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Wenn dich die Welt bedrängt

Judith Holofernes spielte im Reutlinger franz. K auf vielen Instrumenten

Es gibt sicherlich leichtere Jobs als Gitarrenroadie bei Judith Holofernes zu sein. Andauernd wechseln sie und ihre Mitmusiker die Gitarren. Und wenn sie nicht die Gitarre wechseln, dann eben die Ukulelen oder Mandolas. Am Dienstagabend spielte die Frontfrau von „Wir sind Helden“ mit ihrer sechsköpfigen Band im franz. K in Reutlingen.

16.10.2014

Reutlingen. „Ein leichtes Schwert“ heißt das Album, das Holofernes nach vierjähriger Heldenpause erfolgreich zurück ins Popgeschäft katapultierte. Charmant bissige Texte zu eingängiger, gut arrangierter Popmusik ohne allzu große Überraschungen. Die Sängerin mit der unverkennbaren Mädchenstimme schwang auch in Reutlingen ihr leichtes Schwert, als sie das Konzert mit „Nichtsnutz“ eröffnete. Zuvor hatte allerdings schon eine Frau mit einer noch schöneren Stimme ihres seltsames Spiel mit dem Publikum getrieben: Celina Bosic, bewaffnet mit Gitarre und einem Effektgerät namens Looper, zwang die überrumpelten Reutlinger zu Chören wie „Alles Stricher außer Papa“ und „Alles Schlampen außer Mutti“.

Ganz so grob ging Judith Holofernes nicht zur Sache. Auch wenn sie gleich zu Anfang anführte, dass empirische Studien ergeben hätten, dass es durchaus Sinn mache, das Publikum zum Mitmachen zu zwingen. Musikalisch lieferte sie zusammen mit ihrer Band grundsolide Arbeit ab. Goldrichtig das Schlagzeugspiel von Hanno Stick, Jarita Freydank überzeugte mit schönem Backround-Gesang und spielte dezent Percussion und Xylofon und Martin Wenk setzte vor allem mit Trompete und Mundharmonika schöne Akzente. Im Grunde aber waren es die Texte, die eigenwillige Poesie von Judith Holofernes, die dem Ganzen dann doch eine besondere Note gaben.

Schöner Sprachwitz wie im Lied „Opossum“ in dem es heißt: „Wenn dich die Welt bedrängt / wenn dir die Welt nichts schenkt / wenn dich die Welt bedroht / stellst du dich doof, äh, tot.“ Musikalisch aufhorchen ließen „Ein leichtes Schwert“, bei dem nach einer guten Steigerung sage und schreibe drei Gitarren (in der Mehrzahl hellblau) ungefähr das Gleiche schraddelten und das richtig gute „M.I.L.F.“, in dem die Sängerin sprachspielerisch ihren musikalischen Helden huldigt.

Hier spielt Holofernes ihre Stärke aus: Ihre Stimme passt prima zu dem charmant-witzigen Groove, der an die frühen B-52’s erinnert. Ein paar Coverversionen mit neu eingedeutschten Texten, ein bisschen Country, das verschollen geglaubte Frühwerk „Kamikazefliege“ und zuletzt zwei Zugaben machten das solide, aber nicht gerade fesselnde Popkonzert im etwa zur Hälfte gefüllten franz. K komplett. Bernhard Haage

Judith Holofernes spielte im Reutlinger franz. K auf vielen Instrumenten
Mit charmant-witzigem Groove: Judith Holofernes im franz. K. Bild: Haas

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16.10.2014, 12:00 Uhr

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