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Mit Steppkes und Top-Athleten

Joachim Hauser hat den 24-Stunden-Lauf nebenbei erfunden und ist heute noch dabei

Den ersten 24-Stunden-Lauf in Dettenhausen hat Joachim Hauser ganz allein bestritten. Eine international beachtete Veranstaltung, die in diesem Jahr ihre zehnte Auflage feiert, wurde erst Jahre später daraus. Und Joachim Hauser ist trotz Krankheit immer noch dabei.

08.07.2014
  • Stephan Gokeler

Dettenhausen. Es begann an einem Maiwochenende im Jahr 2002 mit einer Leistung, die für die meisten Menschen unerreichbar scheint. Für Joachim Hauser aus Dettenhausen hingegen bedeuteten die 190 Kilometer, die er bei seinem ersten 24-Stunden-Lauf in Fellbach-Schmiden absolvierte, eine Niederlage. Sein Ziel waren 200 Kilometer gewesen. „Ich habe mich geärgert, weil ich das Gefühl in mir hatte, dass ich das schaffen kann“, erinnert er sich heute – obwohl er damals bereits darum wusste, dass er an Multipler Sklerose erkrankt war.

Mit dem Rolltacho von der Gemeinde

Also lieh er sich bei der Gemeinde einen geeichten Rolltacho aus und vermaß eine 1,2 Kilometer lange Rundstrecke beim Sportgelände im heimischen Dettenhausen. „Ich habe dann die Schaichtalschützen gefragt, ob sie ihre Toilette nachts für mich offen lassen können, weil ich einen 24-Stunden-Lauf machen möchte“, erzählt der heute 48-Jährige. Der Dettenhäuser Schützenverein griff die Idee auf und veranstaltete parallel ein 24-Stunden-Schießen auf seinem Gelände, mit dem er einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde schaffte. Draußen drehte derweil Hauser einsam seine Runden. „Nur nachts ist ein Besoffener ein paar Schritte mitgelaufen“, erinnert er sich. Am Ende hatte er 206 Kilometer geschafft.

Damit war für Hauser die Sache eigentlich im Wortsinne gelaufen. Im Jahr 2004 jedoch startete der VfL Dettenhausen, diesmal auf Anregung der Schaichtalschützen, einen Sommertriathlon für Kinder und Jugendliche. Diese Veranstaltung wiederum weckte den Wunsch, in Dettenhausen ein Lauf-Event zu organisieren, bei dem Jung und Alt gemeinsam aktiv sein können.

Wiederum ein Jahr später wurde „aus der Idee eine organisierte Veranstaltung“, so Hauser. Im Sommer 2005 gab es parallel zum Jugend-Triathlon den ersten offiziellen Dettenhäuser 24-Stunden-Lauf, bei dem ein zehnköpfiges Team gegen Hauser antrat und gewann.

Während der Triathlon für Kinder und Jugendliche mangels Beteiligung im Jahr 2008 eingestellt werden musste, wuchs der 24-Stunden-Lauf kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurde die Rekordmarke gesetzt: 377 Teilnehmer aus fünf Ländern waren in Dettenhausen am Start, mit 215 Kilometern wurde auch ein neuer Streckenrekord aufgestellt. Die Veranstaltung wurde immer professioneller. Saßen anfangs noch Helfer auf einem Wagen am Streckenrand und führten Strichlisten über die absolvierten Runden, stellte man 2012 auf elektronische Zeiterfassung um. „Der Leistungsgedanke wurde immer stärker.“

Immer geschafft, alle zusammenzubringen

Es gab dann auch Läufer mit eigenen GPS-Systemen – „die sich hinterher über angeblich beim Zählen vergessene Runden beschwerten“, sagt Hauser. In jedem Jahr verbessert das Organisationsteam Details an der Strecke, stellt zusätzliche Leuchten für die Nacht auf oder optimiert – wie in diesem Jahr – die Wasserversorgung.

Eines jedoch habe sich niemals geändert und solle sich auch nie ändern, findet Hauser, der inzwischen Vorsitzender des VfL Dettenhausen ist: „Wir haben es immer geschafft, dass in Dettenhausen leistungsorientierte Läufer gemeinsam mit Steppkes und ganz normalen Freizeitläufern oder Walkern ihre Runden drehen.“ Der familiäre Charakter des Laufs, bei dem seine eigene Tochter mit Flip-Flops eine Stunde mitmacht, während der Sieger mit seiner Leistung bei jedem 24-Stunden-Lauf in Europa unter die Top Ten käme, ist für Hauser das Entscheidende. „Wir wollen den Menschen den Spaß an der Bewegung nahe bringen, ob nun mehr oder weniger ambitioniert. In der Gruppe oder alleine, Hauptsache sie bewegen sich“, betont er.

Obwohl Dettenhausen kein offizieller Lauf im Kalender der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung ist, wächst die Zahl der ambitionierten Einzelläufer ständig. „Hier kann man ohne Wettkampfdruck eine richtig gute persönliche Bestleistung aufstellen, von der man dann weiß, dass man sie auch anderswo schaffen kann“, erklärt Hauser die Attraktivität. Außerdem kann jeder sein Zelt auf dem Sportgelände aufschlagen, Startgebühren werden nicht erhoben. Das engagierte ehrenamtliche Organisationsteam kommt mit den Spenden von Läufern und Sponsoren, vor allem ortsansässige Firmen, aus. Erst vor ein paar Tagen hat sich auch Joachim Hauser wieder breit schlagen lassen, selber in einem Laufteam „nachts zwei Stunden mitzuwalken“, wie er sagt. Für die Mitläufer hat der Mann, der zwei Trans-Europa-Läufe über jeweils rund 5000 Kilometer absolviert hat, zur Aufmunterung noch etwas aus seinem Erfahrungsschatz parat: „Wenn jemand noch darüber nachdenken kann, dass es nicht mehr geht, hat er noch jede Menge Luft.“

Joachim Hauser hat den 24-Stunden-Lauf nebenbei erfunden und ist heute noch dabei
Joachim HauserBild: Gokeler

Der diesjährige 24-Stunden-Lauf von Dettenhausen startet am 19. Juli um 10 Uhr. Anmeldungen von Teams oder Einzelläufern sind noch über die Homepage www.vfl-dettenhausen.de möglich. Die Veranstalter versprechen allen Teilnehmern und Zuschauern ein „Bonbon für die Nacht“, dessen Zutaten sie aber noch geheim halten.

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08.07.2014, 12:00 Uhr

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