Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die Geschichte der Jugendkonzentrationslager im Haus der Jugend

Jazzmusik brachte ihn ins Lager

REUTLINGEN. Von ihrer Existenz ist wenig bekannt: In der Zeit der NS-Diktatur gab es in Deutschland spezielle Jugend-Konzentrationslager. Diesem Thema widmete sich vom 7. bis zum 12. November 1999 im Reutlinger Haus der Jugend die Ausstellung „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben“.

28.10.1999
  • Bernhard Haage

In Moringen bei Göttingen und Fürstenberg/Uckermark gab es solche vermeintlichen Erziehungsanstalten, in denen viele Jugendliche ums Leben kamen. Um dort inhaftiert zu werden, genügte es schon die falsche Musik zu hören: Swing- und Jazzmusik galt unter der Naziherrschaft als „entartet“ und „undeutsch“. Günter Discher ist es so ergangen. Er hat das KZ überlebt. Er kam als Zeitzeuge im Rahmen der Ausstellung nach Reutlingen.

Der regionale Bezug war dem Organisator Jugendpfarrer Winfried Dalferth wichtig. Sowohl der Abtransport der Behinderten in Grafeneck, um sie zu ermorden, als auch die grauenvolle Rolle eines gewissen Robert Ritter, der sich 1936 in Tübingen habilitierte, wurden zusätzlich dargestellt. Das Thema von Ritters Habilitation: „Ein Menschenschlag. Erbärztliche und erbgeschichtliche Untersuchungen über die durch zehn Geschlechterfolgen erfassten Nachkommen von Vagabunden, Gaunern und Räubern.“

Ritter wurde Leiter der rassenhygienischen und bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes. Er „forschte“ auch in Moringen und ließ Inhaftierte bis zur Bewußtlosigkeit verprügeln. Von ihm stammt die Blockeinteilung im KZ: Es gab einen „Block der Untauglichen“, einen „Block der Störer“, einen „Block der Dauerversager“ und einen „Block der Gelegenheitsversager“. Lediglich aus einem Block gab es ein Entrinnen: In diesen „Block der Erziehungsfähigen“ kamen allerdings nur sechs Prozent aller Insassen.

Nach Reutlingen wurde die Ausstellung auch noch in Eningen, Münsingen und Trochtelfingen gezeigt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.10.1999, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball