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Jürgen Steinhilber wechselte von der UFW

Jetzt sitzt ein Pirat im Tübinger Rat

„Und was sagt der Pirat dazu?“ Im Tübinger Gemeinderat am Montag musste sich Jürgen Steinhilber einige Sticheleien anhören, reagierte aber nicht darauf. Der ehemalige UFW-Stadtrat trat am Sonntag der Piratenpartei bei.

04.07.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr sorgt der 62-jährige Stadtrat Jürgen Steinhilber für eine Überraschung: Im Februar trat er aus seiner Fraktion aus. Im Gemeinderat blieb er und sprach fortan nur noch für sich selber.

Am Sonntag nun wurde er Mitglied der Piratenpartei. Es war kein spontaner Entschluss, den er da bei der Nominierungs-Versammlung in Bühl fasste. „Ich habe mich vorher beraten lassen von Leuten, die politisch aktiv sind“, sagt er. Mit ehemaligen Stadträten habe er gesprochen und auch mit Leuten aus der Verwaltung. Ihm gehe es darum, auch auf landes- und bundespolitischer Ebene Vertreter zu haben.

Die Freien Wähler haben das nicht – und das habe ihm zunehmend weniger gefallen. „Landes- und bundespolitische Themen spielen in der Kommunalpolitik eine große Rolle“, hat er festgestellt. Und als UFW-Rat bei solchen Themen nicht mitdiskutiert, „weil wir da nicht mitreden können“. Schließlich habe sich die UFW ja bewusst dafür entschieden, ausschließlich Kommunalpolitik zu machen.

Diese Tatsache war zwar nicht der Grund seines Austritts aus der Fraktion – da spielten Überwerfungen mit Fraktions-Chef Dieter Barth die Hauptrolle –, aber er habe diese Tatsache eben als unbefriedigend empfunden. Und schaute sich nach einer Partei um, die für ihn infrage kommt. Bei den Piraten wurde er fündig, denn „so groß ist der Unterschied zwischen Piraten und Freien Wählern ja nicht“, sagt Steinhilber. Beide seien stark liberal geprägt.

Immerhin seien die Piraten eine echte Opposition, wie sie in Deutschland sonst fehle. „Der Bürger überlegt doch, wen er überhaupt noch wählen kann, damit er gehört wird.“ Die Piraten stünden für Veränderung, seien basisdemokratisch und transparent. „Und sie stehen auch für die Marktwirtschaft ein.“

Gut gefällt Steinhilber auch, dass sich jeder Pirat in den offenen Foren einbringen könne. „Die sind dauernd online und tauschen sich aus.“ Im Gemeinderat wird Steinhilber aber (noch) nicht mit Computer sitzen, „da bekomme ich ja keine Verbindung“, sagt er. Die virtuelle Vernetzung sieht Steinhilber allerdings auch als Nachteil: „Für Ältere ist das eine Hemmschwelle, sie sind nicht so Computer-affin.“ Besser findet er deshalb Stammtische, an denen man sich austauschen kann.

In Tübingen gibt es die bei den Piraten schon und Jürgen Steinhilber nutzt sie rege. „Das ist halt so eine Bruddelecke, und der Zuspruch von Älteren hier ist wegen der Stammtische so groß“, analysiert er.

Ganz aus der UFW ist Jürgen Steinhilber nicht ausgetreten. Im Verein ist er immer noch Mitglied. Sein Piratendasein wird das nicht ändern: „Ich habe das mit dem Vorstand abgesprochen und auch Zuspruch bekommen“, sagt er. Im Gemeinderat hingegen vertritt er weder die einen noch die anderen, da bleibt er fraktionslos.

Jetzt sitzt ein Pirat im Tübinger Rat
Jürgen Steinhilber

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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