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Der Tübinger Schule sei dank

Judith Anlauf wurde U-23-Weltmeisterin im leichten Doppelvierer

Eine Weltmeisterin mit Tübinger Wurzeln: Judith Anlauf gewann bei der U-23-Ruder-WM in Litauen die Goldmedaille. Die Karriere fängt dabei gerade erst an – mit einem großen Ziel.

28.07.2012
  • moritz hagemann

Tübingen/Hamburg. Zwei Kilometer, die alles entscheiden: Heute vor zwei Wochen sorgten Judith Anlauf, Franziska Kreutzer (Potsdam), Fabienne Knoke (Kettwig) und Carolin Franzke (Köln) für einen Paukenschlag: Sie wurden im leichten Doppelvierer U-23-Weltmeisterinnen in Trakai (Litauen). Zwei Sekunden lagen die deutschen Nachwuchsruderinnen am Ende des Rennen vor Italien – noch im Vorlauf gab es die selbe Konstellation, aber andersherum. „Eigentlich bin ich mit wenig Erwartungen dahin gefahren“, erzählt die 22-Jährige Judith Anlauf nach dem größten Erfolg ihrer Karriere. Im Gegensatz zu Regatten in Deutschland waren die Gegner zum großen Teil unbekannt.

Fast zehn Jahre ruderte das Ausnahmetalent für den Tübinger Ruderverein Fidelia. Doch auch schon zu Tübinger Zeiten feierte Anlauf außergewöhnliche Erfolge. 2008 sicherte sie dem RV Fidelia den ersten Titel bei einer deutschen Jugendmeisterschaft seit 1990. Dabei war der Erfolg alles andere als absehbar: „Man konnte niemals erwarten, dass Judith so gut wird“, sagt ihr langjähriger Trainer Ralf Thanhäuser. „Sie war weder besonders groß, noch besonders kräftig, aber sie hat sich alles hart erarbeitet.“

Thanhäuser trainierte Anlauf von 2003 bis 2009. Dann gingen die beiden getrennte Wege: Thanhäuser übernahm aus beruflichen Gründen den Bundesliga-Achter von Wiking Karlsruhe, Anlauf zog zum dualen Studium nach Hamburg. Beim Ruderclub-Südderelbe wurde das Energiebündel heimisch. „Ich fahre wegen des Studiums täglich alleine eineinhalb Stunden mit dem Fahrrad, so habe ich schon eine gewisse Grundfitness“, erklärt Anlauf ihre außergewöhnliche Entwicklung. Dabei ist der Ruderalltag schon hart genug: Unter der Woche wird einmal am Tag, am Wochenende sogar zweimal täglich trainiert. Das Wochenpensum umfasst 1000 Trainingsminuten.

In Hamburg wird Anlauf von Markus Last trainiert. Einem erfahrenen Mann, der auch den leichten Doppelvierer als Bundestrainer bei interkontinentalen Titelkämpfen betreute und große Stücke auf Anlauf hält: „Sie hat sich in den drei Jahren hier gewaltig weiter entwickelt.“ Allerdings, so mahnt Last an, „musste dieser Schritt auch kommen, sonst hätte sie in der neuen Altersklasse nur wenig Erfolgschancen gehabt.“ Last und seine Athletin haben aber alles richtig gemacht. In Trakai, so erzählt Anlauf, hätten die Trainer zudem ihre Hotelbetten zugunsten der Sportler gegen „Matratzen wie Hängematten“ (Anlauf) getauscht. Die litauischen Gastgeber hatten die Hotelkapazität schlichtweg überschätzt. „Ansonsten war die WM aber eine tolle Erfahrung und auch die Menschen dort waren nett und hilfsbereit“, blickt Anlauf zurück.

Vater Andreas Anlauf (53), der die Ereignisse aus Tübingen verfolgte, ist verständlicherweise „stolz wie Oskar“. Die gebürtige Stuttgarterin war vier Jahre alt, als die Familie nach Tübingen zog. „Sie hat sich das Rudern selbst ausgesucht und hatte dabei immer Spaß und Erfolg“, erzählt der Vater. Besonders freut es Andreas Anlauf, dass sich seine Tochter auch von Rückschlägen nie aus der Bahn werfen ließ. Schon zu Tübinger Zeiten hing die Karriere aufgrund von gesundheitlichen Problemen am seidenen Faden. 2011 weilte Judith Anlauf dann bereits bei der Juniorinnen-WM in Amsterdam, als ein Virus den Start verhinderte. „Eine ganz bittere Geschichte“, erzählt der Vater. Mit dem Gold von Trakai sollte aber auch dieses tragische Ereignis vergessen sein – ein Moment der Genugtuung.

Gold in der Tasche – Olympia vor Augen?

Der Blick geht bereits voraus. „Vor Wochen freute sich Judith noch auf einen ruderfreien Sommer“, erzählt ihr Vater Andreas von den gemeinsamen Urlaubsplanungen. „Mittlerweile hat sie uns ihren Regattenplan geschickt. Für Urlaub bleibt keine Zeit.“ Das Training steht im Vordergrund, denn auch der Vater hat große Ziele im Visier: „Olympia 2016 in Rio de Janeiro, da ist sie im perfekten Alter“, fängt Andreas Anlauf zu träumen an. Auch Trainer Markus Last hält den Olympia-Traum nicht für ausgeschlossen, denn „mit ihrer Qualität kann das klappen, wenn sie es sich zutraut.“ Letztlich liegt die Entscheidung aber alleine auf den schmalen Schultern von Judith Anlauf.

Diese hat allerdings erst einmal andere Pläne, schließlich möchte die Weltmeisterin kommenden Sommer ihre Bachelorarbeit schreiben. „Außerdem plant sie einen längeren Aufenthalt in Madrid“, gibt der Vater zu bedenken. Doch der Traum von Olympia soll auch trotz Bachelorarbeit und offener beruflicher Zukunft weiter leben. „Jeder will dort hin“, sagt Judith Anlauf, „aber ich weiß, dass es sehr schwierig wird.“ Ihr Problem: Die Bootsklasse des leichten Doppelvierers, also bis 59 Kilogramm pro Starterin, ist nicht olympisch. Nur der Leichtgewichts Doppelzweier gilt als olympische Disziplin – um diese zwei Startplätze wird es allerdings schon im Vorfeld der Titelkämpfe von Rio de Janeiro einen harten Kampf geben. Doch selbst, wenn es nicht klappen sollte: Mit dem U-23-Weltmeistertitel hat sich Judith Anlauf nicht nur in Tübingen einen Namen gemacht.

Judith Anlauf wurde U-23-Weltmeisterin im leichten Doppelvierer
Der deutsche Gold-Vierer, von links: Judith Anlauf, Fabienne Knoke, Carolin Franzke und Franziska Kreutzer. Bild: DRV

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28.07.2012, 12:00 Uhr

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