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Jogi Löw warnt vor Mega-WM
Neue Wettbewerbe, Ausweitung der WM, immer mehr Spiele: Joachim Löw will mehr Mitsprache bei sportpolitischen Entscheidungen. Foto: dpa
Nationalmannschaft

Jogi Löw warnt vor Mega-WM

Die Fußball-Verbände Fifa und Uefa planen weitere Wettbewerbe. Zum Missfallen von Joachim Löw. Der Bundestrainer wünscht sich mehr Mitsprache.

27.12.2016
  • DPA

Joachim Löw fühlt sich in der brisanten WM-Frage ausgeschlossen und geht aus Sorge vor einer Mammut-Weltmeisterschaft erneut auf Konfrontationskurs zu Fifa-Boss Gianni Infantino. „Das würden wir Trainer uns sicher manchmal wünschen, dass unsere rein auf den sportlichen Bereich bezogene Perspektive einbezogen wird. Aber da stößt man an Barrieren“, sagte der DFB-Chefcoach.

Ein WM-Turnier mit womöglich 48 Teams, die neue Nationenliga und eine Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften – die Diskussionen um gleich mehrere internationale Wettbewerbe in dem ohnehin schon engen Terminkalender lassen Löw zum Mahner vor einer ungezügelten Expansion im Weltfußball werden. „Fifa und Uefa sind in der Verantwortung, sie brauchen Augenmaß und müssen das richtige Verhältnis finden zwischen kommerziellen Interessen und der sportlichen Sicht“, fordert Löw. Man dürfe das Rad nicht überdrehen. „Wenn man ein gutes Produkt hat wie den Fußball, sollte man auch mal über Verknappung nachdenken, um die Qualität hochzuhalten“, sagte Löw. Sonst würden sich womöglich die Fans eines Tages abwenden.

Das letzte große Turnier habe bedenkliche Symptome offenbart. „Der sportliche Wert eines Wettbewerbs droht dann doch zu verwässern, wenn – wie bei der Europameisterschaft in Frankreich – drei von vier Mannschaften in der Vorrunde weiterkommen können. Oder eine Mannschaft mit drei Punkten. Diese Tendenz hat mir nicht gefallen“, sagte Löw. Es war auch ein kleiner Seitenhieb auf Europameister Portugal, der ohne Gruppensieg am Ende in Frankreich triumphierte.

Am 10. Januar 2017 soll das Fifa-Council über die von Infantino propagierte WM-Aufstockung vom Turnier 2026 an entscheiden. „Es geht natürlich auch darum, dass Trainer bei Tagungen über sportliche Dinge gefragt werden. Über das Regelwerk, aber nicht über den Rahmenterminkalender. Den bestimmen andere“, monierte Löw.

Der Bundestrainer plädiert dafür, es bei 32 WM-Teilnehmern zu belassen. Akzeptabel sei eine Aufstockung nur, wenn führende Nationen wie Weltmeister Deutschland nicht mehr Spiele bestreiten müssten und die Turnierzeit nicht ausgeweitet wird.

Für den Bundestrainer ist 2017 ein Vorbereitungsjahr für die geplante WM-Titelverteidigung 2018, mit dem Confederations Cup in Russland als zwiespältigem Höhepunkt: „Es gibt natürlich unterschiedliche Perspektiven. Aber für einige Spieler kann die Teilnahme an einem solchen Turnier eine gute Chance sein, sich zu präsentieren und sich an ein höheres internationales Niveau heranzuspielen.“

Seinen nach der EM forcierten Jugendkurs will der Bundestrainer auch beim Confed-Cup fortsetzen. Bei der WM-Generalprobe (17. Juni bis 2. Juli 2017) trifft die DFB-Auswahl in Sotschi und Kasan auf Australien, Chile und den Meister des Afrika-Cups (14. Januar bis 5. Februar 2017). „Wir haben da aber den einen oder anderen im Blick, den wir gerne mal bei uns sehen möchten. Wer letztlich bei der A-Mannschaft spielt oder in der U 21, hängt immer auch von der individuellen Situation des Spielers ab und dessen persönlichem Entwicklungsstand. Dem einen tut es gut, eine Führungsrolle in der U 21 zu übernehmen. Ein anderer soll sich mal bei der A-Mannschaft zeigen“, sagte Löw. Parallel zum Confed Cup findet die U-21-Europameisterschaft in Polen statt.

Potenzielle Kandidaten für die A-Elf sind die Berliner Niklas Stark und Mitchell Weiser. Auch den Leipziger Timo Werner hat Löw auf dem Zettel sowie dessen Kollegen Lukas Klostermann nach der Genesung von einem Kreuzbandriss. Die Ansprüche, an denen sich auch die 2016-Debütanten wie Niklas Süle, Serge Gnabry oder Jonathan Tah letztlich messen lassen müssen, sind hoch, das machte Löw klar. „Da sind einige sehr talentiert, aber wenn wir von Weltklasse sprechen, dann ist das das Niveau eines Ronaldos, eines Messis. Das muss bei einem Team, das den WM-Titel verteidigen will, die Messlatte sein.“ dpa

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27.12.2016, 06:00 Uhr

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