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Jagst-Rettung kostet Millionen
Großeinsatz für viele Hilfsorganisationen im August 2015: An vielen Stellen wurde frisches Wasser in den vergifteten Fluss gepumpt. Foto: dpa
Land hat den drei betroffenen Landkreisen noch keinen Cent erstattet

Jagst-Rettung kostet Millionen

Die Rechnungen für die Rettung der Jagst vergangenen Sommer belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro. Gegen die Umweltkatastrophe nach einem Brand waren Helfer in drei Landkreisen im Einsatz.

04.04.2016
  • HARALD ZIGAN JENS SITAREK

Crailsheim. Ein Mühlenbrand in Lobenhausen (Kreis Schwäbisch Hall) wurde im August 2015 zur Katastrophe für das Ökosystem Jagst. Mit Löschwasser wurde Dünger in den Fluss geschwemmt, tonnenweise verendete Fische mussten aus dem Wasser geholt werden. Allein beim Landkreis Schwäbisch Hall stapeln sich Rechnungen über rund 246 000 Euro, wie Hubert Wiedemann, Leiter des Bau- und Umweltamtes, auf Anfrage sagt. Wenn deren "sachliche Richtigkeit" bestätigt sei, werde gezahlt, heißt es weiter. Knapp 183 000 wurden bereits beglichen.

Im Hohenlohekreis summieren sich die Kosten für die Rettung der Jagst auf rund 1,1 Millionen Euro. Pressesprecherin Silke Giebler rechnet damit, dass nur noch kleinere Beträge hinzukommen. Das Landratsamt in Künzelsau ist in Vorleistung getreten und hat Außenstände von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und weiteren Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz bereits beglichen.

Noch mehr hat der Landkreis Heilbronn zum Schutz des Flusses ausgegeben: Rechnungen über rund 1,5 Millionen Euro häuften sich im Landratsamt an. "Da ist alles dabei, von den Spritkosten bis hin zur Verpflegung für die vielen Einsatzkräfte aus dem ganzen Land", sagt Pressesprecher Hubert Waldenberger.

Im Kreis Schwäbisch Hall, im Hohenlohekreis und im Landkreis Heilbronn hat das Land Baden-Württemberg noch keinen Cent der Einsatzkosten erstattet, wie man es sich eigentlich nach den Bekundungen etlicher Politiker, den betroffenen Kreisen "unbürokratisch" helfen zu wollen, erhofft hatte.

Anfang Februar hatte Umweltminister Franz Untersteller in Schöntal-Bieringen im Hohenlohekreis ein mit 14 Millionen Euro ausgestattetes Sanierungsprogramm für die Jagst angekündigt. Zu den Einsatzkosten sagte der Grünen-Politiker damals, dass er hier in erster Linie den Verursacher der Katastrophe in der Pflicht sehe: "Es kann nicht sein, dass gleich nach dem Steuerzahler gerufen wird."

Anlass für diese Aussage ist Paragraf 52 der Landkreisordnung. Darin heißt es, dass das Land auf Antrag derlei Kosten erstatten kann - aber erst, "soweit nicht von Dritten Ersatz zu erlangen ist". Im Klartext: Die Landkreise müssen zunächst selbst versuchen, das Geld einzutreiben. Um dieses heikle Thema dürfte es gehen, wenn sich die Landräte der drei Kreise diesen Monat mit Untersteller und Regierungspräsident Johannes Schmalzl treffen.

Ein Anwalt aus Stuttgart hat Zivilklage eingereicht, an der dem Vernehmen nach 19 Parteien, darunter viele Angelvereine, beteiligt sind. Es geht um Forderungen in Höhe von 650 000 Euro, darunter fallen Bergungskosten für tonnenweise tote Fische, zehn Euro Schadensersatz pro Kilo Fisch oder auch Ausfälle beim Verkauf von Fischereikarten.

Die Ermittlungen zum Brand der Mühle in Kirchberg-Lobenhausen am 22. August 2015 laufen noch. Eine der offenen Fragen: Handelt es sich um vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung? Wer ist für die Gewässerverunreinigung verantwortlich? Bisher hat die Staatsanwaltschaft Ellwangen bei Anfragen immer auf laufende Ermittlungen und die Komplexität hingewiesen. Nun kommt Bewegung in den Fall. Am kommenden Freitag will sich die Behörde auf ihrer Jahrespressekonferenz zur Brandursache äußern. Das bestätigt der Erste Staatsanwalt Armin Burger.

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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