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Über Aufbruch und Ankunft sprach Dekanin Elisabeth Hege bei ihrer Investitur

Jonglage mit vier Hüten

Mit profanen Zitaten würzten gestern der Prälat, Mitglieder des Wahlgremiums und prominente Gäste ihre Reden. Doch im Mittelpunkt stand gestern bei der Investitur von Dekanin Elisabeth Hege ihre Bibel-Auslegung des Propheten Jesaja über Aufbruch und Ankunft des Volkes Israel in der alten Heimat – und Heges Gelöbnis.

10.12.2012
  • Christiane Hoyer

Tübingen. Mit Felix Mendelssohns „Kommt, lasst uns anbeten und knien vor dem Herrn“ begrüßte die Kantorei der Stiftskirche von der Empore ihre neue Gemeindepfarrerin beim Einzug in die Stiftskirche. Neben Prälat Rose schritt Elisabeth Hege zum Altar vor, gefolgt von Stiftskirchenpfarrer Karl-Theodor Kleinknecht, Martin Beck als Vorsitzenden der Bezirkssynode und Pfarrer Jürgen Huber, der mit Kleinknecht und Beck die Amtsgeschäfte in der Vakatur seit August übernommen hatte.

Es verging eine halbe Stunde, bis die eigentliche Investitur vollzogen wurde. Prälat Christian Rose leitete seine Ansprache mit einem Zitat von Meister Eckhart ein: „Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen“. Im Fall von Elisabeth Hage bedurfte es eines Anstoßes von außen, sonst hätte die Ditzinger Dekanin die Stellenausschreibung in Tübingen „glatt übersehen“, so Rose.

Als Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Tübingen habe sie mit den Aufgaben von „vier Hüten“ wahrlich die Kunst der Jonglage zu beherrschen: Hege ist ja nicht nur Pfarrerin an der Stiftskirche, sondern auch Geschäftsführerin in der Gesamtkirchengemeinde Tübingen, Leiterin des Kirchenbezirks und der Kirche vor Ort. „Im Jonglieren bin ich gar nicht gut“, gab die 53-Jährige zu.

Aber im übertragenen Sinn hoffe sie, dass „nichts zu Bruch geht“, wenn sie mal den einen oder anderen Ball fallen lasse. Sie stellte sich der Gemeinde mit ihrem beruflichen Werdegang vor, bevor sich das 28-köpfige Gremium, das sie im Juli zur Nachfolgerin von Marie-Luise Kling-de Lazzer gewählt hatte, links und rechts des Altars zusammenfand. Mit einem „Ja“ bekräftigte es noch einmal, Hege als Pfarrerin und Dekanin anzunehmen. Diese gelobte dann vor der Segnung durch den Prälaten „Gehorsam gegenüber Jesus Christus und der Landeskirche“ per Handschlag.

Zum Abschluss des Investitur-Prozedere wünschten Pfarrerin Monika Renninger und Kirchenrat Walther Strohal ihr bei den neuen Aufgaben, „Kraft, Beharrlichkeit im Studium der Schrift und Freiheit im Blick auf die Menschen“. Die anschließende erste Predigt der neuen Dekanin machte deutlich, dass sie in der Auslegung der Bibel theologisch versiert ist.

Gekonnt verknüpfte sie den Predigttext des Propheten Jesaja (35,3-10) vom Aufbruch des israelischen Volkes mit der Hoffnung auf die Ankunft Jesu Christi im Advent. „Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott“ Dieses Zitat aus dem Buch Jesaja interpretierte die Dekanin im Verlauf ihrer 20-minütigen Predigt als Auftrag an sich und die eigene neue Gemeinde in der Stiftskirche sowie die Mitarbeiter/innen im evangelischen Kirchenbezirk.

In den anschließenden Grußworten zitierte Prof. Volker Drehsen von der Evangelischen Fakultät die Worte der Dekanin über ihre Motivation, sich in Tübingen zu bewerben: „Der Tübinger Geist lockte“. So perfekt sei er nicht, der Tübinger Geist, dass er sich nicht auch ergänzen ließe von einer Dekanin, die aus der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Hall komme – wie der Reformator Johannes Brenz. Der hatte einst bei seiner Visitation nicht viel von Tübingen gehalten und festgestellt: „Die Tübinger Professoren sind faul, die Studenten zuchtlos und die Bürger aufsässig.“ Da die Dekanin nach eigenem Bekunden ja erst nach einem Jahr Amtszeit mit den Veränderungen beginnen wolle, bat Drehsen darum, dass Hege „auch nach einem Jahr noch nachsichtig mit uns ist“.

Landrat Joachim Walter, der auch im Namen von OB Boris Palmer sprach, nahm das Wort mit den wankenden Knien auf und führte ein Zitat von Maxim Gorki fort: „Auf die Knie kommt‘s gar nicht an, sondern aufs Herz“. Einen längeren Diskus auf II. Vatikanische Konzil unternahm der katholische Dekan Tomas Begovic, der zum Schluss noch mehr Ökumene bei Gottesdiensten (zum Beispiel dem Stundengebet) und in der Seelsorge vorschlug. Beim anschließenden Empfang in der Neuen Aula standen die Gäste bis weit nach 14 Uhr Schlange, um sich Elisabeth Hege persönlich vorzustellen.

Jonglage mit vier Hüten
„‘Seine‘ Ankunft bei uns ist das Ziel aller Wege“, sagte Dekanin Elisabeth Hege gestern in ihrer Predigt.Bild: Metz

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10.12.2012, 12:00 Uhr

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