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Manchmal sind schon die Fahrtkosten zu teuer

Juliane Steinbach arbeitet an einer Schule in Peru

Die 20-jährige Juliane Steinbach absolviert gerade für ein Jahr einen Freiwilligendienst an einer Schule in Peru. Im FLUGPLATZ-Interview spricht sie über ihren Alltag, ihre Erlebnisse und die Situation in Peru.

26.06.2012
  • Angela Wistuba, 18

Was ist das für eine Schule, an der du arbeitest?

Die Schule für Kinder mit speziellem Förderbedarf „Los Angeles de Barbara“ wurde 2010 gegründet. Sie ist zentral im Stadtkern Pedregals gelegen. Das Gebäude besteht aus einem großen Raum. Der Schulweg der Kinder beträgt bis zu einer Stunde. Sie wohnen in der Stadt oder in ländlichen Gegenden. Weil die Anfahrt für einige schwierig ist, nehmen sie nur unregelmäßig am Schulgeschehen teil.

Was sind deine Hauptaufgaben?

Den Kindern zwischen sechs und 20 Jahren ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich frei entfalten können, ihnen zu zeigen, was sie selbstständig machen können. In vielen Familien in Peru gehört Schlagen zur Erziehungsmethode. Da wir aus einer anderen Kultur mit anderen Wertvorstellungen kommen, bringen wir neue Erziehungsmethoden ein.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Offizieller Schulbeginn ist um 9 Uhr. Täglich nehmen bis zu zehn Kinder am Unterricht teil, eingeschrieben sind 12. Ob und wann die Kinder kommen, hängt davon ab, wie die Eltern Zeit haben. Über Kommunikation, Religion, Mensch und Umwelt sowie Soziales wird in den Heften der Kinder gemalt und gestaltet. Unsere Therapeutin macht Sprach-, beziehungsweise Physiotherapien. Um 11.30 Uhr endet die Arbeitsphase, dann tanzen wir oder machen Spaziergänge. Um das Hygienebewusstsein auszubilden, waschen wir vor dem Essen die Hände und putzen danach die Zähne. Schulschluss ist um 12.30 Uhr. Viele Kinder werden erst später abgeholt.

War es schwer eine Beziehung zu den Leuten aufzubauen, die eine andere Sprache sprechen, einer anderen Kultur entstammen?

Ich habe eine Weile gebraucht, um in die spanische Sprache reinzukommen. Dann wurde die Verständigung einfacher, das Verhältnis zu den Menschen persönlicher. Da man in Pedregal auf dem Markt oder in kleinen Läden einkauft, spricht man mit den Einheimischen. Wir haben „unsere Obstfrau“, „unseren Bäcker“ und „unsere Stammläden“. Aber wir fallen durch unser Aussehen auf. An das Anstarren, Hinterherpfeifen und das Wort „gringa“ bin ich gewöhnt.

Welche Probleme gibt es vor Ort?

Das Problem in Pedregal ist, dass die Integration für Menschen mit Behinderung nicht vollständig im täglichen gesellschaftlichen Leben angekommen ist. Manche legen Intoleranz und Berührungsängste an den Tag. Außerhalb der Stadt gibt es Flächen, die mit instabilen Basthütten bebaut und als Zuhause genutzt werden. Die Menschen haben weder fließendes Wasser noch Strom und können sich nur unzureichend hygienisch versorgen. Jene Menschen kommen aus noch ärmeren Andengegenden und siedeln sich in den Wüstenflächen um Pedregal an.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem täglichen Leben in Peru und Deutschland?

In Pedregal haben die Menschen so wenig, dass sie gerade so über die Runden kommen. Die Familien müssen sich Gedanken um ihr Überleben machen, ob sie morgen genug Wasser und Essen haben.

Was war das einprägsamste Erlebnis?

Der Hausbesuch bei einer Schülerin. Sie lebt mit ihrem Vater, der keine Arbeit hat, außerhalb Pedregals. Durch die ungesicherte Geldsituation kann er die Tochter nicht regelmäßig zur Schule bringen, nach den Sommerferien erschien sie lange nicht. Daher beschlossen wir nachzusehen.

In der Siedlung suchten wir das Haus des Mädchens – überall gleich aussehende Hütten, durch lose Steine abgegrenzte Wüstenfläche. Die Frau, die wir nach dem Weg fragten, schüttelte den Kopf und verschwand mit ihren Kindern in ihre sechs Quadratmeter großen Hütte. Später konnten wir mit dem Vater sprechen, seitdem wird das Fahrtgeld für das Mädchen von Spendengeldern bezahlt. Noch nie habe ich mich so sehr als Eindringling und fehl am Platz gefühlt.

Info: Bei dem Projekt „Los Ángeles de Barbara” arbeiten die Nichtregierungsorganisation „Amigos Sin Fronteras“, der Verein für internationalen und interkulturellen Austausch (VIA) sowie das Südamerika-Zentrum in Hannover zusammen. Spenden für die Schule sind stets willkommen: VIA e.V., Konto 650 887 83, BLZ 240 501 10, Sparkasse Lüneburg; Verwendungszweck: Spende 120312.

Juliane Steinbach arbeitet an einer Schule in Peru
In solchen Hütten leben einige der Kinder, die Juliane Steinbach (im Bild) in Peru betreut. Privatbilder

Juliane Steinbach arbeitet an einer Schule in Peru

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26.06.2012, 12:00 Uhr

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