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Sex mit 14 bleibt Ausnahme

Jugendlichen sind feste Partner und Verhütung wichtig

Technisch wissen Jugendliche Bescheid, ihre Einstellung zum Sex aber ist eher konservativ. Das zeigt eine neue Studie. Verhütung ist meist kein Problem. Probleme bereiten eher Eltern, Kultur und alte Klischees.

13.11.2015
  • DPA

Berlin Jugendliche sind sexuell aktiv und verhüten gut. Das ist ein Fazit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) aus ihrer Studie "Jugendsexualität 2015". Zunehmend wichtiger fürs erste Mal sei geworden, dass die jungen Leute einen festen Partner haben. Migrantenkinder seien zurückhaltender als Kinder von Deutschen.

Warum warten Jugendliche mit dem ersten Mal?

Die Studie nennt als wichtiges Motiv: Oft fehle der richtige Partner. Für Frauen mit ausländischen Wurzeln spielen auch Moralvorstellungen und Angst vor den Eltern eine Rolle. Wenn Jugendliche Sex haben, dann zunehmend mit einem festen Partner - Jungen wie Mädchen, Deutschstämmige wie Kinder von Migranten.

Woher kommt das Bedürfnis nach Sicherheit?

Beziehungen sind heute oft unverbindlich, sexuelle Identitäten wandelbar, und auch die Ehe ist nicht mehr nur Mann und Frau vorbehalten. Aber "alles, was verschwindet, gewinnt an Wert", sagt der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann. Die romantischen, konservativen Vorstellungen Jugendlicher sieht er daher auch als "Trotzkultur" oder Gegenbewegung. Das Problem: Am Ende hielten auch diese Beziehungen nicht.

Wie verhüten Jugendliche?

Der Schutz vor Schwangerschaft, HIV und Geschlechtskrankheiten ist ihnen wichtig. Das Kondom ist für beide Geschlechter von 14 bis 25 Jahren das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, vor der Pille. Die Jugendlichen seien gewissenhafter als früher. Die Präventionsansätze in Deutschland funktionierten, sagt die Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe, Ute Hiller.

Wo hapert es?

Die Sexologin und TV-Aufklärerin Ann-Marlene Henning ("Make Love") schätzt das Wissen Jugendlicher als eher oberflächlich ein: Sie schnappten vieles auf und fragten nach Stellungen und Techniken, aber alles verstünden sie nicht. Auch alte Klischees seien noch da. "Wenn mal ein Mädchen mehr weiß, gilt sie gleich als Schlampe. Der Junge dagegen ist dann ein toller Hecht." Gerade Mädchen schämten sich, über das eigene Geschlecht zu sprechen. "Dabei gehört auch das zur Aufklärung."

Welche Menschen sind Jugendlichen bei der Aufklärung am wichtigsten?

Sich im Internet Wissen über Sex und Verhütung anzulesen, ist verbreitet. Offline ist für Mädchen die Mutter die erste Adresse. Jungs nennen die Eltern als wichtig, bevorzugen aber häufig Lehrer als Bezugsperson. Dazu kommen Gleichaltrige und Jugendzeitschriften.

Homo-Ehe, Geschlechtsumwandlungen, Bisexualität: Wie gehen Jugendliche damit um?

"Die machen sich Gedanken, ,was bin ich eigentlich?'", beobachtet Henning. Sie habe in Gesprächen bemerkt, dass Jugendliche Freiheiten beim Ausprobieren ihrer Sexualität haben und die auch nutzen. Gleichgeschlechtliches Knutschen etwa werde getestet: "Damit spielen sie. Sie legen sich nicht fest."

Wie groß ist der Einfluss von Pornografie?

Damit sind viele Jugendliche vertraut. "Aber die haben ein Gefühl dafür, dass es Show ist", sagt Henning. Dennoch verglichen sich Jugendliche mit Körpern aus Pornos und fühlten sich weniger wohl. "Der Druck steigt: OP, Diäten - jetzt hat es auch die Jungs erfasst."

Jugendlichen sind feste Partner und Verhütung wichtig
Zweihäufigstes Verhütungsmittel nach Kondomen: die Anti-Baby-Pille. Foto: dpa

  • Junge Mütter Die Zahl minderjähriger Mütter geht seit Jahren zurück, teilt das Statistische Bundesamt mit. 2010 hatten 4600 Kinder eine Mutter unter 18 Jahren, 2013 nur noch rund 4110. Und das, obwohl die Zahl der Geburten insgesamt seitdem gestiegen ist.
  • >HIV Für Menschen zwischen 15 und 19 Jahren wird seltener eine HIV-Neudiagnose gestellt als für ältere, teilte das Robert- Koch-Institut (RKI) 2014 mit. Laut der Bundeszentrale für gesundheitlicher Aufklärung (BZgA) werden trotz zunehmender hormoneller Verhütung weiterhin regelmäßig Kondome benutzt.
  • >Pornos Zwischen 60 und 80 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren haben Erfahrungen mit Pornos gemacht, berichtet die EU-Initiative Klicksafe. Die wenigsten von ihnen gucken aber regelmäßig. Jungen schauen Pornos eher in Gruppen an, Mädchen mit dem Partner.
  • >Befragung Die repräsentative Befragung knüpft nach eigenen Angaben an die Vorläuferstudien der BZgA zur Jugendsexualität aus den Jahren 1980 bis 2010 an. Neu an der aktuellen Studie ist die Ausweitung der Befragungsgruppe auf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Schwerpunktthemen der Befragung sind Aufklärung in Schule und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen und Verhütungsverhalten. dpa

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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