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Zwei Jahre Franziskus

Journalist und Papst-Experte Uli Fricker referierte über eine neue „Mitmachkirche“

Im letzten Vortrag im diesem Jahr im Rahmen des Katholischen Bildungswerks der Seelsorgeeinheit Empfingen-Dießener Tal nahm sich der Journalist Uli Fricker aus Konstanz des Themas „Zwei Jahre Papst Franziskus – wohin steuert die katholische Kirche“ an.

12.11.2015
  • Margita Manz

Empfignen. Fricker, Journalist und Redakteur beim Südkurier befasst sich in der Redaktion mit dem Bereich Religion. Mit allen Facetten der Konfessionen kommt er hautnah in Berührung. So kennt er sich im Vatikan und den Gepflogenheiten des Klerus aus, was er ich vielen Berichten und Abhandlungen bereits veröffentlicht hat.

Der Expertenvortrag lockte am Dienstagabend über 30 Gläubige ins Gemeindehaus nach Empfingen. Alle katholischen Christen stehen seiner Meinung nach mitten im Leben mit Papst Franziskus, der eine neue „Mitmachkirche“ lebt.

Nach der schnellen Wahl 2013 als neuer Papst hofften alle auf einen Aufbruch in der Kirche. Bereits beim ersten Auftreten zeigte er mit seinem „Armutszeugnis“, dass er das höfische Leben und Wirken nicht unterstützt. Durch seine Sichtweise verstehe er Kirche anders. Mit Armut und Verzicht grenze er sich von der amtlichen Kirche stark ab, was ihm im Vatikan viele Feinde und Widersacher bringt, erklärte Fricker. Unterschwellig sind die „Untergebenen“ nur etwa zur Hälfte mit Papst Franziskus einig. Skandale und Intrigen vereinfachen dieses Amt nicht gerade. Es vergeht seit seinem Amtsantritt keine Woche, in der nicht über ihn berichtet wird.

Uli Fricker beteuert, dass er auf keinen Fall Papst sein wolle. Papst Franziskus rechnete bereits am Anfang für sich selbst ein kurzes Pontifikat, eine kurze nur wenige Jahre dauernde Amtszeit. Er hatte nur eine Handvoll Vertrauter auf zentrale Posten installiert, bei allen weiteren Angehörigen sollte eine Vertrauensbasis geschaffen werden, was augenscheinlich nicht in allen Bereichen ermöglicht werden konnte. Die Römische Kurie und Vatileaks bereiten Papst Franziskus große Probleme. Der kulturell und sozialdenkende Argentinier unterstützt eine Theologie des Volkes, fordert eine lebendige Kirche von Menschen für Menschen. Er will das aristokratische oder weltmännische Auftreten der Kleriker auf ein menschliches Niveau reduzieren, versteht die katholische Kirche als große Familie.

Dass bei der Familiensynode nicht sofortige Änderungen beschlossen werden konnten, war für viele Gläubige vorausschaubar. Mit einem Nachgang wird aber gerechnet. Die katholische Kirche gilt als großzügiges Phänomen, wie Fricker sich ausdrückte, viel nervt das „Armutsgehabe“ des Papstes, der strikt danach lebt. Mit Aussprüchen wie „Der Hirte riecht wie seine Herde“ macht Franziskus das allen klar. Fricker ist sich sicher, dass dieser es auch so meint, nicht nur bildliche Metapher ist. „Papst Franziskus ist das Beste, was der katholischen Kirche passieren konnte“ referierte Fricker.

Was die Zukunft bringen wird und wie es mit Papst Franziskus und der katholischen Kirche weitergeht blieb unbeantwortet. Was die örtlichen Kirchengemeinden und Gläubige von diesem authentischen, aufrichtigen Christen erwarten, wird sich zeigen. Nach einer Stunde interessanter Details und Einblicke in das Leben eines Papstes, wurde die Diskussionsrunde eröffnet. Die Stellung der Frau in der katholischen Kirche und die Feststellung, dass nach der Familiensynode doch alles beim Alten bleibt, wurden ausführlich erörtert. Wo die Barmherzigkeit in der Kirche bleibt und dass das Zölibat kein zentrales Thema der Familiensynode war, beschäftigt die Gemeindemitglieder. Ist Zölibatäres Leben hilfreich, die gesamt Kraft auf Armut und Berufung zu konzentrieren? Zu diesem Punkt kam man auf keinen gemeinsamen Nenner. Dass die Priesterweihe der Frau ermöglicht werden kann, ist in unendliche Ferne gerückt, obwohl in den meisten Gemeinden die Frauen diejenigen sind, die die Gemeinde unterstützen und zusammenhalten. Viele Aktionen und Entscheidungen gehen oft an der örtlichen Praxis vorbei.

Margarethe Schon bedankte sich für den guten Besuch der Veranstaltung und bei Uli Fricker. Sie freute sich, dass viele Fragen, die den Gemeindegliedern auf dem Herzen lagen, beantwortet werden konnten, genauso wie über die noch zahlreicher aufgeworfenen Fragen, die die Besucher mit nach Hause nehmen mussten.

Journalist und Papst-Experte Uli Fricker referierte über eine neue „Mitmachkirche“

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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