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Im Tausch gegen Bauland

Jettenburg soll wieder Bauplätze kriegen

Jettenburg sind die Bauplätze ausgegangen. Neues Bauland ist im Flächennutzungsplan nicht vorgesehen. Deshalb will die Härtengemeinde nun eine ortsnahe Baufläche im Tausch gegen ein weniger attraktives Gelände gewinnen.

29.06.2012
  • Ulrike Pfeil

Jettenburg. Vor kurzem wurde im Jettenburger Neubaugebiet „Wasserstallhalden“ das letzte Grundstück an eine Familie verkauft. Der Ort hat damit keinen einzigen Einzelhaus-Bauplatz mehr. Ebenso wie in anderen Härten-Orten gilt aber auch hier ein „ungeschriebenes Gesetz“, das Bürgermeister Jürgen Soltau im Kusterdinger Gemeinderat am Mittwoch zitierte: „Jeder, der am Ort wohnt, soll auch einen Bauplatz bekommen können.“

Der Blick fiel deshalb fast naturgemäß wieder auf die „Bubwiesen“, eine rechteckige Fläche am Südende des bebauten Orts, die an drei Seiten bereits von Häusern umgeben ist. Noch sind die Bubwiesen ein Getreideacker. Im vor acht Jahren beschlossenen Ortsentwicklungsplan wurden sie schon als mögliches Baugebiet in Betracht gezogen. Weil das Gebiet aber im Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands Reutlingen-Tübingen nicht als Baugebiet definiert ist, wurde vor vier Jahren bereits eine entsprechende Änderung beantragt. Sie wurde jedoch nie vollzogen.

Inzwischen ist das Tübinger Regierungspräsidium gegenüber der Ausweisung neuer Wohnbauflächen außerhalb des Flächennutzungsplans sehr restriktiv – wie etwa die Unterjesinger erfahren mussten, die sich ein Neubaugebiet im „Jesinger Loch“ wünschten. Dieses wurde vom Regierungspräsidium mit dem Verweis auf vorrangige Möglichkeiten der Innenentwicklung abgelehnt.

Um derartigen Schiffbruch zu vermeiden, will es die Gemeinde mit einem Flächentausch versuchen: Als Gegenleistung für die Ausweisung von Wohnbauplätzen auf den Bubwiesen soll ein in der Fläche (1,4 Hektar) etwa entsprechendes, bisher nicht bebautes Mischgebiet in ein landwirtschaftliches Gebiet umgewidmet werden. Es handelt sich dabei um einen Zwickel zwischen der westlichen Bebauung an der Mähringer Straße (hinter dem Gasthof „Kompf“ und dem Kindergarten) und der B 28. An den Schmalseiten wird er von der Rampe zur B 28 und von der Bahnwiesenstraße beim Alten Friedhof begrenzt.

Dieses Gelände direkt hinter der Lärmschutzwand ist für eine Wohnbebauung zweifellos unattraktiver und außerdem schwerer zu erschließen als die Bubwiesen, von denen sich auch eine schöne Aussicht zur Schwäbischen Alb bietet. Die Gemeinde hofft deshalb, dass ihre Argumente das Regierungspräsidium überzeugen. „Wir müssen es einfach versuchen“, sagte Soltau. Der Gemeinderat stimmte dem Tauschprojekt bei einer Enthaltung zu.

Zwei Jettenburger, die im Publikum saßen, ließen nach der Sitzung erkennen, dass es im Dorf auch Leute gibt, die sich bei dem Deal als Verlierer fühlen. Der eine, ein Handwerker aus dem Ort, besitzt im Tausch-Zwickel ein Grundstück, auf dem er gern seinen Betrieb „für die nachkommende Generation“ erweitert hätte. Er sieht nun stattdessen einem Wertverlust entgegen, wenn das vermeintliche Mischgebiet zu Ackerland umgewidmet wird.

Der andere fragte sich, wie ernst der Flächennutzungsplan zu nehmen ist, wenn ständig Ausnahmen gemacht werden. Die Jettenburger Änderung ist die 125..

Jettenburg soll wieder Bauplätze kriegen
Noch wächst Getreide auf den Jettenburger Bubwiesen. Wenn das Regierungspräsidium zustimmt, könnte hier ein kleines Wohnbaugebiet entstehen. Bild: Meissner

Seltenes Bild: Der Kusterdinger Gemeinderat war am Mittwoch zu Beginn der Sitzung gar nicht beschlussfähig. Viele der nagelneuen Stühle standen leer um den Sitzungstisch im Kusterdinger Rathaus.
Von 25 Räten fehlte mehr als die Hälfte, die dreiköpfige FDP-Fraktion war komplett abwesend. Erst als ein FWV-Ratsmitglied per Telefon herbeigerufen wurde, hatte das Gremium einschließlich des Bürgermeisters die zur Beschlussfähigkeit
nötigen 13 Stimmen.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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