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Beamte

„Jahrelang kaputtgespart“

Qualifizierte Mitarbeiter fehlen zunehmend. Ulrich Silberbach, Chef des dbb Beamtenbund und Tarifunion, nimmt Bund und Länder in die Pflicht, für bessere Bedingungen zu sorgen.

22.07.2019

Von NINA JEGLINSKI

Ulrich Silberbach hält Befristungen für einen Skandal. Foto: DBB/Marco Urban

Berlin. Hat der Öffentliche Dienst ein Problem, Mitarbeiter zu finden?

Wir weisen seit Jahren auf den Personalmangel hin, der sich durch die demografische Struktur der Bestandsbeschäftigten zunehmend verschärft: In den kommenden zehn Jahren scheidet mehr als ein Viertel – das sind über 1,2 Millionen Menschen – altersbedingt aus dem Staatsdienst aus. Wir haben ein massives Defizit an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und zwar quer durch sämtliche Bereiche.

Gibt es Bundesländer, die besonders betroffen sind?

Die durch jahrelanges Kaputtsparen entstandene strukturelle Personallücke besteht flächendeckend. Verschärfungen kommen dort hinzu, wo zusätzlich signifikante örtliche Parameter wirksam werden: Nur wenige wollen in den vermeintlich unattraktiven ländlichen Raum, teure Ballungsgebiete kann sich aber auch niemand leisten, schon gar nicht die Berufsstarter. Und dann gibt es aufgrund unterschiedlicher Tarifstrukturen für die Angestellten und 17 verschiedener Besoldungsgesetze in Bund und Ländern mitunter deutliche Einkommensunterschiede – der Lehrer in Brandenburg verdient weniger als sein Kollege in Baden-Württemberg. Insofern haben einige Regionen bessere Ausgangssituationen, andere schlechtere, was insgesamt eine sehr ungute Lage ist. Der Staat sollte überall gleiches Geld für die gleiche Arbeit zahlen.

Wird der Mitarbeitermangel die Sicherheit und den Ablauf im alltäglichen Leben beeinträchtigen?

Das merken wir doch schon heute: Streckenweise absurd lange Wartezeiten in Bürgerämtern und Gerichten. Baustellen und Infrastrukturmaßnahmen, die nicht vorankommen. Fehlende Kita-Plätze, Unterrichtsausfall, Pflegenotstand. Zunehmendes Unsicherheitsgefühl wegen weniger Polizeipräsenz. Es muss sich die Erkenntnis wieder stärker durchsetzen, dass ein funktionierender, verlässlicher öffentlicher Dienst eben seinen Preis hat.

Müssten auch Angestellten bessere Bedingungen vorfinden?

Eine nachhaltige Verbesserung könnten wir durch eine umgehende Beendigung des Befristungsirrsinns erreichen. Dass der Staat Spitzenreiter bei befristeten Arbeitsverhältnissen ist, ist schlicht ein Skandal. Besonders übel ist die Praxis der Befristung von Lehrkräften. Nina Jeglinski

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Erstellt:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 06:00 Uhr

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