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Hohe Ansprüche

Junge Sinfonie und Nathalie Klinka begeistern

Reutlingen. Wenn junge Pianisten und Pianistinnen ein Statement abgeben, ein Reifezeugnis ablegen und ihren Weg ins Oberhaus ebnen wollen, muss oft Beethovens mittleres Schaffen herhalten: Neben „Appassionata“ und „Waldsteinsonate“ ist es vor allem das vierte Klavierkonzert, das sich hierfür anbietet. Schon im ersten Satz mit seinen nicht enden und nicht bremsen wollenden Läufen und seinen technischen Finessen kann man seine Virtuosität und Sicherheit beweisen. In den romantisch anmutenden lyrischen Passagen kann man dem Werk seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken.

03.07.2012

Nathalie Klinka, Jahrgang 1990, beherrscht das für Beethoven so essentielle Vorwärtsdrängende und Energische, gleichzeitig aber auch den ebenso wichtigen schüchtern, zarten Ton, wie etwa im zweiten Satz, in dem Soloinstrument und Orchester gegeneinander anspielen. Auf schwache Momente wartet man bei Klinka lange, und kann dann eigentlich auch bloß anmerken, dass sie mit dynamischen Nuancen manchmal noch gefühlvoller umgehen könnte. Stattdessen fragt man sich, wenn es jetzt schon so schwer fällt, Defizite aufzudecken, welches Potenzial da denn noch schlummern mag?!

Am Sonntagabend trat Klinka zusammen mit der Jungen Sinfonie auf, ein Orchester, das gut zu ihr passt, nicht weil sein Altersdurchschnitt ihrem Alter entspricht, sondern weil es ebenso hohe Ansprüche an sich selbst stellt – und das völlig zurecht. Die jungen Sinfoniker eröffneten mit Hans Gals Burleske und ließen nach Beethovens Klavierkonzert Tschaikowskys sechste Sinfonie folgen – ebenfalls ein Reifezeugnis. Minimalistische Motive, dynamische Kontraste, diaphane Strukturen: Kein Instrument versteckt sich hier im Ensemble. Dass Tschaikowsky sechsfaches piano am Ende der Exposition vorgeschrieben hat, ist nur Ausdruck dessen, dass es hier um Nuancen geht.

Der jungen Sinfonie gelingt ein differenzierter, sehr reifer Klang (wenn mal gewurschtelt wird, sind das Ausnahmen) und auch mit den Tücken des Werks, die unabhängig seiner technischen Schwierigkeiten zu bewältigen sind, zeigen sie Souveränität. Gemeint ist der unkonventionelle dramatische Bogen: Das feierliche Ende des dritten Satzes ist nur ein (volksmündlicher) Trugschluss, Tschaikowsky schiebt noch einen langsamen, traurig marschierenden Satz hinterher. Und das Orchester hat dann die undankbare Aufgabe, die Spannung, und damit die Aufmerksamkeit des Publikums aufrecht zu erhalten. Der jungen Sinfonie gelingt das. mosi

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03.07.2012, 12:00 Uhr

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