Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Zwischen Tiefsinn und Unsinn

Käptn Peng und Tentakel von Delphi begeistern mit funkigem Hip-Hop

Entspannte Philosophierereien zwischen Tiefsinn und Unsinn und funkige Beats begeisterten bei Käptn Peng und die Tentakel von Delphi am Freitag 700 Zuhörer im ausverkauften Sudhaus.

17.08.2014
  • Martin Zimmermann

Tübingen. Pickepackevoll war das Sudhaus am Freitag beim Konzert von Käptn Peng und den Tentakeln von Delphi. Wegen der unsicheren Wetterlage war das Konzert in den großen Saal verlegt worden. Der Name Käptn Peng und die Tentakel von Delphi klingt nach Punk, geboten wurde aber intellektueller Schlankhosen Hip-Hop mit relaxter Reggae-Attitüde und zuweilen intellektuell anmutender Sprachgymnastik. Die Berliner erinnern dabei zuweilen an die Fantastischen Vier – würden sie ihre bedeutungsschwangeren Reimphilosophierereien nicht zuweilen ins Satirische überziehen.

Das Hip-Hop-Projekt Käptn Peng und die Tentakel von Delphi verbindet Elemente von absurdem Theater, Dada-Lyrik und Slam-Poetry. So erscheint die fünfköpfige Band mit aus Bettlaken und Federn gefertigten Vogelmasken auf der in dunklem Weinrot und Tiefseeblau nur spärlich ausgeleuchteten Bühne. Nach einigen Takten entledigen sich die Musiker ihrer Masken. Später kommen während des zweistündigen Auftritts noch andere Masken zum Einsatz, denn Verwandlungen sind ein Thema, das sich wie ein roter Faden durchs Konzert zieht.

Im Song „Sie mögen sich“ verwandelt sich ein Liebespaar zunächst in Füchse. Dann wird der Mann zum Albatros, während die Frau versucht, ein Pelikan zu werden, dabei aber in einem kafkaesken Nirvana der Metamorphosen stecken bleibt und sich unter anderem in einen Spaten, einen Weidenstock und einen Kreis verwandelt. Eine griechische Tragödie in dadaistischer Verzerrung.

Käptn Peng unterhält sich auf der Bühne auch gerne mit seinem Unterbewusstsein. Mit einer schwarzen Socke maskiert er dazu seine rechte Hand zur Bauchrednerpuppe. Als die Socke zu frech wird, fliegt sie auf den Boden. „Du bist nur eine Hülle. Sei nicht traurig, irgendwann verlieren wir alle unsere Hülle“, sagt Peng.

Peng liebt die Sprache. Seine Reime scheinen spontan seinem Mund zu entfließen. Doch die Fans im Sudhaus, viele davon mit Rastalocken und bunten Karohemden, sprechen seine Verse mit. Die Verse scheinen ein Versuch zu sein, so viel Inhalt wie möglich in einen einzigen Text zu packen. Zu verstehen sind sie daher und aufgrund der lauten Hintergrundmusik kaum. Zu begreifen schon gar nicht. Vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, denn die wogende Menge des Publikums scheint Käptn Pengs Grooves und kryptisch orakelnde Worte dennoch aufzunehmen – intuitiv eben.

Die Seherin Pythia nahm bewusstseinserweiternde Dämpfe zu Hilfe, um aus einer Trance ihre kryptischen Weissagungen im Orakel von Delphi zu verkünden. Der Stoff, mit dem sich die Zuhörer der Tentakel von Delphi in Trance versetzen, besteht aus tanzbaren, funkigen Beats. Um diese Beats zu kreieren, verwendet Percussionist Peter Haushaltsgeräte wie Töpfe, Bleche, Schneebesen und einen alten Koffer. Peter wird wie die anderen Tentakel nur mit Vornamen vorgestellt.

Unterstützt wird Peter von Schlagzeuger Shaban alias Käptn Pengs Bruder Johannes Gwisdek. Er tritt zuweilen auch als Duettpartner von Peng auf. Die Lieder ihres ersten Albums „die Zähmung der Hydra“ rappten die beiden noch als Duo, erst im aktuellen Album kamen weitere Tentakel hinzu. Das Quintett komplettieren Boris, der zwischen Kontrabass und E-Bass wechselt, und Gitarrist Michael, dessen Riffs an manchen Stellen an die Red Hot Chili Peppers erinnern.

Nach über zwei Stunden Konzert und mehreren Zugaben hinterlassen die schwitzenden Tentakel eine begeistert jubelnde Menge. Diese vergnügt sich anschließend noch bei einer After-Show-Party im Sudhaus-Untergeschoss.

Käptn Peng und Tentakel von Delphi begeistern mit funkigem Hip-Hop
Käptn Peng, alias Robert Gwisdek, mal ganz ohne Maske auf der Bühne im Sudhaus. Bild: Faden

Käptn Peng heißt eigentlich Robert Gwisdek und war 2012 als Schauspieler im Drama „Das Wochenende“ für den Deutschen Filmpreis nominiert.
Der Berliner spielte in Filmen wie „NVA“, einigen Tatorten sowie Donna Leon-Verfilmungen. Er ist der Sohn des Schauspielerpaares Michael Gwisdek und Corinna Harfouch.
Mit seinem Bruder Johannes Gwisdek gründete er 2009 das Hip-Hop-Duo Shaban und Käptn Peng, das sich dann im Album „Expedition ins O“ zum Quintett Käptn Peng und die Tentakel von Delphi erweiterte.
Gwisdek veröffentlichte in diesem Jahr zudem den Roman „Der unsichtbare Apfel“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.08.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball