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Psychologe, Dichter und Musiker

John Watts kommt zum Rock of Ages

In den 1970er Jahren hatte Fisher-Z Hits wie „Red Skies over Europe“, „Berlin“ und „Marliese.“ Mit dem TAGBLATT sprach Frontmann John Watts vor dem Seebronner Festival „Rock of Ages“ darüber, warum er sich als politischer Künstler und nicht als Rockstar sieht.

02.06.2012
  • Martin Zimmermann

Rottenburg. „Ich sehe mich eigentlich als Dichter, nicht als Rockstar“, sagt John Watts. „Die Briten erwarten von Rockstars, dass sie Alkoholiker sind, sich in Pubs prügeln und mit 28 sterben.“ Watts gibt zu, mit diesem Image gespielt zu haben, etwa in Songs wie „Pretty Paracetamol“: „Die Leute haben mir immer wieder Drogen angeboten und waren völlig überrascht, dass ich ablehnte.“

John Watts hat Psychologie und Wirtschaft studiert. Kunst ist für ihn ein Weg, seine politische Meinung auszudrücken. In seiner englischen Heimat habe man ihn als „musikalischen Journalisten“ bezeichnet, in Deutschland seien Lieder wie „Cruise Missiles“ besser angekommen. „Vielleicht war man in Deutschland, weil es geteilt war und die Mauer spürbar war, eher an der globalen Politik interessiert.“

Kunst beschränkt Watts nicht auf seine Musik. Er schreibt auch Gedichte und veröffentlicht einen Blog auf seiner Internetseite. Stört es ihn, dass seine Musik im Internet verfügbar ist? „Die Kids wachsen heute mit dem Bewusstsein auf, dass Musik aus dem Computer kommt. Es ist utopisch zu glauben, dass alle, die Musik herunterladen, ansonsten in den Plattenladen gegangen wären und sich das Album gekauft hätten.“ Natürlich müsse auch ein Künstler Geld verdienen. „Wir Musiker leben heute vor allem von Konzerten. Ich hoffe, dass die Leute, die meine Musik im Internet hören, davon so begeistert sind, dass sie in meine Konzerte kommen.“

Überhaupt sei das mit Geld und Erfolg so eine Sache. „Ich habe mit meiner Musik viel Geld verdient, aber ich war nie gut darin, es zusammenzuhalten. Wenn ich zurückblicke und schaue was ich gemacht habe, dann habe ich Menschen glücklich gemacht, und das ist gut.“ Watts lebt in einer Eigentumswohnung im südenglischen Brighton und fährt häufig nach Frankreich, wo seine Freundin lebt: „Sie lebt in einem ganz kleinen Dorf in den Bergen, wo die Leute an nichts anderes denken als an ihr Alltagsleben.“

Von der Einstellung dieser Leute habe er einiges gelernt. Vor einem Bäcker habe er inzwischen mehr Respekt als vor einem Banker: „Der Bäcker macht Brote, die man essen kann, und der Banker macht Geld. Das kann man nicht essen und es macht auch nicht glücklich.“

Erfolg habe zwei Seiten: „Wenn man als Musiker Erfolg hat, dann wollen die Fans den Sound hören, wie zu der Zeit, in der man den größten Erfolg hatte.“ Ein Künstler wolle sich aber weiterentwickeln. In der Anfangszeit einer Band höre man ihre Vorbilder heraus. Deshalb habe Fischer-Z zu Beginn ähnlich wie Police, aber mit dem Rhythmus von Bob Marley und den Texten von Bob Dylan geklungen.

Wer zehn Jahre lang Musik mache, sei irgendwann nur er selbst. „Ich habe versucht den Leuten zu erzählen, dass ich John Watts bin und nicht Fischer-Z, aber dann habe ich erkannt, dass es ein und dieselbe Person ist. Ich bin zu Fischer-Z geworden.“ Was bedeutet eigentlich Fischer-Z und warum die deutsche Schreibweise? „Es sollte ein blöder Name sein, der das Interesse an unserer Musik weckt. Die deutsche Schreibweise macht es noch interessanter.“

Derzeit arbeitet Watts an einem neuen Album, das im Sommer herauskommt. Aktuelle politische Themen wie die Euro-Krise und den Afghanistan-Krieg verarbeitet er darin. Im Sommer spielt er auf einigen Festivals, während er im Herbst eine „Poetry and Music“-Tour mit Lesungen aus seinem Gedichtband plant.

In der Woche vor dem Seebronner Festival spielt Watts in Nizza in seinem selbstgeschriebenen Einpersonenstück „The Last Picasso“ über das Leben Pablo Picassos. Das Stück wurde bisher in Frankreich, Belgien und Hamburg aufgeführt. „Es gibt darin nur mich und wechselnde Chöre. In Hamburg war es der Chor des Fanclubs vom St.Pauli-Fußballclub.“ Auf „Rock of Ages“ in Seebronn (27. und 28. Juli) freut sich Watts, weil er mit Baden-Württemberg gute Erinnerungen verbindet.

„Ich habe einige Zeit in Stuttgart verbracht, weil ich vom selben Manager wie die Fantastischen Vier gemanagt wurde. Die Schwaben sind sehr direkt und ehrlich, und ich mag das schwäbische Essen.“

Besonders gern erinnert sich der Sänger an ein Festival in Karlsruhe: „Es gab ein Unwetter, und die Technik ist ausgefallen, bis auf mein Gesangsmikrofon. Überall war Matsch. Ich habe mir meine Kleider bis auf ein T-Shirt von Leib gerissen und mich in den Matsch gestürzt.“ Auch auf ein Wiedersehen mit den anderen Künstlern in Seebronn freut er sich: „Alice Cooper ist ein lustiger Typ und Bob Geldof ein sehr aufrichtiger Mensch, der mit seiner Mission eins geworden ist. Ich bewundere ihn.“

Info Karten fürs Rock of Ages gibt es im Vorverkauf in allen Geschäftsstellen des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs.

John Watts kommt zum Rock of Ages
John Watts hat bei Fischer-Z den Hut auf. Mit ihm spielen David Graham, Steve Skolnik und Steve Liddle. Agenturbild

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02.06.2012, 12:00 Uhr

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