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Kommentar

Jetzt aber mit Volldampf voran!

Täuscht der Eindruck – oder gießt Anton Brenner in letzter Zeit tatsächlich weniger Galle über der Oberen Viehweide aus?

30.06.2012
  • Sepp Wais

Jahrelang hat der Linke im Tübinger Rat keine Gelegenheit ausgelassen, die Zuschüsse für den Technologiepark zu geißeln und dessen sofortige Aufgabe zu fordern. Er war nicht der einzige, dem das viele Geld wehtat, das aus der Stadtkasse ins Gründerzentrum abfloss. Von der Euphorie, mit der man im Rathaus 1999 das Experiment anpackte, war schon wenig später, als über Nacht die Biotech-Blase platzte, nichts mehr zu spüren. Kein Wunder bei einem Zuschussbedarf von bis zu 1,6 Millionen Euro im Jahr.

Doch seit geraumer Zeit sieht es so aus, als ob die Rechnung doch aufgehen könnte, mit der sich der Gemeinderat einst für den Hightech-Park entschied. Als viele schon nicht mehr an den Erfolg glaubten, begannen sich die Büros und Labors im zeitweise zu zwei Dritteln leerstehenden Gründerzentrum zu füllen. Vorneweg waren es Immatics und Curevac, die zig Millionen Risikokapital einwarben und damit die Wende einleiteten.

Der ersehnte Aufschwung ging so rasant vonstatten, dass die Stadt nicht mehr mitkam. Ende 2010 waren der 8600 Quadratmeter große Gründerbau voll und die südlich angrenzenden Flächen vergeben. Damals deutete die zuvor zäh bremsende L-Bank erstmals an, dass sie eventuell doch einen Erweiterungsbau „per spektivisch angehen“ könnte.

Jetzt will sie endlich – und kann nicht, weil es die Stadt in 13 Jahren nicht geschafft hat, die Planungen für den 22 Hektar großen Entwicklungsbereich bis zur Baureife voranzutreiben. Das einzige, was die Bauverwaltung jetzt vorweisen kann, ist ein veralteter Rahmenplan und ein Teil-Bebauungsplan, der 2005 wegen schlampigen Umgangs mit dem Lärmschutz vom Verwaltungsgericht einkassiert wurde. Ein Fall für den Rechnungshof, ein Skandal – die Stadtverwaltung sieht da wirklich schlecht aus!

Aber nur auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut, findet schnell heraus, dass man ihr mit Pech-und-Pannen-Geschrei in diesem Fall Unrecht tut. Warum hätte sich die in mehreren Sparrunden ausgedünnte und dann völlig überlastete Planungsabteilung ausgerechnet um das aussichtslos erscheinende Viehweiden-Projekt kümmern sollen, wo es doch so viele dringlichere Baustellen in Tübingen gab?

Im übrigen hätte wohl auch der schönste Plan nichts genutzt, wenn der Bund seine Flächen an einen Privatinvestor wie etwa Böhringer verkauft hätte. Erst im Herbst 2011 erklärten der Bund und das vorkaufsberechtigte Land, dass sie kein Interesse mehr am Gelände der Virusforscher haben. In die Zukunft gewandt, heißt das: Jetzt ist der Weg frei. Jetzt kommt es darauf an, den Technologiepark so rasch wie möglich – zumindest schneller, als es sich die L-Bank anders überlegen kann – planerisch aufzubereiten. Mit oberster Priorität. Just dies will Planungschef Tim von Winning den Stadträten am Montag versprechen.

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30.06.2012, 12:00 Uhr

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