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Suchtkongress: Wenn der Computer zur Droge wird

Junge Nutzer sitzen bis zu zwölf Stunden pro Tag am PC

Computerspiele und das Internet stellt der Deutsche Suchtkongress in Tübingen mit über 450 Teilnehmern seit gestern besonders in den Mittelpunkt seiner Vorträge.

23.09.2010
  • Christiane Hoyer

Tübingen. Eine Erkenntnis, die Anil Batra, Leitender Oberarzt an der Tübinger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, selbst erforscht hat: „Wer versucht, andere Probleme mit Computerspielen zu lösen, für den wird das Computerspielen zum Problem.“ Diese Erfahrungen macht Batra nicht nur in der ambulanten Beratungsstelle, in der seit zwei Jahren 12- bis 40-Jährige Hilfe bekommen.

Junge Nutzer sitzen bis zu zwölf Stunden pro Tag am PC

In einer aktuellen Online-Befragung bei über 2600 Studierenden der Universität Tübingen kamen Batra und Studienleiter Peter Peukert zu dem Ergebnis: „Ein Teil der Studenten nutzen das Internet exzessiv sechs bis zwölf Stunden pro Tag“. Dabei gehe es nicht um Bildschirmarbeit zu Studienzwecken, sondern um das „zwanghafte, permanente Sitzen am Computer“, um unkontrolliertes Surfen oder Chatten sowie um Online-Rollenspiele. Dies gehe oft einher mit einer Lebensunzufriedenheit und Schwierigkeiten im Studium.

Ein Kriterium für Computersucht ist nach den Erkenntnissen von Batra weniger die Nutzungsdauer. Vielmehr schaffe der Computer eine Abhängigkeit, wenn die Betroffenen damit „andere Zustände und Emotionen zu lösen versuchen“. Batras Kollege Prof. Karl Mann aus Mannheim betonte bei einer Pressekonferenz zum Auftakt des Kongresses aber auch, dass „die Datenlage bei Internet- und Computerspielsucht „noch zu wenig stichhaltig“ sei. Ähnlich wie beim übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsum seien Jugendliche und junge Erwachsene besonders gefährdet. Das neue Medium, so Mann, biete außerdem neue Möglichkeiten für Menschen mit Spiel- Kauf- oder Sexsucht.

Welche Therapieformen gibt es für Leute mit Computersucht? Wie können Eltern und Lehrer vorbeugend wirken? Um diesen Aspekt geht es auf dem Kongress am Freitag, wo erstmals 180 Schüler und 20 Lehrer aus der Region teilnehmen. Anders als in der Alkoholtherapie „ist eine komplette Abstinenz vom Computer nicht möglich“, sagt Batra. In der Therapie müssen die Jugendlichen und Erwachsenen den „alltagsgerechten Umgang mit dem Computer“ wieder lernen. Wichtig seien außerdem familiäre und soziale Hintergründe für das Suchtverhalten.

Eltern gibt Batra vor allem den Rat: „Kinder und Jugendliche brauchen feste Computerzeiten.“ Das Gerät „darf nicht als Trost eingesetzt werden, zum Beispiel um andere Befindlichkeiten zu überwinden“. Wenig hilfreich ist es nach Ansicht von Batra aber auch, Computerspiele und andere Kommunikationsformen im Internet zu „verteufeln“. Der Suchtkongress findet bis 25. September statt (www.suchtkongress2010.de).

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23.09.2010, 12:00 Uhr

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