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Einblicke in den offenen Vollzug

JVA-Außenstelle Maßhalderbuch auf der Alb zu besichtigen

25 bis 30 Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Rottenburg leben und arbeiten in der Staatsdomäne Maßhalderbuch. Am Sonntag kann man den Betrieb besichtigen.

29.06.2012
  • Matthias Reichert

Maßhalderbuch. In den offenen Vollzug der Staatsdomäne Maßhalderbuch auf der Schwäbischen Alb im kommen laut Matthias Weckerle, dem Leiter der Justizvollzugsanstalt Rottenburg, in der Regel Häftlinge, die kürzere Strafen bis zu etwa einem Jahr verbüßen müssen. Bei Gefangenen mit längeren Strafen dient der Aufenthalt auf der Domäne der Vorbereitung auf die Entlassung, als „Bindeglied zwischen Vollzug und Freiheit“.

Arbeit sei die zentrale „Behandlung“ für die Häftlinge, sagte Weckerle bei einem Pressegespräch in Maßhalderbuch bei Ödenwaldstetten. So lernten sie eine geregelte Tagesstruktur, bekämen eine qualifizierte Berufsvorbereitung und hätten zudem eine sinnvolle, sozial verträgliche Freizeitgestaltung.

Im Durchschnitt leben und arbeiten in der Staatsdomäne 25 bis 30 Häftlinge. Betriebsleiter Georg Schulze-Schilddorf hat sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine kümmert sich um die Tiere und reinigt die Ställe. Diese Häftlinge arbeiten von 6 bis 10 Uhr und von 15 bis 18 Uhr und an Wochenenden. Die zweite Gruppe ist für Hof- und Feldarbeit zuständig. Diese Häftlinge hacken, binden Heu, schippen im Winter Schnee. Sie arbeiten von 7.30 bis 11.30 Uhr und von 13 bis 16 Uhr. Handarbeit und einfache Verrichtungen zeigten auch therapeutische Wirkung, der Betriebsleiter spricht von „Erfolgserlebnissen, wenn man an seine Grenzen geht“. Und: „Wenn die Ernte eingefahren ist, dann strahlen die Augen.“ Die Geburt von Tieren wie Kälbern seien dramatische Erlebnisse, die zur emotionalen Bindung führten.

„Nicht jeder kann und möchte zu den Tieren“, sagt Schulze-Schilddorf. Das sei aber eine begehrte Arbeit. In der Regel sind die Häftlinge ein halbes Jahr in Maßhalderbuch. „Es gibt auch welche, die kommen hier nicht zurecht oder können sich nicht anpassen.“ Aber „in der Regel integrieren sie sich recht schnell“. Am Tag verdienen die Häftlinge etwa zehn Euro, berichtet Weckerle. Drei Siebtel können sie während der Haft ausgeben, der Rest wird angespart, damit sie nach der Entlassung eine Rücklage von etwa 1500 Euro haben. Dieser Betrag ist auch vor Gläubigern geschützt, erklärt der JVA-Chef.

Für die Häftlinge sei der offene Vollzug attraktiv. Der Nachteil ist die beengte Unterbringung, Vier bis sechs von ihnen teilen sich je ein etwa 20 Quadratmeter großes Zimmer. Dabei sollte im Vollzug eigentlich Einzel-Unterbringung gewährleistet werden – aber das gebe es auch in Rottenburg nicht für alle Gefangenen. In Maßhalderbuch soll der Wohntrakt erweitert werden, die Betreiber wollen voraussichtlich im kommenden Winter das Dachgeschoss des fast 400 Jahre alten Gebäudes ausbauen. Weckerle: „Das ist noch eine Frage der Finanzierung.“ Den Wohnbereich der Häftlinge kann man am Sonntag nicht besichtigen.

JVA-Außenstelle Maßhalderbuch auf der Alb zu besichtigen
Was wirkt wie ein Gemälde holländischer Meister, ist Alltag für Häftlinge in der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Rottenburg: Sie versorgen in der Staatsdomäne unter anderem auch die Gänse.

Am Sonntag, 1. Juli, ist in der Staatsdomäne Maßhalderbuch öffentliches Hoffest, zudem erhalten Verbraucher in der gläsernen Produktion von 10 bis 17 Uhr Einblicke in die Arbeit auf dem rund 200 Hektar großen und nach Bioland-Richtlinien bewirtschafteten Landwirtschaftsbetrieb.
Um 10 Uhr beginnt ein Gottesdienst, um 11 Uhr ist Begrüßung mit Reden und Fassanstich. Infostände stellen das Vollzugswesen im Land vor, und die landwirtschaftlichen Aktivitäten, weiter gibt es Verbraucherinfos über regional erzeugte Lebensmittel.
Im Hofladen und auf einem Bauernmarkt kann man regional erzeugte ökologische Produkte einkaufen. Ab 12 Uhr spielen zum Essen die Oberstetter Dorfmusikanten und der Musikverein Wilsingen auf.
Im Kinderprogramm gibt es eine Spielstraße, eine Hüpfburg, einen Streichelzoo, Ponyreiten und Kutschfahrten. Ab 13 Uhr sind immer zur vollen Stunde Führungen über den Hof, in den Kuhstall und auf das Öko-Versuchsfeld des Landes.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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