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Junge Spieler haben hohe Ansprüche an sich selbst
Voller Einsatz im Kampf um die Kugel: Der 21 Jahre alte Dortmunder Julian Weigl (links, im Duell mit dem Italiener Marco Parolo) zählt zu den „Jungen Wilden“ in Joachim Löws Nationalmannschaftskader. Foto: Imago
Nationalmannschaft

Junge Spieler haben hohe Ansprüche an sich selbst

Joachim Löw und Routinier Mats Hummels sind mit dem 0:0 in Italien zufrieden. Die neue Generation sieht das etwas kritischer.

17.11.2016
  • GEROLD KNEHR

Mailand. Es war nicht einfach für die junge deutsche Nationalmannschaft beim 0:0 gegen Italien. Knapp 50 000 Zuschauer im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion pfiffen das Team von Bundestrainer Joachim Löw gnadenlos aus, angefangen bei der Nationalhymne. Insbesondere aber Thomas Müller. Dem wurde nach seiner Aussage nach dem 8:0-Sieg in San Marino – „das hatte nichts mit professionellem Fußball zu tun“ – Arroganz unterstellt.

„Ich denke, er hat es nicht despektierlich gemeint. Wer Thomas Müller kennt, weiß, dass er ein fairer Sportsmann ist“, sagte Löw. Und unterstrich dies, indem er den derzeit glücklosen FC-Bayern-Profi in Abwesenheit von Manuel Neuer und Sami Khedira zum Mannschaftskapitän für das Spiel gegen Italien beförderte.

Zudem mag die Enttäuschung über das bittere Viertelfinal-Aus bei der EM in Frankreich (5:6 im Elfmeterschießen) für die aufgeheizte Stimmung unter den Tifosi mitgespielt haben. Doch das DFB-Team, das in dieser Besetzung so noch nie zusammengespielt hatte, ließ sich nicht beeindrucken. Auch nicht die Nachwuchsspieler wie Julian Weigl, der sein erstes Länderspiel in der Startformation bestreiten durfte. „Es waren sehr viele Eindrücke. Ich muss das erst mal sacken lassen. Doch es hat viel Spaß gemacht“, sagte der Dortmunder, der mit seiner eigenen Leistung durchaus selbstkritisch umging und den lädierten Daumen (Kapselverletzung) leicht nach unten senkte. „In der einen oder anderen Situation habe ich zu lange gebraucht und ein bisschen Lehrgeld bezahlt. Die Italiener sind giftig in die Zweikämpfe gegangen und geben einem keine Zeit.“

Es fiel auf, dass gerade die jungen Spieler besonders streng mit ihrer eigenen Vorstellung umgingen. Der Schalker Leon Goretzka, der in seinem dritten Länderspiel eine gute Vorstellung ablieferte, monierte die fehlende Präsenz im gegnerischen Strafraum. „Wir müssen von hinten mehr nachrücken und uns mehr Räume im 16-er verschaffen. Und in der einen oder anderen Situation hätten wir auch im Abschluss konzentrierter sein können.“

All das waren Mäkeleien, die einen hohen Anspruch an sich selbst zum Ausdruck bringen. Dem konnte die Nationalelf trotz des torlosen Remis‘ und des Druckes, in den sie gegen Ende des Spieles noch geriet, über weite Phasen durchaus gerecht werden. Seit der EM in Frankreich hat das Team in sechs Begegnungen keinen Gegentreffer mehr zugelassen. Damit wurde der Rekord aus dem Jahr 1966 eingestellt.

„Wir haben in einer nicht alltäglichen Besetzung gespielt. Trotzdem fand ich die erste Halbzeit sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass wir alles unter Kontrolle hatten. Danach haben die Italiener mehr Druck gemacht. Doch am Ende des Tages habe ich mehr gute als schlechte Sachen gesehen“, sagte Mats Hummels. Der Abwehrchef ist beeindruckt von der nachrückenden Generation. „Man hat das Gefühl, alle zwei Jahre taucht ein ganzer Haufen neuer Spieler auf, den man direkt reinwerfen kann. Es sind gute Spieler mit einer guten Mentalität. Keiner denkt, er sei schon Weltmeister. Das ist sehr beeindruckend. Wir haben einfach eine gute Mischung“, betont Hummels, der mit seinen 27 Jahren und 55 Länderspielen bereits zu den Routiniers in Löws Elf zählt.

„Unsere relativ unerfahrene Mannschaft hat sich sehr gut geschlagen. Es war gut, vor so einem Publikum gegen so eine Mannschaft zu spielen“, urteilte der Bundestrainer, der trotz der unbefriedigend endenden EM ein positives Jahresfazit zog – auch wenn es nicht zum dritten Sieg im Kalenderjahr 2016 gegen Italien gereicht hatte.

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17.11.2016, 06:00 Uhr

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