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Kunstradfahren: Zehn Sekunden fehlten zu WM-Gold

Jasmin Soika und Katharina Wurster patzen kurz vor Kür-Schluss

Bei den Weltmeisterschaften im eigenen Land hätte sich das in Tübingen studierende Kunstrad-Paar Jasmin Soika und Katharina Wurster gern die WM-Krone aufgesetzt. Doch einmal mehr hatten auch in Aschaffenburg die ewigen Konkurrentinnen Katrin Schultheis/Sandra Springmeier die Nase vorn.

07.11.2012
  • Bernhard Schmidt

Aschaffenburg. Am Sonntag war alles angerichtet für die Krönung: Eine in unzähligen Trainingseinheiten einstudierte hoch komplexe Kür mit höchsten Schwierigkeitsgraden, eine volle Halle mit 4500 Zuschauern, die bis ganz nah an die Wettkampffläche drängten. Die Tübinger Studentinnen hatten die Vorrunde gewonnen, die Konkurrentinnen Schultheis/Springmeier (RV Mainz-Ebersheim) aus dem eigenen Lager distanziert. Und auch in der Final-Kür segelten sie auf Gold-Kurs.

Doch nur bis zehn Sekunden vor Ende der fünf Minuten währenden Vorführung: Beim Sprung vom Sattel auf den Lenker verliert Jasmin Soika das Gleichgewicht, sucht vergeblich Halt, versucht sich noch zu halten, fällt, begleitet vom Aufstöhnen der mitleidenden Zuschauer, vom Rad. Angesichts der nur noch wenigen verbleibenden Sekunden hatte das Paar auch keine Chance mehr, das Element noch einmal zu wiederholen. Aus der Traum vom WM-Gold.

„Es war höchst tragisch, alles war bis dahin so super gelaufen“, lässt Katharina Wurster den Film noch einmal rückwärts laufen, „da brauchen wir mindestens noch eine Woche, bis wir das richtig verdaut haben.“ Mit 145,79 zu 153,40 Punkten musste das für den SV Mergelstetten startende Duo der starken Konkurrenz aus dem eigenen Lager den Vortritt lassen. In der Vorrunde noch hatten Soika/Wurster das Duell mit 156,04 zu 154,37 Punkten für sich entschieden. Dritte im Finale wurde übrigens ein österreichisches Duo. Nadine Gasser und Darinka Puhr hatten allerdings auf die Zweitplatzierten aus Tübingen schon fast 40 Punkte Rückstand. Im Kunstradfahren eine Welt.

Schon 2011 im japanischen Kagoshima hatte das Tübinger Duo, Titelträger ein Jahr zuvor, nach zwei Wertungsweltrekorden in der Final-Kür den Titel vor Augen. Doch Schultheis/ Springmeier waren noch stärker. Für Jasmin Soika war die WM auch in anderer Hinsicht ein kleines Déjà-Vu: Auch bei der Deutschen Meisterschaft in Kamp-Lintfort Mitte Oktober hatte Katharina Wurster auf Jasmin Soikas Schultern stehend das Gleichgewicht verloren und musste absteigen. Schultheis/Springmeier holten sich den Titel. Und auch bei der German-Masters-Serie, der Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft, mussten sie wegen einer schwachen Vorrunde im dritten Wettbewerb in Gau-Algesheim in der Gesamtwertung den Konkurrentinnen mal wieder den Vortritt lassen. „In Aschaffenburg haben wir die dritte Titelchance vergeben. Das war schon besonders bitter“, zieht Jasmin Soika leicht frustriert Saisonbilanz.

Seit fünf Jahren konkurrieren die beiden deutschen Spitzenteams auf nationaler und internationaler Ebene miteinander – kann man sich da überhaupt noch ausstehen? Natürlich würden in dieser Konstellation die beiden Paare keine dicken Freundinnen mehr, sagt Katharina Wurster. Doch das Verhältnis zu den Kolleginnen im Nationalteam sei ansonsten gut. Auch wenn man den Konkurrentinnen natürlich vor dem Wettkampf nicht verrate, welche Varianten gefahren würden – die eher schwierige und riskante oder die eher leichtere und risikolosere. „Es ist ein ganz normales Miteinander“, sagt Katharina Wurster, „wir haben viel Respekt voreinander.“

Nach der Enttäuschung von Aschaffenburg will das Tübinger Duo nun erst einmal abschalten. Und die Verletzungen ausheilen. Jasmin Soika war mit einem Kapselriss im Daumen zur WM gereist, Katharina Wurster plagten zuletzt Knieschmerzen. Möglicherweise stehen den Tübingerinnen ganz grundsätzliche Veränderungen ins Haus. Vor allem der 23-jährigen Jasmin Soika. Sie hat ihr Studium der Erziehungswissenschaften abgeschlossen und ist gerade dabei, sich beruflich neu zu orientieren. Katharina Wurster, 24, steuert ebenfalls mit aller Macht dem Ende ihres Studiums der internationalen Wirtschaftslehre und des Sportmanagements entgegen. So ist derzeit noch offen, wie es weitergehen soll. „Jetzt brauchen wir erst einmal Ruhe. Dann werden wir sehen“, sagt Katharina Wurster.

Jasmin Soika und Katharina Wurster patzen kurz vor Kür-Schluss
Höchstschwierigkeiten am laufenden Rad: Für Jasmin Soika (unten) und Katharina Wurster lief’s bei der WM bestens – bis zehn Sekunden vor Kür-Ende.

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07.11.2012, 12:00 Uhr

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