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Mit Heavy Rock hat Ritchie Blackmore nichts mehr am Hut

Jeder Song wie eine Ballade

1300 Fans aus ganz Europa, zum Teil in mittelalterliche Gewänder gehüllt, füllten am Samstagabend beim Konzert von Blackmore’s Night den Schadenweiler Hof. Eine malerischer Mittelaltermarkt bildete die stimmige Kulisse für ein ungewöhnliches Konzert.

23.07.2012
  • Martin zimmermann

Rottenburg. Fast zweieinhalb Stunden lang spielt die siebenköpfige amerikanische Renaissance-Rockgruppe um den 67-jährigen Ex-Deep Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore. „Das war sein bestes Konzert auf dieser Sommertour“, sagte ein langjähriger Fan danach.

Nachmittags sah es bei Nieselregen lange nicht nach einem gelungenen Open Air aus. Nur wenige Besucher verloren sich auf dem Mittelaltermarkt. Einer davon war Mike Clemente, Blackmore’s Bassist. Am Gürtel trug er eine Peitsche, „um die Roadies anzutreiben.“

Der New Yorker Musiker schlenderte über den Markt, versuchte sich beim bei Messerwerfen und applaudierte der Mittelalterband Cantus Lunaris. „Wir spielen lieber hier in Europa als in USA, weil wir hier eine treuere Fanbasis haben. Sie folgen uns während der gesamten Tour überall hin,“ sagte er. Dann war die Invasion der Fans plötzlich da. Gegen 18 Uhr standen seltsame Gestalten in mittelalterlichen Kostümen vorm Tor der Forsthochschule bis zur Schadenweiler Straße an und warten auf den Einlass. Die meisten waren zwischen 40 und 60 Jahren alt, einige davon hatten auch Kinder mitgebracht.

Aus Italien, Frankreich, England, Kroatien, der Schweiz kamen die Fans, die meisten aber aus Süddeutschland. Die weiteste Anreise hatte ein Pärchen aus Island, das eine Flagge des skandinavischen Inselstaats schwenkte. „Das ist unser drittes Konzert dieses Woche. Wir waren gestern in Luxemburg dabei und am Montag in Neu-Isenburg“, erzählte ein 45-jähriger Koblenzer, der 1984 sein erstes Deep Purple-Konzert und seither über 30 Konzerte von Ritchie Blackmore besucht hat.

Einem 43-Jährigen aus dem hessischen Limburg, der mit seinem zwölfjährigen Sohn angereist war, waren die Deep Purple „. . . damals immer zu laut. Erst über Blackmore´s Night habe ich einen Zugang zu dieser Musik bekommen.“ Der 32-jährige Gaetano Loffredo kam extra aus Como angereist, denn: „Blackmore spielt lieber Open Air in deutschen Burgen als in italienischen Hallen. Seine Konzerte dauern hier im Durchschnitt ein Stunde länger als in Italien.“

Der 64-jährige Albert Dannenmann, bestätigte: „Wenn Ritchie die Location gefällt, spielt er auch mal drei bis vier Stunden. Wenn ihn das Publikum nervt und ständig alte Deep Purple-Songs fordert, hat er die Gitarre auch schon einmal nach fünfzig Minuten in die Ecke geknallt.“ Dannemann war bis letztes Jahr 15 Jahre lang mit Blackmore´s Night auf Tour und spielt mittlerweile mit seinem historischen Krummhorn, das wie ein umgedrehter Spazierstock aussieht, bei Cantus Lunaris.

Die Musik von Blackmore´s Night ist eine eigentümliche Mischung aus Neo-Folk, Schlager, Renaissance-Elementen und Rock. Ritchie Blackmore spielte während des Eröffnungsstücks Laute und Gitarre gleichzeitig und wechselte mehrmals zwischen verschiedenen Instrumenten. Bei einem Solo improvisierte er einige Takte lang zur Melodie der deutschen Nationalhymne.

Die Rolle der Frontfrau überließ er jedoch seiner Ehefrau und Sängerin Candice Night. Ihr blieb es auch überlassen, die zahlreichen Geschenke einzusammeln, die ihr die Fans während des Konzerts auf die Bühne reichten – darunter selbstgebackene Kekse und Kuscheltiere für das im Februar geborene zweite Kind von Candice und Richard Hugh Blackmore.

Bereits als drittes Stück spielte die Band den Deep Purple-Titel „Soldier of Fortune“. Neu arrangiert und mit historischen Instrumenten, hat der Sound von Blackmore´s Night mit Deep Purple nicht mehr viel zu tun. Blackmore spielt kaum noch Riffs und Nights Stimme lässt fast jeden Song wie eine Ballade klingen – romantisch, süßlich und volkstümlich. Passend dazu werden stimmungsvolle Bilder von Feuerwerk, Flammen und Sonnenuntergängen auf die Hintergrund-Leinwand projiziert.

Das Publikum war von diesem Märchenland-Image begeistert, schunkelte bei den langsameren Folksongs wie „Wind in the Willows“ oder „Barbara Ellen“ und sang die schwungvolleren und eingängigeren Refrains wie „Under a violent Moon“ mit. Zum Ende gab es stehenden Applaus und statt einer Zugabe eine Feuershow auf dem Mittelaltermarkt.

Jeder Song wie eine Ballade
Blackmore’s Night – das sind der Ex-Deep Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore (rechts) und seine Ehefrau Candice Night (links). Die beiden und ihre Begleitband sind auf Renaissance-Rock spezialisiert. Sie spielen vorzugsweise auf Mittelalter-Festivals und -Märkten – wie hier am vergangenen Samstag auf dem Schadenweiler Hof. Bild: Ulmer

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23.07.2012, 12:00 Uhr

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