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Studie

Jeder vierte Manager ist zu unethischem Verhalten bereit

Vor allem jüngere Kollegen sind bereit, Regeln zu umgehen. Laut Ernst&Young steht Deutschland im internationalen Vergleich aber gut da.

06.04.2017
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Das Resümee ist für Stefan Heißner erschreckend: „Unter dem Strich ist fast jeder vierte Manager in Deutschland zu unethischem Verhalten bereit“. Er würde zum eigenen Karrierevorteil oder für einen höheren Bonus Externe mit falschen Angaben zum Unternehmen täuschen, seine Vorgesetzten mit falschen Informationen versorgen oder auch unethisches oder gar gesetzwidriges Verhalten von Kunden, Lieferanten oder Kollegen ignorieren.

Heißner weiß, um was es geht: Er war 15 Jahre lang Kriminalbeamter in Frankfurt und arbeitet inzwischen seit mehr als zehn Jahren für die Unternehmensberatung Ernst&Young (E&Y) als Leiter der Abteilung „Fraud Investigation“, die sich mit Korruption in Unternehmen und fragwürdigem Verhalten von Managern beschäftigt. Die jüngsten Erkenntnisse stammen aus der neuen Studie und Umfrage unter 4100 Managern zu den Themen Wirtschaftskriminalität und Korruption in Europa, Nahost und Afrika, die Heißner am Mittwoch in Frankfurt präsentierte.

Deutschland kommt dabei in den Augen der Manager nicht gut weg. 43 Prozent halten danch Bestechung und Korruption hierzulande für weit verbreitet, bei der letzten Umfrage vor zwei Jahren waren es nur 26 Prozent. Heißner ist überrascht über diese Einschätzung. „Ich glaube nicht, dass Korruption zugenommen hat. Die Wirtschaft und die Unternehmen tun viel. Der öffentliche Sektor unternimmt sehr viel. Es gibt viel mehr Spezialisten und den Schulterschluss zwischen Ermittlern und Steuerfahnder. Es geht nicht mehr allzu viel durch“.

Firmen sind in der Pflicht

Aber offensichtlich sind der VW-Dieselskandal, die Skandale um den Interbankenzins Libor oder jüngste Preisabsprachen zwischen Unternehmen Gründe für diese negative Wahrnehmung. „Verheerend ist, dass solche Fälle die über Jahre gemachten deutlichen Fortschritte der deutschen Konzerne in Sachen Compliance in den Hintergrund rücken lassen“, sagt Heißner.

Er sieht die Firmen in der Pflicht, viel mehr als bislang ethisches Verhalten im Unternehmen zu fördern. „Die Themen sind noch viel zu stark juristisch getrieben“. Solche Anstrengungen seien um so wichtiger, weil gerade die Generation Y, also junge Menschen zwischen 25 und 35, der Studie zufolge deutlich anfälliger für unethisches Verhalten sind als die anderen Altersgruppen.

Während 73 Prozent der Jüngeren sagen, unethisches Tun sei in Ordnung, um das Unternehmen über einen Abschwung zu retten, sind es im Durchschnitt aller Altersgruppen nur 59 Prozent. Einer von vier der Jüngeren rechtfertigt das Anbieten von Schmiergeldern, um eine neuen Auftrag zu gewinnen oder um bestehende Aufträge weiterzuführen. Im Durchschnitt aller Altersgruppen ist es nur jeder Sechste.

Von den befragten Managern hat die Hälfte in ihrer Berufslaufbahn im Unternehmen schon einmal Korruption oder unethisches Verhalten erlebt. „Dieser lockere Umgang mit der Ethik kann für die Unternehmen nicht nur juristische Folgen nach sich ziehen“, sagt Heißner. „Er ist auch für die Mitarbeiterbindung und die Integrität des Unternehmens fatal.“ Generell aber gebe es genügend Mitarbeiter, denen verantwortungsvolles Handeln viel bedeute. Zu oft würden sie aber noch allein gelassen, weil dies in der Führungsebene nicht vorgelebt werde, warnt Heißner. Zudem fehlten Whistleblowing-Hotlines für die Meldung von Verfehlungen oder sie seien zu wenig bekannt.

Trotz der auch für Heißner zu Teil ernüchternden Ergebnisse der Umfrage stehe Deutschland im internationalen Vergleich gut da. „Korruption kommt in Deutschland nur unterdurchschnittlich vor“. Unrühmlich sei die Lage etwa in der Ukraine, Zypern, Griechenland und der Slowakei, wo jeweils rund 80 Prozent der befragten Manager betonen, bei ihnen sei Korruption im Geschäftsleben weit verbreitet. Am Ende der Skala und damit am besten da stehen die skandinavischen Länder. In Dänemark glauben nur sechs Prozent der Manager, dass es bei ihnen im Geschäftsleben unsauber zugeht.

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06.04.2017, 06:00 Uhr

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