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Hoffnung trotz Höchststrafe

Jeffrey Kyei will beim Oberligisten SSV Reutlingen nicht aufgeben

Es sind fußballerisch garantiert keine guten Zeiten, die der Tübinger Jeffrey Kyei (20) derzeit beim Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen durchmacht. „Aber ich gebe nicht auf!“, sagt Kyei, der momentan einen ganz besonderen Tiefschlag verkraften muss.

07.10.2010
  • Thomas de Marco

Tübingen. Es ist die 70. Minute, als Kyei an alter Wirkungsstätte bei den Stuttgarter Kickers II für den SSV aufs Feld darf. Doch nur zehn Minuten später wechselt Reutlingens Trainer Lothar Mattner den Mittelfeldspieler wieder aus. Höchststrafe nennen das die Fußballer. „So was ist mir vorher auch noch nie passiert“, sagt Kyei.

War die Auswechslung gerechtfertig? Der Tübinger wiegt den Kopf hin und her, sagt: „Was kann man in zehn Minuten falsch machen? Aber anscheinend war ich in der Zeit schlecht. Der Trainer meint, ich hätte nicht das umgesetzt, was er verlangt hat.“ Persönlich hat er das von Mattner allerdings noch nicht gehört, denn unter der Woche war Kyei krank. „Ich sehe ihn erst heute im Training wieder.“ Aber er sei auch nicht der Spieler, der reinkommt und erkennen lässt, dass er was reißen will. „Ich bin eher verspielt und habe wohl nicht richtig gekämpft, obwohl ich mir das vorgenommen hatte. Das kam dann falsch rüber nach außen“, erklärt der Mittelfeldspieler, dessen Team am Freitag in letzter Minute noch mit 1:2 in Stuttgart verloren hat (wir berichteten).

Wie geht der Deutsch-Ghanaer, der in Derendingen aufgewachsen ist, mit so einem frustrierenden Erlebnis um? „Das Wochenende war für mich gelaufen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und die Schuld bei mir gesucht. Denn der Trainer will mir ja nichts Böses“, sagt Kyei. Mit ein, zwei Kumpels kann er über solche Rückschläge reden. „Die wollen mich dann ablenken, aber diese Sache konnte ich nicht so einfach vergessen.“

Trotzdem hat er es nicht bereut, dass er vor der Saison von den Stuttgarter Kickers II nach Reutlingen gewechselt ist. „Ich fühle mich eigentlich wohl. Der Verein ist gut geführt, auch wenn wegen der Insolvenz weniger Leute beschäftigt sind.“

Allerdings geht es nicht nur ihm derzeit schlecht beim SSV, das ganze Team steht nach zuletzt vier Niederlagen in Serie gewaltig unter Druck. „Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, so früh in den Keller zu rutschen“, sagt Kyei. Er ist aber davon überzeugt, dass die Reutlinger das Potenzial für den Klassenverbleib haben.

Das neu zusammengestellte Team brauche eben Zeit, sagt der Tübinger – und weiß, von was er spricht: Vergangene Saison war er mit den Kickers II fast die gesamte Vorrunde über Tabellenletzter, kassierte mit dem Team sogar eine Serie von elf Niederlagen am Stück. Doch am Ende entgingen die Stuttgarter dann doch noch dem Abstieg.

Kyei selbst will sich nun im Training ins Zeug legen und sich aufdrängen. „Ich hoffe, dass der Trainer mich noch nicht angeschrieben hat“, sagt der Mittelfeldspieler, der zuletzt mehrfach im Bezirksliga-Team des SSV zum Einsatz gekommen war. Bis zum 27. November will Kyei auf jeden Fall wieder in der Oberliga-Mannschaft stehen. Dann spielt der SSV bei Waldhof Mannheim – und der Tübinger würde im Carl-Benz-Stadion auf seinen Bruder Hans treffen. „Da würde dann die ganze Familie zuschauen“, sagt Kyei und lächelt hoffnungsvoll.

Schiene weg – Festtag für Sebastian Weinmann

Während es für Jeffrey Kyei beim SSV Reutlingen gar nicht läuft, kann Sebastian Weinmann, der Spielertrainer vom C-Ligisten SV Hailfingen II aufatmen. „Das Knie wird langsam wieder soweit, dass ich mich selbstständig bewegen und die Dinge des Alltags bewältigen kann. Die Schiene ist gestern endgültig weggekommen, das war ein Festtag!“, sagt Weinmann (32). Allerdings beginnt die Reha für ihn jetzt erst so richtig mit viermal Kraft- und Koordinationtraining pro Woche.

Wenn er seine Mannschaft kicken sieht, würde sich Weinmann immer mal wieder gerne selber einwechseln. „Wir spielen oft überhastet, das ist sicher auch dem niedrigen Durchschnittsalter geschuldet – der Schnitt liegt bei 21 Jahren.“ Dabei klagt Weinmann auf hohem Niveau, schließlich hat die Mannschaft bisher alle fünf Spiele gewonnen. Allerdings musste das Team das 2:1 über den SV Neustetten II teuer bezahlen: Zwei Hailfinger erlitten Kreuzbandrisse, einer eine schwere Schulterverletzung.

Jeffrey Kyei will beim Oberligisten SSV Reutlingen nicht aufgeben
Im Testspiel gegen Werder Bremen war Jeffrey Kyei (links, gegen Nationalspieler Aaron Hunt) noch eine feste Größe beim SSV Reutlingen – doch derzeit hat der Mittelfeldspieler (früher TSG Tübingen) einen schweren Stand.Archivbild: Ulmer

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07.10.2010, 12:00 Uhr

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