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Ist der oberste Kontrolleur zu alt?
Daimler-Chef Dieter Zetsche hört Aufsichtsratschef Manfred Bischoff zu. Foto: dpa
Verlängerung für Aufsichtsratschef Bischoff stößt bei Aktionären auf Kritik

Ist der oberste Kontrolleur zu alt?

Die Daimler-Hauptversammlung ist eine Bühne für Vorstand und Aktionäre: Viel Lob für Konzernchef Dieter Zetsche und die Rekorddividende, aber auch Kritik an Aufsichtsratschef Manfred Bischoff.

07.04.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Wird Dieter Zetsche in fünf Jahren Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler AG? Diese Frage interessiert viele Aktionäre brennend, auch wenn gerade erst der Vertrag des 62-Jährigen als Vorstandschef bis zum Jahr 2019 verlängert wurde. Nach einer "Abkühlungsphase" von zwei Jahren könnte er dann problemlos oberster Konzernaufseher werden. Doch eine Antwort auf ihre Frage bekamen die Aktionäre gestern bei der Hauptversammlung in Berlin nicht.

Oberaufseher bleibt vorerst Manfred Bischoff. Das Mandat des Ex-Daimler-Vorstandsmitglieds wurde um fünf Jahre verlängert, obwohl dies Kritik hervorrief, weil er im April 74 wird. Daran stießen sich sogar einige Vertreter der Schutzvereinigungen von Wertpapierbesitzern. Denn eigentlich soll bei Daimler mit 72 Schluss sein, auch wenn keiner Bischoff unterstellen wollte, nicht mehr fit genug zu sein. Ob solche festen Grenzen sinnvoll sind, darüber sind sich auch die Aktionärsvertreter allerdings nicht einig.

Bischoff machte sich bei manchem Aktienbesitzer unbeliebt, insbesondere bei den Vertretern der "kritischen Aktionäre". Die meldeten sich - wie schon in den vorangegangenen Jahren - insbesondere mit Fragen zum Einsatz von Mercedes-Lkw als Militärfahrzeuge zu Wort. Er könne sich gar keinen Laster vorstellen, der nicht für Militärzwecke eingesetzt werden könne, konterte Bischoff, und er wunderte sich: "Warum halten Sie seit über 20 Jahren an Ihren Aktien einer Gesellschaft fest, mit deren Politik Sie nicht einverstanden sind?"

Daimler-Hauptversammlungen erinnern an große Klassentreffen, auch wenn "nur" noch etwa 5500 Aktionäre den Weg zum Aktionärstreffen finden, seit es nicht mehr in Stuttgart stattfinden, sondern an der Spree. 9 Mio. EUR kostet das jährliche Treffen im Citycube, der nüchternen Kongresshalle auf dem Messegelände, wie Finanzchef Bodo Uebber auf eine Aktionärsfrage sagte. In der ersten Reihe saßen auch gestern jede Menge ehemalige Vorstände wie Heinz Dürr oder Manfred Gentz und Ex-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Selbst der inzwischen 88jährige Ex-Vorstandschef Edzard Reuter wurde freundlich begrüßt, obwohl er mit seinem Plan eines integrierten Technologiekonzerns Milliarden vernichtete.

Direkt dahinter applaudierten die ersten "normalen" Aktionäre Konzernchef Zetsche. Vor einigen Jahren hatten sie noch viel zu klagen. Jetzt zeigt schon die Ausschüttung, die um ein Drittel auf 3,25 EUR pro Aktie erhöht wurde, dass der Konzern auf einem guten Weg ist. Für diese "Top-Dividende" bekam Zetsche jede Menge Lob. Allerdings entwickle sich der Börsenkurs nicht adäquat, bemängelte nicht nur Roland Klose von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Zeitweise erreichte der Kurs 93 EUR je Aktie, gestern dümpelte er bei 62 EUR. Angesichts der guten Geschäfte in den ersten drei Monaten 2016 erscholl prompt der Ruf nach noch mehr Dividende für 2016. 40 Prozent des Überschusses sollten an die Aktionäre ausgeschüttet werden, machte Uebber Hoffnungen.

Viele Aktionäre wanderten bald zu den Saitenwürstle an den Verpflegungsstationen und der großen Fahrzeugausstellung ab. Die Dividende sei schon wichtig, meinte dort der Franke Werner Uhlig, der schon seit 15 Jahren Daimler-Aktien besitzt. Viele Informationen seien für Frauen nicht zu verstehen, bemängelte seine Ehefrau Helga.

Eher die ausgestellten chromglänzenden Autos waren dagegen für die Berlinerin Susanne Schmidt der Beweggrund, ihre Freundin zu begleiten. "So einen müsste man in der Garage haben", seufzte die. Sie hat zwar seit über 20 Jahren Geld in Daimler-Aktien angelegt und ist im Prinzip damit auch zufrieden. Einen Wagen mit dem Stern kann sie sich allerdings nicht leisten. Immerhin ist für sie die Dividende ein angenehmes Zubrot.

Die lobt auch ein junger Mann, der aus Leipzig angereist ist. Er ist nicht nur zur Hauptversammlung gekommen, weil er sich für die wirtschaftliche Lage des Konzerns interessiert, er will auch alles über Elektromobilität und Digitalisierung wissen. "Da ist Daimler ja schon auf dem richtigen Weg."

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07.04.2016, 06:00 Uhr

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