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Gastfamilien gesucht

Jugendämter müssen mehr minderjährige Flüchtlinge unterbringen

Dass die Kreise im Land seit dem 1. November mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen müssen, stellt fast alle vor große Probleme. Benötigt werden Wohnungen, Fachkräfte und Gastfamilien.

13.11.2015
  • PETRA WALHEIM

Donaueschingen Die meisten sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Viele wurden von ihren Familien aus den Kriegsgebieten von Syrien und Afghanistan nach Europa geschickt, in der Hoffnung auf ein besseres und friedlicheres Leben als in ihrer krisengeschüttelten Heimat. Oft schlagen sich die Kinder und Jugendlichen alleine durch und kommen erst nach wochenlanger Flucht in Deutschland an, viele in Bayern oder Hessen. In beiden Bundesländern herrscht wegen ständig steigender Flüchtlingszahlen seit Monaten Land unter.

Um stark belastete Bundesländer zu entlasten, trat am 1. November ein Bundesgesetz in Kraft, das eine gerechtere Verteilung der Flüchtlingskinder auf die Bundesländer regelt. Die Verteilung erfolgt nach Bevölkerungszahl und Steuereinnahmen. Nach Angaben des Sozialministeriums ist Baden-Württemberg verpflichtet, 7400 unbegleitete minderjährige Ausländer aufzunehmen. Das heißt, zu den 3780 Kindern und Jugendlichen, die bereits im Land sind, werden weitere 3600 aufgenommen, untergebracht, versorgt, betreut und begleitet.

Das ist für die meisten Landkreise, in die die Flüchtlinge verteilt werden, eine große Herausforderung. Sie hatten nur wenig Zeit, sich auf die Ankunft weiterer Flüchtlingskinder vorzubereiten. "Die Standards in der Jugendhilfe sind hoch", sagt Kristina Reisinger, Pressesprecherin des Landesjugendamts im Kommunalverband für Jugend und Soziales. Der ist für die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kreise zuständig. Die jungen Menschen bräuchten intensive Betreuung sowie Sprachunterricht. In den Kreisen fehlen jedoch die Unterkünfte und das Personal.

"Wir haben zu wenig Kapazitäten, um die Versorgung sicherzustellen", sagte Jürgen Stach, Sozialdezernent im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis. Dort leben 42 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Familien gekommen sind. Nach dem Verteiler-Schlüssel muss der Landkreis weitere 27 aufnehmen. Die Jugendämter des Kreises und der Stadt Villingen-Schwenningen suchen nach Unterkunfts- und Betreuungsmöglichkeiten. Unterstützung kommt von zwei freien Jugendhilfe-Trägern. Die Einrichtung "Soziale Kompetenz" bietet "betreutes Jugendwohnen" an. Auch die Organisation "Mutpol", die mit 300 Mitarbeitern vor allem im Kreis Tuttlingen tätig ist, hilft. Vor allem Kreativität sei gefragt, darin sind sich alle einig. "Mit herkömmlichen Angeboten ist das nicht zu leisten", sagt Stach. "Wichtig ist auch die Offenheit, sich dem Thema zu stellen", sagt Dieter Meyer von Mutpol.

Eine Alternative zu Wohngruppen und Heimen sind Gastfamilien. "Bei mir haben sich 20 Familien gemeldet", sagt Silke Zube, Leiterin des Jugendamts im Schwarzwald-Baar-Kreis. Die müssten aber noch überprüft werden. Martin Frankenstein, Leiter des Jugendamts im Main-Tauber-Kreis, ist einen Schritt weiter. "Wir haben sechs Familien überprüft und für geeignet gehalten." Er hofft, 20 Plätze in Gastfamilien zu finden. Im Main-Tauber-Kreis sind derzeit 40 Kinder und Jugendliche untergebracht. Er muss 50 weitere aufnehmen.

Im Kreis Schwäbisch Hall hat der Schulleiter des evangelischen Schulzentrums Michelbach, Dr. Jürgen Oelschläger, für bis zu acht Flüchtlingskindern Plätze im Internat angeboten. Dort seien sie rund um die Uhr betreut, könnten Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen und die Sprache lernen. "Die meisten sind willig, ehrgeizig und wollen in die Schule gehen", sagt Alex Fetzer von "Soziale Kompetenz". Das müsse unterstützt werden, damit die jungen Menschen später der Gesellschaft etwas zurückgeben könnten.

Jugendämter müssen mehr minderjährige Flüchtlinge unterbringen
In einer Flüchtlingsklasse an der Ulmer Steinbeis-Schule. Junge Flüchtlinge brauchen nicht nur Unterricht, sie müssen auch gut betreut werden. Foto: Matthias Kessler

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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