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9000 Tickets hat er zu verkaufen

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen

Markus Seyboldt ist 24, hat schon einiges im Unterhaltungsbetrieb mitbekommen, und will jetzt sein erstes Konzert-Wochenende organisieren. Eine Mega-Party geradezu. „Top oder Flop“, sagt er. Wenn‘s läuft, soll das Fest landesweit angeboten werden.

16.06.2014
  • Gert Fleischer

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen
Kollegah, Ingo Appelt, Almklausi und Leibssle sind vier der Show-Acts beim Brunnenwasserfescht im August in der Rottenburger Festhalle. Agenturbilder

Rottenburg. Die Rottenburger Festhalle hat sich Markus Seyboldt als Ort für seinen ersten Großversuch ausgesucht. Dort sollen von Freitag bis Sonntag, 22. bis 24. August, namhafte Künstler auftreten, die unterschiedliche Geschmäcker bedienen. Es beginnt am Freitagabend mit Peter Wackel und den Isartaler Hexen. Wackel ist einer, der seit Jahren am Ballermann auf Mallorca die Hallen füllt. Außerhalb der Urlaubszeit tourt er durch Deutschland, um hier die Mengen in Partystimmung zu versetzen. Seine Spezialität sind Coverversionen deutscher Schlager mit eigenem, gern etwas derbem Text.

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen
Kollegah, Ingo Appelt, Almklausi und Leibssle sind vier der Show-Acts beim Brunnenwasserfescht im August in der Rottenburger Festhalle. Agenturbilder

Die Isartaler Hexen – acht Frauen in immer wieder wechselnder Besetzung – ziehen seit 14 Jahren durch die Lande mit ihrem Repertoire von Bayrisch, Schlager, Rock und Pop. Sie spielten beim Cannstatter Volksfest ebenso wie beim Oktoberfest in München. Auch im Fernsehen sind sie in den einschlägigen Sendungen zu Gast.

Den Samstag, 23. August, eröffnet Ingo Appelt um 15 Uhr mit seinem Programm „Frauen sind Göttinnen“. Der Comedian, Parodist und Kabarettist ist TV-bekannt. Im Fernsehen war er zeitweise auf dem Index, weil er gelegentlich die Grenze des guten Geschmacks übertreten hatte, sie dadurch aber zugleich ausgedehnt hat.

Ihm folgt Almklausi aus Mössingen – ein Sänger, Entertainer und Partymacher, der auf den Spuren Peter Wackels wandert, ebenfalls in Mallorca auftritt („Prinz der Playa“) und ebenso erfolgreich zu werden scheint.

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen
Kollegah, Ingo Appelt, Almklausi und Leibssle sind vier der Show-Acts beim Brunnenwasserfescht im August in der Rottenburger Festhalle. Agenturbilder

Damit die Party bis zum Morgengrauen schäumt, hat Seyboldt für den Samstagabend auch noch Frontal PartyPur hinzugebucht. Die Band, die derzeit von Volksfest zu Volksfest reist, wurde im März mit dem Fachmedienpreis als beste Partyband der letzten 10 Jahre ausgezeichnet.

Den Sonntag, 24. August, lässt Markus Seyboldt um 11 Uhr mit Grauers Rock beginnen. Das ist die Band um den Reutlinger Kabarettisten und Musiker Eckhard „Leibssle“ Grauer. Der Mann scheint Kondition zu haben, denn am Nachmittag hängt er sein Soloprogramm an: „Leibssle kandidiert“ heißt es.

Der Sonntagabend wird wild und jung: Der Rapper Kollegah kommt. Vor drei Wochen war er mächtig stolz, dass er Schlagerqueen Helene Fischer von Platz 1 der Albumcharts „weggewichst“ hatte, wie er im Rapper-Jargon formulierte (inzwischen hat sie ihn wieder überflügelt). Sein neues Album „King“ verkaufte sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 000 Mal. In puncto Streaming ist Kollegah jetzt Rekordhalter für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz: Sein neuester Longplayer wurde auf „Spotify“ über drei Millionen Mal abgespielt.

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen
Kollegah, Ingo Appelt, Almklausi und Leibssle sind vier der Show-Acts beim Brunnenwasserfescht im August in der Rottenburger Festhalle. Agenturbilder

Die Tickets für die einzelnen Konzerte gibt es nur über Seyboldts Homepage brunnenwasserfescht.de oder an der Abendkasse. Die Preise liegen für alle Teilkonzerte unter 20 Euro, nur Kollegah King kostet über 30 Euro. Nun hängt das Zustandekommen dieses ungewöhnlichen Party-Wochenendes davon ab, dass die Leute Karten kaufen. 9000 Tickets hat Seyboldt zur Verfügung.

Was ist das für ein Typ, der mit gerade mal 24 Jahren solch ein Risiko eingeht? Markus Seyboldt stammt aus Entringen und ist Elektriker. Nach seiner Gesellenprüfung, so erzählt er im Gespräch mit der „Rottenburger Post“, habe er sich gesagt: „Jetzt will ich erst mal Spaß, Weiber, Party.“ Er flog nach Mallorca und ging zum Ballermann.

Dort suchte er nicht nur den passiv-kulinarischen Genuss, sondern heuerte an, um zu arbeiten, was man ihm zu arbeiten gab. Er habe Werbung gemacht für Partys, zu denen 12 500 Feierlustige kamen. Beim Kellnern lernte er viele Bedienungen kennen. Von ihnen erfuhr er, dass es auf dem Münchener Oktoberfest besonders viel zu verdienen gebe. Also ging er hin und bediente.

Junger Mann aus Entringen will die ganz große Party aufziehen
Markus Seyboldt Bild: Fleischer

Die Festzelt-Welt gefiel ihm, er baute sein Engagement aus. Ich habe in allen Zelten in München und in allen Zelten in Stuttgart geschafft.“ Bald war in ganz Deutschland unterwegs, schaffte bei den großen Volksfesten. Im Winter rollte der Euro bei den Après-Ski-Partys in Galtür, Ehrwald und anderswo im alpinen Schnee-Zirkus.

Drei Sommersaisons in Festzelten an je 15 bis 20 Orten hatte er hinter sich und war dabei, für den Winter nach Kitzbühel zu gehen. Da habe es ihn durchfahren: „Jetzt oder nie! Jetzt mach’ ich die Feste selbst.“ Selbstbestimmt arbeiten schien ihm nun als Verlockung. In drei Jahren Arbeiten vor und hinter den Kulissen des boomenden Partylebens hatte sich Seyboldt Geld zusammengespart. Es ist das Startkapital für sein Mitte März gegründetes Einzelunternehmen Seyboldt Event: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Er ist sich bewusst, auf welch schmalen Grat er geht. „Das ist ein Riesen-Risiko. Ich hoffe nur, dass es klappt. Ich möcht’ den Leute etwas bieten.“ Und: „Der Vorverkauf muss definitiv knallen; ich habe überall bloß Anzahlungen geleistet.“

Seyboldt setzt aufs Schwäbische. „Brunnenwasserfescht“ hat er sein Party-Ereignis deshalb bewusst angeschwäbelt. Was hat die Festhalle mit Brunnenwasser zu tun? „Das Kind muss einen Namen kriegen.“

Sein Firmenlogo zeigt eine Spätzlepresse und eine Halbe Bier. Unkompliziert gestaltet Seyboldt auch die Gastronomie in der Festhalle. Er nahm jemanden, der Jahre lang im „Gärtle“ in Entringen Küchenleiter gewesen sei. Vier verschiedene Essen legten die beiden fest: Maultaschen mit Kartoffelsalat, Leberkäs mit Kartoffelsalat, Linsen mit Spätzle und Saitenwurst, Spätzle mit Soߒ „für die Vegetarier“. Pommes gibt’s nicht, denn die sind nicht schwäbischen Ursprungs. Seyboldt: „Ich sehe mich selbst als Schwaben. Das wird richtig gutes Essen.“

Den Termin für das Brunnenwasserfescht habe er absichtlich in die Ferien gelegt. „Ich bin selbst noch jung und weiß, wenn Ferien sind und es ist nix los, das ist Scheiße.“ Außerdem sei an diesem Wochenende sonst nicht viel los.

Seyboldt hofft und glaubt, dass sein Konzept aufgeht. „Bei Peter Wackel war auf Mallorca jedes Mal das Zelt voll.“ Das war auch so vor drei Jahren in Ergenzingen, da musste der Zugang gesperrt werden. Und das war Ende vorigen Jahres so in Freudenstadt. Ob Wackel am Freitag oder Almklausi am Samstag – die beiden sind für den Entringer eine sichere Bank. Seyboldt: „Bei mir kommt das Publikum nicht zu kurz.“

„Über Zahlen rede ich nicht“, begegnet er der Frage nach den Gagen. „Das ist mir vertraglich untersagt.“ In sechs Show-Einheiten an drei Tagen hat er den gesamten Event aufgeteilt. Bis zu 1500 Leute dürfe er in die Festhalle lassen. So errechnen sich die 9000 Tickets.

„Wenn es ausverkauft ist, hab’ ich nicht viel verdient“, sagt Seyboldt, „ich verdiene am Essen und an den Getränken“. Er wolle die Eintrittspreise klein halten. „17,50 Euro sind schon viel“, sagt er.

Zwar hat er bereits Pläne und Kontakte, sein Konzept auch in anderen Orten zu platzieren. Doch zunächst gehe es ausschließlich um Rottenburg. Sollte die Sache floppen, war’s das. Aber Seyboldt rechnet mit dem Erfolg, auch wenn die Nachfrage im Moment noch schleppend ist. „Ich hab’ über 250 Narrenzünfte angeschrieben, 3200 Firmen, ich geh’ auf jedes Fest und frag’, ob ich meine Plakate aufhängen kann. Ich bin in Facebook und sonstwo.“ Wer dann an der Abendkasse kein Ticket mehr kriegt, dem könne er nicht helfen.

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16.06.2014, 12:00 Uhr

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