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Jerichow

Auch wenn hier kein Postmann klingelt: die (ost-)deutsche Version des Noir-Klassikers überzeugt.

Auch wenn hier kein Postmann klingelt: die (ost-)deutsche Version des Noir-Klassikers überzeugt.

Jerichow

Jerichow --

01:58 min

Deutschland

Regie: Christian Petzold
Mit: Benno Fürmann, Nina Hoss, Hilmi Sözer, André M. Hennicke, Claudia Geisler

- ab 12 Jahren

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23.11.2015
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Zum Interview mit Christian Petzold

Regisseur Christian Petzold schaut gern nächtelang Western und Krimis aus der Glanzzeit Hollywoods. Das merkt man auch seinen eigenen Filmen an. Yella war inspiriert vom Gruselfilm „Carnival Of Souls“; „Jerichow“ bezieht sich auf den schon mehrfach verfilmten Roman „The Postman Always Rings Twice“ von James M. Cain, eine finstere Dreiecks-Geschichte um Lust, Gier und Mord.

Petzold verlegt den Plot in die tiefste ostdeutsche Provinz. Hier, in seiner alten Heimat, will Thomas (Benno Fürmann) nach dem Rausschmiss aus der Armee Fuß fassen. Er findet Arbeit beim Dönerbuden-König Ali, einem dicklichen Kumpeltyp, der aber im Suff gern mal brutal zuschlägt. Kein Wunder, dass Alis spröde Frau (Nina Hoss) Trost und Liebe bei dem Neuankömmling sucht – der ihr als armer Schlucker aber keinerlei Zukunftsperspektive bieten kann.

Petzolds Stärke liegt einmal mehr in der Beschreibung der sozialen Landschaft: einer Einöde, wo kaum noch Menschen zu leben scheinen, die Häuser verwahrlosen und selbst Knochenjobs auf den Gurkenfeldern ein Luxus sind. Auch die privaten Beziehungen sind von wirtschaftlichem Kalkül überformt.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich jedoch kein realistisches Drama, auch mit den Suspense-Momenten der Vorlage geht Petzold sparsam um. Eher wirkt „Jerichow“ wie ein (Alp-)Traum. Trotz der glasklaren Bildsprache sieht man den Figuren fast wie durch eine Nebelwand bei ihrer schicksalhaften emotionalen Verstrickung zu. Die Charaktere bleiben schemenhaft, lassen dadurch aber umso mehr Raum für die Fantasie der Zuschauer.

Die stärkste Miniatur liefert Hilmi Sözer. Sein Ali hat es vom Gastarbeiter zum gut situierten Unternehmer gebracht – und doch merkt man ihm ständig seine Verlorenheit an und die Angst, dass alles nur ein Trugbild sein könnte.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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