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Jede Farbe hat ihre Seele
„Es gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau“, wusste der Maler Emil Nolde. In seiner „Landschaft mit jungen Pferden“ aus dem Jahr 1916 scheinen sie alle zusammenzukommen. Foto: © Nolde Stiftung Seebüll, Elke Walford/Dirk Dunkelberg
Ausstellung

Jede Farbe hat ihre Seele

Das Kunstmuseum Ravensburg präsentiert den expressionistischen Maler Emil Nolde. Der Wirkung seiner Werke kann man sich kaum entziehen.

15.11.2016
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Ravensburg. Man kann nur dankbar dafür sein, dass der Figuren- und Blumenmaler Emil Nolde nicht auf die Idee gekommen ist, zum Beispiel so etwas wie die „Mona Lisa“ zu malen. Denn der Kunstfreund ahnt nicht, was er sich einbrockt, wenn er in seinem Terminkalender ein Rendezvous mit dieser Bild-Ikone aus der Werkstatt des Leonardo da Vinci eingetragen hat. Erstens darf man vermuten, dass er halbstundenlang in der Warteschlange unter der Glaspyramide im Pariser Louvre steht, um eine Eintrittskarte zu ergattern. Dann braucht er ein Navigationsgerät, um bis zur Gioconda vorzudringen. Und dort wird ihm der Blick mitunter von mehr als hundert anderen Touristen verwehrt.

Was im Kunstmuseum Ravensburg nicht so schnell passieren wird, denn Hundertschaften Touristen sind in Oberschwaben eher selten vor einem Bild anzutreffen. Man kann also hier so dicht vor Emil Noldes Ölgemälde treten, dass einen die Dramatik und Farbgewalt dieser Bilder regelrecht anspringt und überwältigt. Es ist einfach Kunstgenuss pur. Wo gibt es das sonst, dass auch das kleinste eingeschlossene Luftbläschen noch im pastosen Farbauftrag zu erkennen ist und dass uns kein einziger Millimeter Glas die Sicht darauf verwässert?

Erfahrung des Originals

Die Nolde-Stiftung im schleswig-holsteinischen Seebüll und das Berliner Brücke-Museum bestreiten gemeinsam diese Ravensburger Kunstschau, und sie garantieren dafür, dass hier das Original unverfälscht als Original rüberkommt. Von Noldes kleinformatigen Aquarellen, den während der NS-Zeit trotz Malverbots entstandenen „Ungemalten Bildern“, einmal abgesehen – die kamen aus einsehbaren Schutzgründen allesamt unter Glas.

Dieser chronologisch angelegte Ravensburger Rundlauf durch Emil Noldes farbgesättigtes und mit jeder Menge Meerweibern, Trollen und anderen Märchenfiguren bevölkertes Mal-Universum lässt sich ohne jede Ermüdungserscheinung absolvieren, weil der Blick sozusagen von Zuckerstückchen zu Zuckerstückchen wandert. Weniger gelungene Bilder sucht man in dieser Ausstellung vergeblich. Oder doch, vielleicht hätte man auf die ein, zwei Arbeiten verzichten können, die Noldes turbulente Südseereise im Jahr 1913 belegen sollen.

Ganz Expressionist

Ansonsten sollte man Emil Nolde selbst zitieren, wenn es um seine Bilder und um seine Malerei geht. Da berichtet er beispielsweise in „Worte am Rande“ im Jahr 1942: „Gelb kann Glück malen und auch Schmerz. Es gibt Feuerrot, Blutrot und Rosenrot. Es gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau. Jede Farbe birgt in sich ihre Seele, mich beglückend oder abstoßend und anregend.“ Kann man diese ganz dem Expressionismus verpflichtete künstlerische Grundstimmung besser veranschaulichen als in diesen Worten?

Und schaut man dann auf Emil Noldes Figuren, auf seine Blumenstillleben und auf die vielen Landschaftsbilder um einen herum in dieser Ausstellung – ob aus dem Frühwerk oder Spätwerk –, überall blitzen sie auf, die Feuerrots, die Gewitterblaus und die Schmerzgelbs. Diesem wie ein Hurrikan um eine ruhige Mitte wirbelnden Farbsturm kann man nur schwer, wenn überhaupt entkommen.

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15.11.2016, 06:00 Uhr

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