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Jugendliche präsentierten ihre Steinskulpturen am KZ-Mahnmal in Hailfingen

Eine Schülergruppe erarbeitete mit Bildhauer Rudolf Kurz zehn Steinskulpturen, die an die Geschehnisse in der KZ-Außenstelle Hailfingen/Tailfingen erinnern und am Samstag beim Mahnmal präsentiert wurden. Unter dem Leitmotiv „Auge“ eröffneten sie gleichzeitig einen Gedenkpfad, der in den kommenden Jahren weiter ausgestaltet werden soll.

26.07.2015
  • Andreas Straub

Hailfingen. Vor gut 30 Interessierten eröffnete Harald Roth vom für die KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen zuständigen Förderverein die Ausstellung. Die Skulpturen beim Mahnmal auf der Gemarkung Hailfingen seien „Steine des Anstoßes“, sagte er. Sie ließen sich nicht in einen Ausstellungsraum einsperren.

Am Mahnmal würden die KZ-Nummern zu Namen. Viele Kinder und Enkel von Häftlingen hätten es bereits besucht. Manche seien sogar aus Australien angereist. „Das Mahnmal ist gleichzeitig ein Trauermal“, so Roth. Es erinnert an das KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen. Viele der Häftlinge starben dort an den Folgen der schweren Arbeit, Unterernährung, Kälte und an Krankheiten. Nachgewiesen ist der Tod von 186 Häftlingen.

„Faktenvermittlung über das Vergangene ist unerlässlich“, sagte Roth. „Aber wir müssen auch andere Formen finden, die das Herz ansprechen.“ Das sei mit dem Kreativ-Workshop gelungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Teilnehmer zu finden, hätten die Schülerinnen und Schüler zunächst etwas über die Geschichte des KZ-Außenlagers erfahren. Dann sei es an die künstlerische Umsetzung gegangen.

Das Auge steht fürs Hin- oder Wegschauen

Das Leitmotiv gab Bildhauer Rudolf Kurz aus Ellwangen, von dem das Mahnmal stammt, vor: Auge. Es ist eine formal kompakte Struktur. Sie steht für Hinschauen und Wegschauen und ermöglicht zahlreiche Assoziationen. Und die gelangen den Workshop-Teilnehmern wahrlich.

Lisa Weiß aus Hochdorf hat eine Spitzhacke auf der vorderen Seite eines Steines angedeutet. Damit nimmt sie Bezug auf Häftlinge, die im Steinbruch arbeiteten. Auf die andere Seite hat sie das Zitat gemeißelt: „sie müssten sehen“. Es stammt von einem Häftling und bezieht sich auf die örtlichen Bewohner. „Wenn sie wollten, konnten sie sehen, was passiert“, erklärte die 15-jährige Lisa Weiß, Schülerin am Otto-Hahn-Gymnasium in Nagold. „Doch sie haben die Augen verschlossen und nichts gemacht.“

Ihre Mitschülerin Lisa Häußler hat „Mordechai“ auf einen Stein geschrieben. Es ist der Vorname eines Häftlings, der ihm etwas Eigenes gibt. Darunter steht Israel, seine neue Heimat. Auf der Rückseite ist die KZ-Nummer eingemeißelt. „Im KZ war er nur eine Nummer, ihm wurde das Menschliche genommen“, erklärt Häußler ihre künstlerische Idee. „Nach dem Krieg hat er seinen Namen und seine Persönlichkeit wieder zurückerhalten.“

Zusammen mit Melanie Stehle, Luisa Kinne und Willi Holm waren sie in Ellwangen. Im Atelier von Rudolf Kurz schufen sie an zwei Tagen jeweils zwei Steinskulpturen. „Ich habe vorab Bruchsteine besorgt“, berichtete Kurz. Es handle sich um Schilfsandstein aus Eppingen-Mühlbach. In allen zehn Werken taucht die Grundform „Auge“ immer wieder auf. „Wir hatten während des gesamten Workshops eine sympathische Arbeitsruhe“, erinnerte sich der Bildhauer. „Die Ergebnisse finde ich toll. Dafür, dass die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal mit Stein gearbeitet haben, sind es tolle Leistungen.“

Der 15-jährige Gymnasiast Willi Holm hat das Auge zum Beispiel in einem seiner beiden Werke sehr nah an der Wirklichkeit abgebildet. Vorne ist eine Flamme zu sehen. „So habe ich mir die Flamme im Krematorium vorgestellt“, erklärte Holm. „Auf die Rückseite habe ich einen Judenstern gemeißelt.“

Die entstandenen Kunstwerke sollen Beginn eines Gedenkpfades sein, der sich stetig erweitern soll. „Ihr habt Bleibendes geschaffen“, rief Roth den Schülerinnen und Schülern zu.

Bleibendes mit Hilfe von Spenden

Ermöglicht wurde das Projekt auch durch Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung und eine Spende der Firma Ensinger. „Unser Geschäftsführer Klaus Ensinger sieht das als seine staatsbürgerliche Pflicht“, sagte Pressesprecher Jörg Franke. Daher habe das Nufringer Unternehmen, das in Ergenzingen-Ost einen Standort hat, den Großteil der Kosten übernommen.

Als Vertreter der Stadt Rottenburg sagte Baubürgermeister Thomas Weigel: „Es ist wichtig, das Erinnern wach zu halten, um so etwas in Zukunft zu verhindern.“ Die 100 Meter lange Gedenkstätte in Halfingen-Tailfingen sei beeindruckend. Sie helfe, Geschichte in die Zukunft zu transportieren und eben kein „Gras über die Angelegenheit“ wachsen zu lassen.

Jugendliche präsentierten ihre Steinskulpturen am KZ-Mahnmal in Hailfingen
Das Leitmotiv war das Auge: Der Ellwanger Bildhauer Rudolf Kurz (hinten) mit den fünf Jugendlichen, die an seinem Kunstworkshop teilgenommen haben. Von links Lisa Häußler, Melanie Stehle, Lisa Weiß, Luisa Kinne und Willi Holm. Bild: Straub

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26.07.2015, 12:00 Uhr

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