Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Hells Angels

Jedes Indiz schlüssig zu widerlegen

Das Horber Schöffengericht hat zwei Angeklagte aus dem Reutlinger Rockermilieu freigesprochen.

21.10.2016
  • Dagmar Stepper

Laut Staatsanwaltschaft hatten die zwei Männer, einer von ihnen ein 24-jähriger Mann aus Reutlingen, am 5. November 2014 einen Mann im Horber Stadtteil Dettingen schwer verprügelt. Sie sollen an der Tür des Opfers geklingelt und es mit einem Schlagrohr und einem Radmutterschlüssel zusammengeschlagen. Anschließend waren sie in einem dunklen Kleinwagen geflüchtet.

Die Kripo-Beamten vermuteten einen Streit im Rockermilieu: Das Opfer bewegte sich im Umfeld des Motorradclubs „Outlaws“, die beiden Angeklagten gehören den „Hells Angels“ in Reutlingen an. Bereits fünf Tage vor der Tat war es in Horb zum Streit zwischen den beiden Rockerbanden gekommen. Mehrere Zeugen hatten am Tattag einen schwarzen Kleinwagen mit Heilbronner Nummer, das Auto der Freundin des 30-jährigen Angeklagten, gesehen. Im Wagen fanden sich Blutspuren am Handschuhfach und auf der Fußmatte auf dem Beifahrersitz, die vom Opfer stammten. Außerdem fehlte der Radmutterschlüssel im Wagen. Die Täter hatten am Tatort einen Radmutterschlüssel zurückgelassen. Auf diesem fanden die Ermittler DNA-Spuren des 30-Jährigen.

Für die Staatsanwältin war klar: Der 30-Jährige war der Täter. Als Mittäter wurde der 24-jähriger Reutlinger beschuldigt, ein enger Vertrauter. Die beiden seien mit dem Auto der Freundin von Reutlingen nach Dettingen gefahren und hätten den Geschädigten überfallen. Als Indiz, dass sich der 30-jährige Heilbronner zu diesem Zeitpunkt in Reutlingen aufhielt, dienten Bankabbuchungen am Geldautomat.

Die Staatsanwältin forderte zwei Jahre und elf Monate Haft für den 30-Jährigen und zwei Jahre und neun Monate für den Reutlinger. Über das Motiv konnte sie allerdings nur spekulieren: „Es hat sich wohl um eine Verwechslung gehandelt.“ Denn das Opfer war bei den Streitereien zwischen den rivalisierenden Rockerbanden in der Halloween-Nacht gar nicht dabei.

„Freispruch“ forderten dagegen die beiden Verteidiger. Von Beginn an hätten sich die Kripo-Beamten an den „Hells Angels“-Mitgliedern festgebissen und in keine andere Richtungen mehr ermittelt. Die Blutflecken im Fahrzeug würden den 30-jährigen Angeklagten zwar belasten. Aber: „Welcher Täter lässt solche Blutspuren im Auto?“, fragte Anwalt Thomas Rall.

Das Schöffengericht sah das genauso, sprach die beiden Angeklagten gestern frei. „Wir haben kein Geständnis, keine zwingenden Beweismittel und keine Tatzeugen“, sagte Richter Albrecht Trick. Es sei ein Indizienprozess mit vielen „könnte“. Das Gericht könne nicht ausschließen, dass jemand anderes den Wagen gefahren und die Tat begannen habe. „Die Kriminalpolizei hat es sich zu einfach gemacht“, sagte Trick. Jedes Indiz lasse sich schlüssig widerlegen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.10.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball