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„Jugendarbeit ist ein Schlüssel“
Den Einsatzwagen hat Eugen Heizmann in 30 Jahren als Kommandant unzählige Male gesteuert.Bild: Priotto

„Jugendarbeit ist ein Schlüssel“

Interview Die SÜDWEST PRESSE sprach mit Eugen Heizmann über die Entwicklung in drei Jahrzehnten an der Spitze der Sulzer Feuerwehr, Herausforderungen und Wertschätzung.

03.12.2016

Heute in einer Woche endet in Sulz die 50-jährige Ära Heizmann als Abteilungskommandanten der Feuerwehr: Auf 20 Jahre Eugen Heizmann senior folgten 30 Jahre Eugen Heizmann junior. Der 58-Jährige hört am 10. Dezember auf. Die SÜDWEST PRESSE sprach vorab mit dem scheidenden Abteilungskommandanten.

SÜDWEST PRESSE: Wann begann
Ihre Begeisterung für die Feuerwehr?

Eugen Heizmann: In der Familie war die Feuerwehr immer ein Thema, weil mein Vater von 1967 bis 1986 Abteilungskommandant war. Daher habe ich mich von Kindheit an dafür interessiert und schon vor Eintritt in die Jugendwehr Funkdienste übernommen.

1973 waren Sie Gründungsmitglied der Jugendfeuerwehr. Wie kam‘s?

Das war eine Clique von Jungen, bei denen die Väter in der Feuerwehr waren. Die Notwendigkeit wurde damals noch nicht gesehen, aber wir haben uns durchgesetzt.

Hätten Sie beim Amtsantritt gedacht, dass sie 30 Jahre an der Spitze der Abteilung stehen würden?

Nein. Dem Beginn gingen sehr viele Gespräche voraus. Als ich mich durchgerungen habe, war ich der jüngste Kommandant im Landkreis Rottweil. Es war nicht ganz einfach, denn ich musste mir erst Respekt erarbeiten. Im Wesentlichen habe ich das Amt weitergeführt wie mein Vater.

Was hat sich seit 1986 am stärksten verändert – bezüglich der Aufgaben und der Einsatzbereiche?

Das Einsatzspektrum ist breiter geworden, insbesondere bei den technischen Hilfeleistungen. In vielen Bereichen ist die Arbeit von vor 30 Jahren nicht mit der heutigen vergleichbar, allein wegen der Unfälle. Zudem hat sich die Anzahl der Einsätze sehr stark verändert: 1986, in meinem ersten Jahr als Abteilungskommandant, gab es 30 Einsätze, zwischendurch haben wir sogar mal 100 erreicht. Dieses Jahr liegen wir bei 85.

Wie hat sich die Mannschaftsstärke seither entwickelt?

1987 waren es 50 Mann, derzeit sind es 65. Es war immer mein Ziel, die Mannschaftsstärke zu halten. Das entscheidende Kriterium ist aber die Tageseinsatzbereitschaft. Leider haben manche Arbeitgeber ein Problem, wenn jemand tagsüber den Arbeitsplatz verlässt. Im Moment haben wir zum Glück mehrere Mitglieder aus anderen Abteilungen, die bei uns Tagesdienst machen.

Welche Einsätze sind Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben, was waren besonders schlimme, welches auch mal schöne Momente?

Die Großbrände natürlich, vor allem aber viele schreckliche Bilder von Verkehrsunfällen. Was alle Feuerwehrleute am stärksten mitnimmt, sind die Bahnunfälle – vor allem, wenn man jemanden kennt. Die Abteilung wollte bisher keine Notfallseeslsorger, sondern arbeitet solche Vorfälle untereinander auf. Das Schönste ist immer, wenn man gesund wieder heimkommt, denn viele Einsätze sind auch sehr gefährlich. Zum Glück ist während meiner Dienstzeit niemand ernsthaft zu Schaden gekommen.

Dies ist sicher auch auf den hohen Ausbildungsstand zurückzuführen.

Klar, heute verfügen wir über eine andere Gerätetechnik und Einsatzstrategie. Ich lege sehr großen Wert auf eine gute Ausbildung.

Wie hat sich die Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr verändert
– Stichwort „Red Card“-Diskussion?

Die Wertschätzung hat sich wesentlich verbessert. Das mit der „Red Card“ war eine sehr unglückliche Geschichte. Da hat der Gemeinderat ein Eigentor geschossen. Nach der Ablehnung hat es aber sehr viele Gespräche gegeben – und als Folge wurde ein Arbeitskreis Feuerwehr mit Vertretern der Verwaltung und des Gemeinderats ins Leben gerufen. Wir diskutieren jetzt offen, womit man der Feuerwehr die Wertschätzung zeigen könnte. Das bezieht sich aber eher auf die Technik und die Ausstattung. Die Erhöhung der Entschädigung (Anm. d. Red.: steht am 5. Dezember auf der Tagesordnung des Gemeinderats) ist ein Ansatz. Wir wollen keine Sonderbehandlung wie etwa freien Freibadeintritt. Solange etwas ein Wunsch ist, kann man es diskutieren. Wenn es sich um einen Bedarf handelt, lasse ich aber nicht mit mir diskutieren, denn es ist Aufgabe der Stadt, die Feuerwehr gut auszustatten.

Wie gut sind die Kernstadtwehr und die Ortsteilabteilungen aufgestellt?

Mein Ziel war immer, die Ortsteile für die Einsätze für Menschenrettung und Atemschutz optimal auszustatten. Die MLF-Fahrzeuge, über die mittlerweile fast alle Abteilungen verfügen, wurden übrigens hier in Sulz entwickelt, das Erste wurde für Sulz gebaut – und heute ist das sogar Bundesnorm.

Wie gelingt es, genügend Nachwuchs für die Feuerwehr zu motivieren?

Die Jugendarbeit ist ein Schlüsselpunkt für die Mannschaftsgewinnung. Man muss ein sehr abwechslungsreiches Programm bieten. Nach den Empfehlungen zur Jugendfeuerwehrausbildung sollte zwar nicht mehr als die Hälfte der Feuerwehrdienst sein, aber die Jugendlichen gehen nicht zur Feuerwehr, weil sie Sport machen wollen, sondern weil sie sich für die Technik begeistern. Man darf nicht schon den Zehn- bis Zwölfjährigen alles beibringen, sonst fallen Sie beim Wechsel in den aktiven Dienst in ein Loch, weil sie nichts Neues mehr lernen. Allerdings kommt immer das kritische Alter von Ausbildung und Berufseinstieg. Im ländlichen Raum sind wir da allerdings im Vorteil. Der Glücksfall ist, wenn man eine Clique bekommt.

Wie werden Sie der Feuerwehr nach dem Abschied als Abteilungskommandant erhalten bleiben?

Ich höre nur als Abteilungskommandant auf. Von der Doppelfunktion als Gesamt- und Abteilungskommandant behalte ich noch zwei Jahre das Amt des Gesamtkommandanten. So fällt ein größerer Teil der Arbeit weg, Übungen und Papierkram werden weniger. Es wird mir aber sicher nicht langweilig, denn bei Einsätzen bin ich nach wie vor dabei.

Ihr Stellvertreter Gerd Bornheft muss altersbedingt ebenfalls aufhören. Wie steht‘s um die Nachfolge?

Wir haben 30 Jahre zusammengearbeitet und waren eine gute Kombination: Gerd Bornheft war tagsüber vor Ort, und ich habe das Verwaltungsmäßige gemacht. Wir haben auf eine geordnete Übergabe hingearbeitet. Es gibt zwei Vorschläge für einen Kommandanten und einen Stellvertreter, und ich rechne bei der Hauptversammlung nicht mit Überraschungen. Wir übergeben eine personell und ausstattungsmäßig sehr gut aufgestellte Abteilung.

Interview: Cristina Priotto

Zur Person

Eugen Heizmann (Jahrgang 1958) ist in Sulz geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur am Albeck-Gymnasium ging Heizmann zur Bundeswehr. Eine Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst schloss sich an. Die erste Stelle trat Eugen Heizmann beim Landratsamt Freudenstadt an, zunächst in der Schülerbeförderung. Zwischenzeitlich ist der 58-Jährige Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsamts. Der Sulzer ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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03.12.2016, 01:00 Uhr

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