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Islands Premier steckt in der Klemme
Sigmundur David Gunnlaugsson wird mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Foto: dpa

Islands Premier steckt in der Klemme

Auch Islands Ministerpräsident Gunnlaugsson soll eine Briefkastenfirma unterhalten haben. Ihm droht deshalb ein Misstrauensvotum.

05.04.2016
  • ANDRÉ ANWAR

Am Montag demonstrierten wütende Isländer auf dem Austurvöllur, dem Platz vor dem Parlament in Reykjavik. Sie forderten Neuwahlen. Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson steht in der Kritik, weil er laut den Panama-Papieren eine Briefkastenfirma in einer Steueroase unterhalten haben soll. Dabei wurde Gunnlaugsson 2013 nur deshalb Ministerpräsident, weil er für eine strenge Haltung gegenüber Gläubigerbanken und gegen die Kapitalflucht stand.

2007 sollen Gunnlaugsson und seine Frau die Scheinfirma Wintris Inc. gekauft haben. Dabei half ihnen die Luxemburger Filiale der isländischen Landsbanki, die das Unternehmen von der Kanzlei Mossack Fonseca bekam. 2008 erwischte die Wirtschaftskrise Island. Auch die Landsbanki ging dabei Bankrott und wurde zwangsverstaatlicht. Wintris Inc. forderte in der Folge vier Millionen Dollar - für Werte, die verlorengegangen seien.

Gunnlaugsson vertrat öffentlich eine unnachgiebige Haltung gegenüber allen fordernden Kreditgebern. Seine Kampagne "InDefence" war so populär, dass er Parteichef der rechtsliberalen Fortschrittspartei und schließlich Ministerpräsident wurde. Dann verhandelte er persönlich mit Gläubigern. Kollegen kritisierten schon früh, dass er dabei zu nachgiebig gewesen sei. Nun behaupten seine Feinde, er habe das aus Egoismus getan.

Zunächst leugnete Gunnlaugsson, eine Briefkastenfirma zu besitzen. Später räumte seine Frau auf Facebook ein, dass es eine Firma gab. Die sei aber nie heimlich gewesen, das Geld dort sei nur ihr eigenes gewesen und stamme aus dem Verkauf des Autounternehmens ihrer Familie. Vom Büro des Ministerpräsidenten hieß es, die Firma sei in der Steuererklärung gemeldet worden. Die vier Oppositionsparteien sehen das anders. Sie bereiten einen Misstrauensantrag gegen den Premier vor. Entscheidend dürfte die Reaktion des konservativen Koalitionspartners sein, der Unabhängigkeitspartei. Allerdings sollen deren Parteichef Bjarni Benediktsson und ein Minister ebenfalls Scheinfirmen in Steueroasen gehabt haben.

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05.04.2016, 06:00 Uhr

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