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Tokio

Japaner schaffen Gewebe mit Haut und Haar

Haut für Patienten aus deren eigenen Körperzellen gewinnen? Japanische Stammzellenforscher haben einen Schritt in diese Richtung gemacht.

02.04.2016
  • DPA

Tokio. Japanische Biologen haben aus den Stammzellen von Mäusen ein Hautstück mit Haaren und Talgdrüsen geschaffen. Die Haut könne, im Gegensatz zu bisherigen biologischen Hautnachbildungen, nach einer Transplantation auf eine Maus alle natürlichen Funktionen übernehmen, schreiben sie im Fachjournal "Science Advances".

Das Forscherteam um Ryoji Takagi von der Tokyo University of Science hatte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) von Mäusen genutzt. Das sind Körperzellen, die in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt wurden. Die Forscher beeinflussten die iPS-Zellen so, dass sich im Labor dreidimensionale kleine Gewebe-Klümpchen entwickelten.

Diese "Embryoid bodies" differenzieren normalerweise unkontrolliert in verschiedene Gewebearten aus. Die Wissenschaftler beeinflussten die Entwicklung jedoch. Sie gaben zum Beispiel ein Signalprotein hinzu und setzten die "Embryoid bodies" zum Wachstum vorübergehend in die Nähe von Mäusenieren ein. Darauf bildeten sich Hautzellschichten, Haarfollikel und andere Hautstrukturen.

In den Follikeln befanden sich, wie beim normalen Haar, Talgdrüsen und Muskelfasern. Anschließend transplantierten die Forscher dieses Gewebe in die Haut anderer Mäuse. Nach vierzehn Tagen wuchsen den transplantierten Nacktmäusen in diesem Bereich Haare.

Das künstliche Gewebe ging zudem normale Verbindungen mit den umgebenden Nerven- und Muskelfasern ein. Ein besonderes Risiko der Stammzellforschung - die Tumorbildung - blieb aus. Auch nach drei Monaten war das Hautgewebe nicht befallen.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher mit der gleichen Methode menschliche Haut herstellen. Sie könne Patienten helfen, die unter Verbrennungen, Narben oder Haarausfall leiden. Die künstliche Haut könne aber auch als Testhaut für Laborversuche verwendet werden. Einen zeitlichen Rahmen nannten die Forscher nicht. Zudem sind die transplantierten Hautstückchen noch recht klein.

Andreas Trumpp, der Leiter der Abteilung Stammzellen und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum und Direktor des Stammzellinstituts HI-Stem in Heidelberg, bezeichnete die neue Forschung an Mauszellen als prinzipiell interessant. Sie könne aber nur ein erster Schritt zur Herstellung menschlicher Haut sein.

"Die Arbeit ist eine Verbesserung eines alten Konzepts", sagte Trumpp. "Man bekommt so aber noch keine reine und komplette Haut, sondern eher kleine Bereiche mit besonders vielen Haarfollikeln, die von den Stammzellen abstammen." Auch habe die Studie entgegen der Aussagen der Forscher noch nicht bewiesen, dass tatsächlich alles bei dieser neuen Haut richtig funktioniere - wie zum Beispiel die Hautbarriere oder Schweiß- und Talgdrüsen.

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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