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Merkmale entwickeln

Jubiläumskonzert der Reutlinger Guthörle-Stiftung mit Christoph Eß

Reutlingen. Wenn ein Solist sein Instrument perfekt beherrscht, reicht das meistens noch nicht für die große Karriere. Man muss sich unverwechselbar machen, ein Merkmal haben, man kann das Charakter, Charme oder Charisma nennen – eben etwas, das über den nackten Ton hinausgeht. Christoph Eß hat ein solches Merkmal.

27.06.2012

Nach seinen Konzerten spricht man vom charmanten Witzbold, von demjenigen Hornisten, der in Spielpausen unablässig die Gäste anlächelt und bei dem man nicht anders kann als zurückzugrinsen. Und deswegen erinnert man sich nicht nur direkt nach seinen Konzerten, sondern auch noch lange Zeit danach, dass er auch derjenige Hornist ist, der über einen vielfältigen Klang verfügt und der dem sonst so monochromen Horn Farbenpracht verleiht. Seine Interpretation von Reinhold Glières Hornkonzert in B-Dur, ein interessantes, wenn auch allzu konformes Stück, wirkt leicht, gleichzeitig aber immer so bedeutungsvoll, wie es komponiert ist.

Eß, mittlerweile Solohornist der Bamberger Symphoniker, verfügt über noch ein weiteres besonderes Merkmal: Er ist Stipendiat der Reutlinger Christel-Guthörle-Stiftung. 2001 gegründet, feierte die Stiftung am Sonntag ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Gala-Konzert, in dem fünf der insgesamt 18 Stipendiaten auftraten.

Sebastian Lastein und Moritz Pietzsch eröffneten mit einem Konzert für Klarinette und Fagott von Richard Strauss – ein für die Entstehungszeit (1947) und für das Alter des Komponisten (83) ungewöhnlich heiteres Stück. Der scharfe Ton des energischeren Lastein übertönt die sonore Wärme des zurückhaltenden Pietzsch gelegentlich. Beide überzeugen aber mit technischer Sicherheit und Reife. Kai Strobel ist mit 20 Jahren einer der jüngsten im Bunde der Guthörle-Stipendiaten – und spielt das exotischste Instrument. Ein Konzert für Marimba (Ney Rosauro) macht natürlich schon von vornherein Eindruck. Noch mehr natürlich, wenn der Solist das Instrument so beherrscht wie Strobel! Eingeleitet mit ostinater Figur in der linken Hand spielt die rechte darüber eine traumhafte Melodie. Elemente südamerikanischer Musik und Jazz arrangieren sich in klassischem Rahmen. Den Abschluss machte ein bereits etablierter Stipendiat: Jacob Spahn kam 2004 in die Stiftung und ist seit vergangenem Jahr Solo-Cellist der Bayerischen Staatsoper München. Mit einem Andante cantabile und den Rokoko-Variationen von Tschaikowski stellt er seine hohe Virtuosität, Sicherheit und Reife unter Beweis: nicht zu warm, nicht zu süßlich, stets schwingt ein Hauch Kühlheit mit. Spahns Ton hat diesen Wiedererkennungswert – genauso sein Auftreten: Unverwechselbar!

Die Christel-Guthörle-Stiftung ist eine Organisation, die „etwas für die Musikstadt Reutlingen tut“, lobte Intendant Cornelius Grube bei seiner Ansprache. Das steht natürlich außer Frage. Auffallend war dann aber doch, dass unter den fünf auftretenden Solisten keine Reutlinger, stattdessen aber drei Tübinger waren. mosi

Jubiläumskonzert der Reutlinger Guthörle-Stiftung mit Christoph Eß
Christoph Eß, sein Horn und der Hirsch.Archivbild

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27.06.2012, 12:00 Uhr

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