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Ja vom Gericht bringt Zug nicht in Fahrt
Lokomotivführer Juri Hucklenbroich wartet auf das Fahrsignal für den Winterbetrieb der Sauschwänzlebahn. Noch ist es nicht in Sicht. Mopsfledermäuse in den Tunneln stoppen die Winterfahrten. Foto: dpa
Sauschwänzlebahn

Ja vom Gericht bringt Zug nicht in Fahrt

Ein Urteil erlaubt jetzt den umstrittenen Winterbetrieb, aber nur in drei der sechs Tunnel. Der Kompromiss soll Mopsfledermäuse schützen.

02.12.2016
  • PETRA WALHEIM

Blumberg. Die Öffnung einiger Tunnel bringt uns gar nichts.“ Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Sauschwänzlebahn, hat das Urteil des Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim überrascht. Das Gericht hat gestern verkündet, die Bahn dürfe auf der Strecke vom Bahnhof Weizen bis zum Bahnhof Zollhaus-Blumberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) durch drei der sechs Tunnel fahren. Drei Tunnel bleiben tabu, weil darin mehrere hundert Mopsfledermäuse überwintern. Die streng geschützten Tiere könnten sich durch die Fahrten mit den historischen Zügen mit Dampfloks gestört fühlen, lautet die Begründung. Doch die Fahrerlaubnis für nur drei von sechs Tunnel bringt die Bahn-Betreiber nicht weiter. Sie können so die Strecke nicht durchgängig befahren.

Für Brinkmann ist das Urteil nicht nachvollziehbar. Von 1978 bis 2013 seien die Züge jeden Winter 35 bis 70 Mal durch alle Tunnel gefahren. „Trotzdem ist die Zahl der Fledermäuse gestiegen.“ Aus seiner Zeit, als er noch bei der Deutschen Bahn gearbeitet habe, wisse er, dass in vielen genutzten Tunneln Fledermäuse lebten. Deshalb sei noch nie eine Bahnstrecke gesperrt worden. „Die Sauschwänzlebahn ist genauso öffentliche Eisenbahn-Infrastruktur wie alle anderen Gleise auch.“ Dass darauf nur noch historische Züge verkehrten, sei kein ausreichender Grund, um die Fahrten wegen Fledermäusen zu verbieten, sagt er.

Bis Ende 2013 fuhr die Sauschwänzlebahn auch im Winter, überwiegend für Gleisbauarbeiten. „Wir haben am Gleisbett gearbeitet und Schienen geschliffen. Alles Arbeiten, die Lärm erzeugen.“ Außerdem wurden Nikolaus-Fahrten angeboten. „Die waren für die Gäste und auch uns hoch attraktiv.“ Die Fledermäuse hat das offenbar nicht gestört.

Zum Winter 2013 hat das Landratsamt Schwarzwald-Baar die Fahrten vom 1. November bis 31. März untersagt. Seither kämpfen Geschäftsführer Brinkmann und Blumbergs Bürgermeister Markus Keller um die Erlaubnis zum Winterbetrieb. In einem ersten Urteil vom Juli diesen Jahres stellte der VGH fest, dass das Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde gar nicht berechtigt ist, die Fahrten zu verbieten.

Deshalb untersagte Ende Oktober das Regierungspräsidium (RP) Freiburg den Betrieb „Starke naturschutzrechtliche Gründe“ hätten zu dieser Entscheidung geführt, hieß es. „Der Arten- und Habitatsschutz zum Schutz verschiedener Fledermausarten, insbesondere der Mopsfledermaus, lassen den winterlichen Betrieb des Schienenverkehrs auf der Sauschwänzlebahn nicht zu“, urteilte das RP. Dagegen legten Brinkmann und Keller Widerspruch ein. Mit dem Ergebnis, dass nun durch drei Tunnel gefahren werden darf. Doch die wechseln sich auf der Strecke mit den Tunneln ab, die tabu sind. Darunter ist der Weiler Kehrtunnel, in dem nach Auskunft von Brinkmann um die 300 Tiere überwinterten. Er fragt sich, von welcher Populationsgröße an der Schutz der Tiere über den Interessen der Bahn steht. „Noch ist die letzte Entscheidung nicht gefällt“, sagt Brinkmann. Er hofft auf die Hauptsache-Verhandlung, für die es aber noch keinen Termin gibt.

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02.12.2016, 06:00 Uhr

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