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Aushängeschild am Rathof

Jugendmusikschule Steinlach zieht in neue Räume

Von einem „Aushängeschild des Steinlachtals“ sprach OB Michael Bulander im Gemeinderat. Das Schild wird künftig am alten Rathof zu finden sein – die Jugendmusikschule zieht demnächst um.

25.05.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. „Shadow on the wall“, tönte es gestern aus einem Kofferradio an der Eingangstür, wo noch das Schild des letzten Vermieters hängt, der Diakonie-Sozialstation: „Wir sind umgezogen – Löwensteinplatz 1“. Aber das war noch nicht die Musikschule. Die Bodenleger sind noch in den Räumen drin und gerade dabei, die alten Teppichbeläge herauszureißen. Es werde wohl erst nach den Pfingstferien soweit sein, meinten die Handwerker. Die eher kleinen Räume – früher Badezimmer, bald nun Musikzimmer – sind aber weitgehend schon hergerichtet.

Eine aparte städtebauliche und stadthistorische Rochade in mehrerlei Hinsicht: Im alten Rathof war früher das Mössinger Gemeindebad drin. Männlein und Weiblein pflegten dort, von 1927 an, natürlich streng getrennt, in der neu gebauten öffentlichen „Hygieneanstalt“ sich ins Wannenbadevergnügen zu stürzen, sich den Rücken abzuschrubben. Im Untergeschoss gab es auch ein Schülerbrausebad. Künftig werden sich Schüler/innen musikalisch berieseln, inspirieren lassen.

„Wir sind sehr gespannt auf unser neues Domizil im Rathof“, sagte Musikschulleiter Wolfgang Schnitzer am Montag im Gemeinderat. 250 Schüler/innen werden dort künftig unterrichtet. Die übergangsweise bezogenen Räume im ehemaligen Pausa-Verwaltungsbau – in den Schulen selber waren wegen des Ganztagsunterrichts immer weniger Räume zu bekommen – seien „doch sehr, sehr provisorisch geworden, vor allem im Winter“, beschrieb Schnitzer die Situation zuletzt.

Obwohl die Pausa eigentlich ein Traum für alle Musiker/innen war – die Ensembles werden auch vorerst drinbleiben – bekamen sie zunehmend kalte Füße. Anders als in der aufwendig sanierten Pausa-Tonnenhalle, in die unten die Diakonie-Sozialstation einzog, gibt es im noch nicht sanierten Pausa-Verwaltungsgebäude keine schöne Fußbodenheizung. Deshalb zieht die Jugendmusikschule jetzt wieder aus, obwohl die Pausa für sie in saniertem Zustand ein ideales Domizil wäre.

Unterdessen wurden rund um den Rathof schon erste Befürchtungen von Anwohnern laut, dass es Probleme mit der Musikschule geben könnte. Er habe eine „ordentliche Beschwerde“ von Nachbarn bekommen, berichtete Willy Speidel (FWV) im Gemeinderat – „wie kann man da eine Musikschule reinlassen?“, hätten die Leute gefragt. Der Schulleiter versicherte, dass sich der „Lärm“ sicher in Grenzen halten werde, schon wegen des zeitlich begrenzten (Einzel-)Unterrichts: Erst ab 13 Uhr beginne der und gehe dann „bis maximal 21 Uhr“.

Schnitzer: „Musik ist nun mal mit Lautstärke verbunden.“ Das sei auch für die Musikschule selber ein Problem: „Stoßweises Lüften funktioniert nicht immer.“ Doch, so unterstrich der Leiter: „Wir versuchen, es in Grenzen zu halten und mit den Nachbarn hinzukommen!“

Auch der OB fand: „Lassen wir erstmal die Musikschule einziehen“, dann werde man sehen, wie sich Flöte oder E-Gitarre auswirkten. Von Schnitzer erfuhr er, dass die E-Gitarre „eines der leisesten Instrumente im Unterricht“ sei.

Grünen-Rat Udo Brunner erkundigte sich auch noch nach den Umbaukosten – 41 000 Euro, ließ Stadtbaudirektor Gebhard Koll wissen; und das seien eigentlich „nur Schönheitsreparaturen“, Maler, Bodenleger und Schreiner hätten das historische Gebäude renoviert und „wieder in Schuss gebracht“.

Wolfgang Schnitzer lieferte noch eine ganze Menge von Zahlen zum Musikschuletat 2011 und 2012, zum großen Jubiläum im Vorjahr (siehe auch Kästchen unten sowie TAGBLATT-Bericht von der Mitgliederversammlung, vom 23. März). Als Vereinsvorsitzender kündigte Koll an, dass man nach langer Zeit wieder mal auf die Gemeinden zugehen werde; seit 2004 wurden die Zuschüsse nicht mehr erhöht; 2013 wird das letzte kleine Finanzpolster aufgebraucht sein.

Jugendmusikschule Steinlach zieht in neue Räume
Leiter der Jugendmusikschule und selber begeisterter Jazzmusiker und Komponist: Wolfgang Schnitzer. Archivbild: Metz

Jugendmusikschule Steinlach zieht in neue Räume
Früher Gemeindebad, nun Musikschuldomizil: der alte Rathof, rechts vis-à-vis das alte Rathaus.Archivbild: Bauer

Alle sechs Gemeinden des Steinlachtals, von Mössingen bis Gomaringen, sind an der Jugendmusikschule Steinlach e.V. beteiligt; Gewährsträger ist die Stadt Mössingen, Vorsitzender Gebhard Koll, städtischer Fachbereichsleiter.
1334 Schüler/innen werden an der „jms“ von rund 50 Lehrerinnen und Lehrern in allen möglichen Instrumenten unterrichtet; es gibt 30 Ensembles. Das Blasorchester hat laut Schulleiter Wolfgang Schnitzer eine „sensationelle Entwicklung“ genommen und wurde zum 13. Juni ins Europa-Parlament nach Straßburg eingeladen.
30 Jahre Jugendmusikschule Steinlach wurden im Vorjahr mit mehr als 60 Veranstaltungen gefeiert; Höhepunkt: „Wassermusik“ auf dem Pausa-Gelände, im Zusammenspiel mit der Feuerwehr.
Mit 12 Kindergärten sowie vielen Schulen im ganzen Steinlachtal kooperiert die jms inzwischen im Rahmen des Landesförderprogramms Singen, Bewegen, Sprechen (SBS).
Die neue Homepage www.jms-steinlach.de stellt Lehrer/innen, Instrumente, Ensembles, Veranstaltungen und Angebote bis hin zum Musikgarten vor; man kann sich jetzt auch online anmelden.

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25.05.2012, 12:00 Uhr

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