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Was folgt auf den Zivildienst?

KBF in Mössingen rechnet mit großen Problemen

Wenn die Wehrpflicht nach dem Willen von CDU und CSU ausgesetzt wird, stehen auch Veränderungen beim Zivildienst an – Freiwillige sollen ran. Die Politik muss Anreize schaffen, fordert KBF-Geschäftsführer Thomas Seyfarth.

28.09.2010
  • Kathrin Schoch

Mössingen. Dass die Zeiten für den Zivildienst schlecht stehen, weiß Thomas Seyfarth, Geschäftsführer der Körperbehindertenförderung (KBF) in Mössingen, schon lange: Immer wieder gab es Verkürzungen der Dienstzeit, zuletzt im August von neun auf sechs Monate. Mit der jetzt geplanten Aussetzung der Wehrpflicht muss der Zivildienst komplett umgestaltet werden (siehe Kasten).

Die KBF stehe damit vor „großen Planungsunsicherheiten“, sagt Seyfarth. Vor allem, weil bisher niemand weiß, ob und was auf den Zivildienst folgen soll. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will den Ersatzdienst mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) verbinden. Es solle wohl ein freiwilliger ziviler Dienst eingerichtet werden, mutmaßt Seyfarth. Die CSU hat gegen den Vorschlag jedoch bereits Widerstand angekündigt.

Wie auch immer der neue Dienst aussehen soll, der KBF-Chef rechnet mit großen planungstechnischen Problemen. Er hält es für fraglich, ob sich genügend Freiwillige finden und ob es genügend Anreize für sie gibt und fordert deshalb ein Bonussystem für die Teilnehmer. Seyfarth denkt an eine Studienplatzgarantie, eine Absicherung für den Arbeitsplatz oder Steuervergünstigungen. „Der Bund hätte da sicher Möglichkeiten.“ Sicher ist er, dass soziale Einrichtungen künftig verstärkt Werbung für sich machen müssen: „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir die Leute automatisch bekommen.“

Zwar hat die KBF in diesem Jahr 280 FSJler – so viel wie noch nie. Gleichzeitig aber ist die Zahl der Zivis gesunken, auf derzeit rund 180. Wegen der jüngsten Dienstzeitverkürzung habe man im September nicht alle freien Stellen auf einmal besetzen wollen. „Sonst haben wir im Februar eine große Lücke.“

Im Oktober und November werden noch einige Zivis nachfolgen. Bis zum April gebe es daher noch ein Polster. Doch danach sieht es schlecht aus. Zudem hielten sich zurzeit etliche junge Männer bei der Suche nach einer Zivistelle zurück. Sie hofften wohl darauf, dass der Zivildienst bald Geschichte sei, vermutet Seyfarth. Er setzt wie in den vergangenen Monaten verstärkt auf Aushilfen und Zivis, die ihren Dienst verlängern. Im schlimmsten Fall müsse man Angebote streichen oder könne sie – dann mit mehr Fachkräften – nur noch teurer anbieten.

Seyfarths Sorge um die Zivildienstschule in Bodelshausen ist dagegen eher gering. In Baden-Württemberg gebe es nur zwei solche Schulen – eine noch in Karlsruhe. Dort könnten ja künftig die Fortbildungen für den freiwilligen Dienst stattfinden, meint er. Er hofft nun, dass sich die Parteien schnell auf eine Lösung einigen. „Bitter wäre es, wenn gar nichts passieren würde.“

Jede Veränderung bei der Wehrpflicht wirkt sich auf den Zivildienst aus. Dieser wurde 1961 eingeführt für Wehrpflichtige, die ihren Dienst aus Gewissensgründen verweigern. Von zeitweise 20 Monaten wurde er auf nun 6 Monate gekürzt (August 2010). 2009 leisteten 65 000 Zivis Dienst. Ersatzweise gibt es das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Mit der geplanten Aussetzung bleibt die Wehrpflicht im Grundgesetz verankert. Den Zivildienst zu streichen und durch das Freiwillige Soziale Jahr zu ersetzen, geht nicht, da das FSJ Ländersache ist, der Zivildienst aber Bundessache.

Zivildienst in Zahlen – Aussetzung der Wehrpflicht

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28.09.2010, 12:00 Uhr

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