Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Sozialversicherung

Jede vierte Kasse erhöht Beitragssatz

Nur ein Teil der Krankenversicherer im Südwesten verlangt 2017 mehr Geld. Das dürfte sich im nächsten Jahr ändern.

03.01.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. Mitglieder der Metzinger Betriebskrankenkasse (BKK) können sich freuen: Sie hat weiterhin den günstigsten Beitragssatz aller Kassen, die in Baden-Württemberg jedem Arbeitnehmer und Rentner offenstehen. Trotzdem müssen sie mehr zahlen. Denn sie hat den Beitrag zum Jahresbeginn um 0,3 Prozentpunkte auf 14,9 Prozent erhöht. Damit steht sie nicht alleine da: Weitere 13 zogen die Beitragsschraube an. Dabei handelt es sich ausschließlich um BKKen.

Die meisten Kassen ließen dagegen ihren Beitragssatz unverändert, darunter große Anbieter wie Techniker Krankenkasse, Barmer und AOK Baden-Württemberg. Zu dieser Einschätzung war schon der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Ende Oktober 2016 gekommen: Im Schnitt werden weiter 15,7 Prozent verlangt.

Neue Regeln seit 2015

Seit Anfang 2015 können die Kassen einen Zusatzbeitrag erheben, wenn sie mit den 14,6 Prozent nicht auskommen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte aufbringen müssen. Im Schnitt beträgt er 1,1 Prozent, die allein zu Lasten der Arbeitnehmer und Rentner gehen. Dies soll den Wettbewerb unter den Kassen beleben. Auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands kann die aktuelle Liste aller Kassen und ihrer Zusatzbeiträge nach Bundesländern abgerufen werden. Ihr ist auch unsere Tabelle entnommen.

Dass die Bereitschaft zum Wechsel da ist, zeigt die Metzinger BKK: Im Jahr 2014 hatte sie erst rund 2000 Versicherte. Seit sie aber damit werben kann, der günstigste Anbieter im Land zu sein, explodierte die Zahl auf 27 000. Bewältigen konnte sie dies nur, weil sie durch eine Verwaltungsgemeinschaft mit der deutlich größeren MH plus BKK verbunden ist, die selbst mit 15,7 Prozent deutlich mehr verlangt.

Erhebliche Sparmöglichkeiten

Einzelne Anbieter wie die BKK Vital mussten ihren Beitragssatz um bis zu 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Sie ist jetzt mit 16,4 Prozent die teuerste im Land. Wer im Monat 3000 EUR brutto verdient, kann durch den Wechsel zur Metzinger BKK 39 EUR im Monat sparen, also 468 EUR im Jahr. Allerdings sind nur etwa 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen gleich. Wer auf alternative Behandlungen, zusätzliche Vorsorgeangebote oder mehr Geld für künstliche Befruchtung Wert legt, sollte sich über die Extras informieren. Das gilt auch etwa für eine 24-Stunden-Hotline für medizinische Beratung, die nicht alle bieten.

Dass die BKKen zu kämpfen haben, zeigten die ersten drei Quartale 2016, in denen die gesamte GKV einen Überschuss von 1,55 Mrd. EUR erzielte. Am besten standen die großen Ersatzkassen mit einem Plus von 757 Mio. EUR da, gefolgt von den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit 559 Mio. EUR. Bei den 83 BKKen blieben nur 91 Mio. EUR übrig. Sie sind häufig recht klein, was schon zeigt, dass zu ihrem Lager 70 Prozent aller 118 gesetzlichen Kassen gehören, aber nur rund 10 Mio. der 71 Mio. Versicherten. Zudem fühlen sie sich beim Strukturausgleich zwischen den Kassen benachteiligt, der Geschlecht und Alter der Versicherten sowie Ausgaben für schwere Krankheiten berücksichtigen soll.

2018 drohen Steigerungen

Eigentlich hatte die Branche für 2017 mit einem durchschnittlichen Anstieg der Beiträge um bis zu 0,2 Prozentpunkten gerechnet. Doch nicht nur die Steigerungen von Löhnen und Beschäftigung sorgten für mehr Einnahmen.

Die Kassen bekommen auch im Wahljahr 1,5 Mrd. EUR zusätzlich aus dem Gesundheitsfonds, und verschiedene Reformen kosten noch nicht so viel wie erwartet.

Das dürfte sich 2018 ändern. Dann rechnet Barmer-Chef Christoph Straub mit einem deutlichen Anstieg für die ganze Branche um 0,3 Prozentpunkte auf durchschnittlich 16 Prozent. Als wesentlichen Treiber sieht er Zusatzausgaben in Milliardenhöhe für neue Gesetzesmaßnahmen. Hinzu kommen laufende Steigerungen etwa für Medikamente oder Krankenhausbehandlungen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Bürgermeisterwahl im ersten Anlauf entschieden Christian Majer holt in Wannweil auf Anhieb knapp 60 Prozent
Klarer Sieg fürs Aktionsbündnis: Kein Gewerbe im Galgenfeld 69,6 Prozent beim Bürgerentscheid: Rottenburg kippt das Gewerbegebiet Herdweg
Kommentar zur Bürgermeisterwahl in Wannweil Jetzt muss er Kante zeigen
Amtsgericht Horb verhandelt Cannabis-Besitz Hanfkekse aus eigenem Anbau
Warentauschbörse Stetes Kommen und Gehen
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball