiger Verein. Zeitgleich wurde die Moschee gesetzlich offiziell anerkannt. Mit dem Türkischen Verein hängt der Verein nicht zusammen, auch wenn er von diesem die Räume anmietet.

Schon während des Betens brechen die Muslime das Fasten mit Datteln. Zurück am Tisch werden Teller mit Suppe und Brot gereicht. Später folgen Hühnchen, Gemüse und Reis. „Man kann mit Geld das beste Essen kaufen – doch die Gemeinschaft sei unbezahlbar“, sagt Naim Imeri. Beim Fastenbrechen stehe genau diese Geselligkeit im Vordergrund.

Der Verzicht auf Essen und Trinken bis Sonnenuntergang falle niemanden schwer. „Man gewöhnt sich sehr schnell daran“, sagt der Kosovo-Albaner Arber Januzi. Es sei auch nicht ungesund. Im Gegenteil: Dass der Magen eine Pause bekommt, tue dem Körper gut. „In Deutschland fällt das Fasten eh viel leichter als in der Türkei mit Temperaturen über 40 Grad“, sagt Baltacioglu.

Beim Ramadan möchten die Muslime Gott gefallen. „Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass man den Wert des Essens wieder schätzen lernt – selbst in einem Land wie Deutschland, wo man normalerweise immer alles hat“, sagt Januzi.

Nach dem Essen ist das Fastenbrechen noch nicht vorbei. Es folgt Musik mit Flöten und Trommeln. Saßen Männer und Frauen beim Essen noch in getrennten Räumen, kommen sie nun zusammen. Es wird aus dem Koran rezitiert und die Menschen kommen ins Gespräch. „Der Abend hat mir sehr gut gefallen“, sagt Sophie Rebmann, die zum ersten Mal da war.

Eine Frau erzählt von ihren Wünschen für die Zukunft: „Eine große Moschee soll in Tübingen entstehen, die für alle Menschen offensteht.“ Dort könnte es auch Wohnungen für Hilfsbedürftige geben. Beim Ramadan gehe es auch um Nächstenliebe. Was abends vom Essen übrigbleibt, bekomme daher eine arme Familie. Das sei der Kerngedanke des Fastenbrechens: „Die Menschen rücken zusammen.“

Islamische Gemeinde lädt jeden Abend zum Essen ein
In mehr als nur einem solchen Raum versammeln sich die zahlreichen Gäste beim Fastenbrechen der Islamischen Gemeinde an jedem Ramadan-Abend. Bild: Metz

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01.08.2012, 12:00 Uhr

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