Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Islamisten in der Bundeswehr

Als Islamisten die Redaktion der Zeitschrift "Charlie Hebdo" angriffen, deutete vieles auf einen militärischen Hintergrund der Täter hin. Wie kann die Bundeswehr Extremisten von der Ausbildung fernhalten?

13.04.2016
  • MICHAEL FISCHER, DPA

Fast drei Jahre gilt Sascha B. als unauffälliger, aber erfolgreicher Soldat. Bei den Panzergrenadieren im lippischen Augustdorf schafft er es schnell vom Gefreiten zum Stabsunteroffizier, übernimmt Führungsverantwortung und zeigt Wehrdienstleistenden, wie man mit Waffen umgeht. Dass er schon vor Eintritt in die Bundeswehr zum Islam konvertierte, spielt für seine militärische Karriere keine Rolle.

Dann beginnt die Wandlung. Der 26-Jährige lässt sich einen 14 Zentimeter langen Bart wachsen und trägt arabische Kleidung. Probleme bekommt er aber erst, als er einem Reservisten die Ausbildung verweigert, weil dieser seine Waffe gegen muslimische Glaubensbrüder richten könnte. Nach einer Befragung durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) steht fest: Sascha B. ist Extremist, er steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Sieben Monate später wird er entlassen.

Das war 2010. Sascha B. war der erste Islamist bei der Bundeswehr, der öffentlich wurde. Doch er blieb kein Einzelfall. Nach einer Aufstellung des MAD wurden in den vergangenen zehn Jahren 22 Soldaten der Bundeswehr als Islamisten eingestuft. 17 wurden entlassen, in den anderen fünf Fällen lief die Dienstzeit aus. Vor einem Jahr nun schlug MAD-Präsident Christof Gramm Alarm. "Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann", sagte er. Kurz zuvor deuteten Videoaufnahmen auf eine militärischen Grundausbildung der Männer hin, die im Januar 2015 die Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" angegriffen haben. "Es wäre fahrlässig, wenn ein MAD-Präsident sich nicht fragen würde: Was ist, wenn ein in der Bundeswehr ausgebildeter Islamist so etwas macht - und wir haben nichts gemerkt?"

Nach Erkenntnissen des MAD reisten 29 ehemalige Soldaten mit den Zielen Irak oder Syrien aus, einige sollen sich dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) angeschlossen haben. Das Verteidigungsministerium will jetzt auf die Entwicklung reagieren und die Truppe mit einer Gesetzesänderung schützen: Jeder Soldat soll sich künftig vor seiner Einstellung einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Bisher ist das nur bei einer Versetzung in einen sicherheitsempfindlichen Bereich vorgesehen. Wer aber an Artilleriegeschützen, Panzern oder Maschinengewehren ausgebildet wird, bleibt von der Überprüfung verschont. Jetzt soll es einen Basischeck für alle angehenden Soldaten geben - pro Jahr etwa 25 000 Männer und Frauen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

13.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball