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Eine Schule will zurück zu G9

Isolde-Kurz-Gymnasium stellt Antrag

Geht es nur nach den Zeugnissen, dann hat sich die Einführung des Abiturs nach acht Jahren (G 8) an den fünf Reutlinger Gymnasien nicht negativ ausgewirkt. Trotzdem will das Isolde-Kurz-Gymnasium künftig wieder G 9 anbieten.

11.07.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Die Notendurchschnitte an den fünf Gymnasien sind absolut mit den Vorjahrs-Ergebnissen vergleichbar, die Durchfallquoten 2012 sind ebenfalls im normalen Rahmen (siehe Übersicht rechts). „Vieles von der panischen Angst im Vorfeld war nicht berechtigt“, sagt Rektor Reiner Linsenbolz vom List-Gymnasium. „Die Befürchtung, dass die Schülerinnen und Schüler durch G 8 benachteiligt würden, lässt sich nicht aufrechterhalten.“ Allerdings habe G 8 das schulische Leben verändert: „Es bleibt weniger Zeit für schulische und außerschulische Aktivitäten“, bedauert Linsenbolz.

Bei den Spitzennoten seien Schüler beider Züge in etwa gleich vertreten, bei den Schwachen sei es ähnlich, sagt Schulleiter Martin Englert vom Isolde-Kurz-Gymnasium (IKG). „Aber bei der Behandlung mancher Themen braucht man eine gewisse Reife, welche die G 9er mehr mitbringen.“ Da die Schule die Erfahrung gemacht habe, dass die Verdichtung durch das achtjährige Gymnasium zu anspruchsvoll gewesen sei und einige Jugendliche mehr Zeit bräuchten, werde das IKG den Antrag stellen, nächstes Jahr zusätzlich zum G 8 auch wieder G 9 anbieten zu können. „Das haben Gesamtlehrerkonferenz und Schulkonferenz beschlossen“, erklärt Englert gegenüber dem TAGBLATT.

Solche Pläne verfolgt das Kepler-Gymnasium zwar nicht, „aber wir haben schon Ideen, wie man das G 8 ändern kann“, sagt Rektor Hans Selinka nach dem Abiturs-Doppeljahrgang. Da diese Ideen aber derzeit beim Ministerium in Stuttgart liegen, könne er dazu nichts sagen. „Auch wenn eine Interpretation bisher schwer fällt, lässt sich sagen, dass sich die großen Befürchtungen nicht bestätigt haben. Ich sehe keinerlei Abweichungen zwischen G 8 und G 9“, erklärt Selinka. Allerdings schienen sich einige Schüler zurückgelehnt zu haben im Glauben, das Abi werde schon nicht so schwer werden. „Eine Fehleinschätzung“, betont der Rektor.

Konkrete Schlüsse ließen sich aus der G 8-Premiere nicht ziehen, erklärt Bernhard Haas vom Albert-Einstein-Gymnasium. „Durch viele Gespräche und flankierende Maßnahmen haben wir dafür gesorgt, dass sich beide Systeme verwoben haben. So gibt es keine signifikanten Abweichungen bei den Ergebnissen.“ Allerdings erwartet er künftig einen Abfall bei den Noten. „Die Nagelprobe kommt erst nächstes Jahr, wenn ein reiner G 8-Jahrgang mit nicht reduzierten Inhalten antritt“, sagt Haas.

Beim Bildungszentrum Nord heißt es, die Befürchtungen der Eltern hätten sich glücklicherweise als unbegründet herausgestellt. Die Kursstufe sei in den beiden gemeinsamen Jahren sehr gut zusammengewachsen. „Das Gymnasium BZN wird keinen Antrag zum Schulversuch G 9 stellen“, lautet das Fazit in Rommelsbach.

Derzeit ist vorgesehen, dass in einem Schulversuch 44 Gymnasien in Baden-Württemberg zu G 9 zurückkehren und dann beide Züge anbieten. 22 Anträge sind im März bereits für das kommende Schuljahr genehmigt worden, 22 weitere sollen für das Schuljahr danach ausgewählt werden. Pro Landkreis kann nur eine Schule G 9 anbieten.

Konkurrent für das Reutlinger IKG im Landkreis ist auf jeden Fall das Graf-Eberhard-Gymnasium in Bad Urach, das mit seinem ersten Antrag auf G 9 im März gescheitert ist – und diesen Antrag nun erneuern wird. „Wir hoffen und drängen auf eine Ausweitung dieses Versuchs“, sagt der Uracher Rektor Friedemann Schlumberger. Er ist überrascht gewesen, dass seine Schule mit ihrem ersten Antrag gescheitert war.

Während sie am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen noch am Anfang des Entscheidungsprozesses stehen, geht Rektor Matthias Pröhl vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzingen davon aus, dass seine Schule am 1. Dezember einen Antrag auf G 9 stellen wird, sofern die Gremien des Gymnasiums zustimmen. „Die Stimmung ist derzeit sehr pro G 9“, betont Pröhl.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Isolde-Kurz-Gymnasium stellt Antrag
44 Gymnasien des Landes sollen künftig auch wieder G9 anbieten können – das Reutlinger IKG will dabei sein.Bild: ST

Albert-Einstein:
Gesamtzahl: 186 Abiturienten (2011: 106). Nicht bestanden: 2 (je 1 Mal G 8 und G 9).
Notenschnitt: 2,34 (2011: 2,39). G 8: 2,37/G 9: 2,30.
Aussteiger vor dem Abi: 2 (jeweils 1 G 8/G 9).

Kepler:
Gesamt: 190 (2011: 110). Nicht bestanden: 5 (2 Mal G 8, 3 Mal G 9).
Schnitt: 2,33 (2011: 2,34). G 8: 2,38/G 9: 2,30.
Aussteiger: 4 (je 2).

Isolde-Kurz:
Gesamt: 170 (2011: etwa 100). Nicht bestanden: keine Angaben.
Schnitt: 2,4 (vergleichbar 2011), keine Vergleiche G 8/G 9 möglich.
Aussteiger: 6.

List:
Gesamt: 158 (2011: 96). Nicht bestanden: 4 (je 2).
Schnitt: 2,33 (2011: 2,26). G 8: 2,26/G 9: 2,44).
Aussteiger: keine Angaben möglich.

BZN:
Gesamtzahl: 184 (2011: k. Ang.). Nicht bestanden: 1.
Schnitt: 2,3 (2011: 2,4). G 8: 2,39/G 9: 2,24
Aussteiger: keine Angaben.

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11.07.2012, 12:00 Uhr

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