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Neubau für zwölf Millionen

Joma-Polytec legt in Produktion, Verwaltung und Logistik zusammen

Der Bodelshäuser Kunststoffteil-Hersteller Joma-Polytec baut im großen Stil – und muss zugleich deutliche Umsatzrückgänge verkraften.

05.02.2010
  • Matthias Reichert

Bodelshausen. Noch steht alles voll mit Kartons in den neuen Produktionshallen in der Höfelstraße. Arbeiter schrauben die Montage-Roboter zusammen. Im 15 Meter hohen Hochregal-Lager schwingen sich Spezial-Gabelstapler in luftige Höhen. Für zwei Reinraumlabore, in denen medizintechnische Produkte wie Implantate hergestellt werden sollen, sind Schleusen eingebaut, die tausende winzige Partikel aus der Luft herausfiltern.

„Wir sind ein Unternehmen, das sich in Umwälzung befindet“, sagt Unternehmenschef und IHK-Vizepräsident Hans Ernst Maute. Zwei Standorte werden im Neubau auf gut 10 000 Quadratmetern Fläche zusammengefasst. Der Betrieb hatte, wie berichtet, Grundstücke mit 20 500 Quadratmetern Nutzfläche neu erworben, auch auf Sickinger Gemarkung. Damit wurde es ein „grenzüberschreitender“ Fabrikneubau; zwölf Millionen Euro lässt sich Joma-Polytec den kosten.

Im bisherigen Werk I in der Robert-Bosch-Straße soll die expandierende Tochter Joma-Hydromechanik Raum für zusätzliche Montagestraßen zur Produktion von Öl- und Vakuumpumpen für die Autoindustrie bekommen. Im Neubau-Klotz wird die Verwaltung untergebracht, dazu der Werkzeugbau, die Spritzerei und die Montage samt Logistik. So will der Betrieb die zersplitterten operativen Einheiten zusammenfassen. Spatenstich war September 2008, Ende Februar soll der Neubau fertig sein. Er wird mit Maschinen-Abwärme beheizt. „Wir hätten genug für das Tübinger Hallenbad übrig“, scherzt Maute.

Joma-Polytec wurde 1958 von den Eltern Katherina und Hans Maute gegründet – aus dem Textilbetrieb von Großvater Johannes heraus. Mit Textil ist längst Schluss; seit 1958 produziert die Firma Kunststoffteile. Ursprünglich für den Konsum, etwa für Fotozubehör und Versandwaren. Seit 1990 stellt Joma-Polytec technische Teile her, es begann mit Kunststoff-Komponenten für Motoren – da, wo es heiß wird. Heute gehören BMW, Audi und Daimler zu den Kunden, der Betrieb liefert international. Auch an Zulieferer Magna, General Motors in den USA. „Wir haben die Pumpen entwickelt, die der Weltmarkt braucht“, sagt Mitgeschäftsführer und -inhaber Alexander Maute, der Bruder von Hans Ernst Maute.

48 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Joma-Polytec im Automobil-Bereich. Mit Ölwannen, Ölabscheidern, Ölsaugrohren, Riemenscheiben, Öl- und Vakuumpumpen, Steuerkolben, Ölfiltermodulen. „Der Standort bleibt hier. Wir wollen nicht nach Rumänien“, unterstreicht Alexander Maute. „Wir wollen die Arbeitsplätze durch Automation in Deutschland halten.“

Die Produktion läuft in weiten Teilen vollautomatisch. Ein Highlight in der Spritztechnik: Kühlwasser-Stutzen werden mit Robotern um einen Metallkern herum gespritzt wie die Pelle um die Wurst. Dann wird der Metallkern im Schmelzbecken bei 160 Grad Celsius komplett weggeschmolzen; die fertigen Kunststoff-Stutzen sind entsprechend hitzeresistent. Weiterhin baut das Unternehmen Werkzeuge. In der Profilfertigung werden Langteile „extrudiert“ – auch Kabelkanäle für Übersee. Dafür wird im Werk in der Höfelstraße 17 künftig mehr Platz frei, wenn der Neubau nebenan in Betrieb ist.

Seit 20 Jahren ist Medizintechnik ein Standbein, im Hechinger „Medical Valley“ kooperiert der Betrieb auch mit Gambro und Jostra. Joma-Polytec stellt unter anderem Komponenten für Herz-Lungen-Maschinen, künstliche Lungen und Blutfilter her, will künftig auch Implantate produzieren. Der Neubau solle die Produktionskapazitäten in dieser Sparte verdreifachen. Hans Ernst Maute: „Das ist nicht erst eine Folge der Automobilkrise.“ Bisher macht Medizintechnik 15 Prozent des Umsatzes aus. 25 Prozent sind Produkte für die Bauwirtschaft, zwölf Prozent für die Heizungs- und Elektro-Industrie. Als „zartes Pflänzchen eines weiteren Geschäftsfeldes“ stellte Maute gestern bei einer Besichtigungsfahrt des Tübinger Presseclubs mit der Industrie- und Handelskammer Reutlingen Solarenergietechnik vor.

Kurzarbeit, aber keine Entlassungen

Gegenüber dem Vorjahr ist der Umsatz bei Joma-Polytec 2009 um knapp sieben Millionen auf 53 Millionen Euro eingebrochen. „Wir haben ein bescheiden positives Ergebnis“, sagt Hans Ernst Maute. Sonderzahlungen seien in Absprache mit der Belegschaft weggefallen. Von März bis Ende Juni fuhr der Betrieb Kurzarbeit. Andererseits wurde in der Profilfertigung wegen Auftragsspitzen durchs zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung Wochenend-Arbeit nötig. 15 bis 20 befristete Verträge wurden nicht verlängert. Die übrigen Festangestellten blieben, die Azubis wurden alle übernommen. Der Betrieb hat jetzt 333 Beschäftigte. 2010 plant die Firma „eine moderate Umsatzsteigerung – keine zehn Prozent drauf“, sagt Maute. „Wir wollen und werden wieder zu schwarzen Zahlen kommen.“

Joma-Polytec legt in Produktion, Verwaltung und Logistik zusammen
Die vollautomatische Produktion wird gerade eingerichtet – hier die Montage für Öl-Absaugrohre; Helmuth Merschbecker schraubt die Roboter zusammen. Bild: Franke

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05.02.2010, 12:00 Uhr

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