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Kommentar

Jetzt müssen die Händler handeln

Die Tübinger kaufen zu wenig in Tübingen ein. Für ihre Größe hat die Stadt eine miserable Kaufkraftbindung: Von dem Geld, das allen Tübingern für Einkäufe zur Verfügung steht, werden nur 77 Prozent in den Tübinger Geschäften ausgegeben. Und das, obwohl dort ja auch noch viele Auswärtige einkaufen. Die Kaufkraftbindung ist in den vergangenen Jahren tatsächlich drastisch gesunken: 2005 lag die Kaufkraftbindung noch bei 94 Prozent. Was auch noch reichlich mies ist. In einer attraktiven Stadt liegt sie bei über 100 Prozent.

14.06.2012
  • Sabine Lohr

Wer also ist schuld an der Misere? Die Händler galubten es zu wissen: der Oberbürgermeister. Durch seine Medienpräsenz habe er sie in Schwierigkeiten gebracht. Seine Forderung nach der City-Maut habe dem Image der Stadt geschadet. Außerdem seien die Parkgebühren jetzt so hoch, dass ihnen die Kunden weg blieben.

Bis jetzt hatten die Händler der Initiative nur protestiert und gejammert, jetzt haben sie das Gesprächsangebot Palmers angenommen. Und siehe da: So mancher Stein des Anstoßes scheint sich einfach in Luft aufzulösen. City-Maut? Nicht erlaubt. Zu hohe Parkgebühren? Zahlen belegen das Gegenteil. Ein Ansprechpartner für die Geschäftsleute? Gab es und wird es wieder geben. Sperrung der Mühlstraße? Dürfen alle mitentscheiden. Händlerfeindlicher OB? „Ich bin für alles, was den Handel in der Innenstadt stärkt, und sei es das Auto.“

Da blieb am Ende nicht mehr viel übrig von Protest und Vorwürfen. Außer hoffentlich der Einsicht, dass der Umsatzrückgang der Innenstadthändler am Oberbürgermeister allein nicht liegen kann. Dass es Ideen braucht, um den Handel zu stärken. Und Palmer hatte welche: Die Rückerstattung der Parkgebühren (auf Kosten der Stadt!), ein gemeinsamer Online-Shop aller Innenstadthändler, „mit gemeinsamem Lieferservice“, die Vereinheitlichung der Öffnungszeiten und möglicherweise ein anderes Sortiment – auch auf dem Wochenmarkt.

Ob diese Ideen gut sind oder nicht, muss genauso geprüft werden wie die Auswirkung der Parkgebühren oder die Sperrung der Mühlstraße auf den Innenstadthandel. Geprüft nicht mit Bauchgefühl und purem Glauben, sondern mit Zahlen. Und geprüft nicht von der Stadtverwaltung, sondern von den Innenstadt-Händlern selber.

Bisher ist der Händler-Arbeitskreis nur eine Idee Palmers. Ob dieser Vorschlag umgesetzt wird und daraus Konstruktives entsteht, liegt ebenfalls an den Händlern. Sie müssen aktiv werden, wenn es nicht beim bloßen Protestieren und Fordern bleiben soll. Und vielleicht entsteht in diesem Arbeitskreis ja mehr als Parkhaus-Namen. Vielleicht gelingt es, zusammen mit der Verwaltung, Tübingen so attraktiv zu machen, dass die Kaufkraftbindung wenigstens wieder den Wert von 2005 erreicht. Möglicherweise sogar ganz ohne Autos.

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14.06.2012, 12:00 Uhr

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