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Mittwochs-Interview

Kai Kocheise über Lehrgeld in der Württembergliga und die Rest-Hoffnung

Der SV Hubertus Grünmettstetten, der mit seinem jungen Luftgewehr-Team in den vergangenen sieben Jahren von Erfolg zu Erfolg gestürmt ist, steht nun in der Württembergliga am Rande des Abstiegs. Vor dem vorletzten Wettkampftag zieht Trainer Kai Kocheise im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE eine Zwischenbilanz.

28.11.2012
  • Das Interview führte Gerd Braun

SÜDWEST PRESSE: Herr Kocheise, wird in dieser Winterrunde der grandiose Lauf Ihrer jungen Erfolgstruppe gestoppt?

Kai Kocheise: Das auf jeden Fall – weil: aufsteigen können wir auf dieses Jahr ganz sicher nicht mehr (schmunzelt). Mit unseren bisherigen vier Niederlagen müssen wir davon ausgehen, dass der Lauf gestoppt wird. Die Chance ist zwar noch da, aber realistisch betrachtet doch eher gering.

Wie groß ist die Hoffnung, das schier unmögliche doch noch möglich zu machen?

Ich bin Berufs-Optimist und sage immer: Es ist im Prinzip nichts auszuschließen. Aber natürlich: Die Hoffnung schwindet schon etwas, da unsere nächsten beiden Gegner am kommenden Wochenende immerhin Spitzenreiter und Tabellenzweiter der Liga sind. Vielleicht aber können wir doch einem dieser beiden Großen ein Bein stellen.

Wie viele Siege bräuchte es zum Klassenerhalt?

Es hat schon Konstellationen gegeben, dass zwei Siege gereicht haben, wenngleich das nicht ganz so oft vorkommt. Aber zwei Siege aus unseren drei noch anstehenden Wettkämpfen bräuchten wir auf jeden Fall noch.

Ist die Württembergliga dann doch das sportliche Höchstmaß für Ihr Team?

In diesem Jahr schon. Mittel- und langfristig aber sehe ich uns schon auf diesem Niveau.

Sie sehen also durchaus noch einiges an Potenzial in der Mannschaft?

Definitiv. Man muss sehen: Wir sind nach wir vor im Vergleich eine sehr junge Mannschaft, die sich noch weiterentwickeln kann. Diese Saison machen wir zudem zu wenig aus uns. Gegenüber den Trainingsleistungen hinken die Leistungen in den Wettkämpfen ein wenig hinterher. Von der Stärke her sind wir berechtigt in die Württembergliga aufgestiegen, nur haben wir unser Potenzial diese Runde bislang einfach nicht abgerufen

Haben sich die Schützen selbst zu sehr unter Druck gesetzt?

Das trifft sicherlich zum Teil zu. Es ist ja klar: Der Druck wächst eben mit jeder Liga, die man höher schießt, an. Aber es gibt auch andere Faktoren: Meine Leute sind jetzt beispielsweise auch vom Alter her in einer Phase, in der sie ins Berufsleben einsteigen – was sie nicht unwesentlich fordert. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, denke ich, werden sie sich sportlich sicherlich nochmal steigern.

Was speichern Sie in der bisherigen Saison unter der positiven und negativen Aspekten ab?

Positiv ist auf jeden Fall die Erfahrung, die wir bisher schon machen durften. Wir haben beim SV Fenken jetzt zum ersten Mal in einer Halle auf einer Bundesliga-Anlage geschossen – das war schon toll, und da haben wir hinterher gesagt: Das war cool, wollen wir wieder. Nach wie vor funktioniert es trotz des ausbleibenden Erfolges auch innerhalb der Mannschaft recht gut. Gemerkt hat man aber: Wenn der Kopf nicht ganz frei ist, drückt das auch auf die sportliche Leistung.

Wie gehen die Schützen selbst damit um, nach Jahren des phänomenalen Erfolgs erstmals am Rande des Abstiegs zu stehen?

Das hat man schon gesehen, dass die Mannschaft erst einmal lernen muss, mit so etwas umzugehen. Nachdem wir sieben Jahre lang nur ganz wenige Wettkämpfe verloren haben, spürte man schon vereinzelt Frust nach den Niederlagen in dieser Saison.

Ganz anders läuft‘s ja für die zweite Mannschaft, die die Tür zur Landesliga schon halb aufgestoßen hat. Hat das Team gute Perspektiven für diese Klasse?

Ich denke schon. Ich hatte schon vor der Saison ein gutes Gefühl, und unser sportliches Konzept war auch schon so angelegt, dass die zweite Mannschaft auf Verbandsebene schießen soll – um den sportlichen Abstand zur ersten Mannschaft herzustellen. So können wir auch einmal einen Ausfall praktisch ebenbürtig ersetzen.

Ist diese Durchlässigkeit auch das Geheimnis dafür, dass es der Verein schafft, kontinuierlich dieses Niveau aufrecht zu erhalten?

Das spielt keine unwesentliche Rolle. Wir haben im Verein ein klares sportliches Konzept, mit dem es gelingt, unsere Schützen von der Einsteiger-Stufe bis hin zum Niveau der Verbands- oder Württembergliga heran zu führen. Dieses Konzept schient auch aufzugehen, da sich eigentlich alle unsere Teams kontinuierlich verbessert haben.

Nochmal Stichwort Niveau: Der Schützenkreis ist mit fünf Luftgewehr-Teams auf Verbandsebene vertreten, so viele wie noch nie. Wie erklären Sie sich dieser Erfolg?

Diesen Erfolg erkläre ich mir durch eine gute Jugendarbeit bei allen fünf Vereinen, die derzeit auf diesem Niveau schießen.

Dennoch scheint bundesweit der Nachwuchs etwas zu mangeln. Wie sehen Sie die Entwicklung im Schießsport?

In meiner Funktion als Landestrainer sehe ich schon, dass es in der Masse etwas nachlässt – wobei es immer wieder aus ganz herausragende Jahrgänge gibt. Aber es ist sicher gut und wichtig, dass die Vereine etwas tun, wie beispielsweise bei dem bundesweiten Tag der offenen Tür der Sportvereine vor wenigen Wochen.

Welche Visionen habe Sie noch für die Zukunft beim SV Hubertus Grünmettstetten?

Sportlich sehe ich uns mittel- bis langfristig durchaus in dieser Liga, in der wir aktuell schießen. Wenn wir es schaffen, allgemein unsere derzeitige Klasse zu stabilisieren, dann bin ich mittel- und vor allem langfristig schon recht zufrieden.

Und was wünschen Sie sich für diese Saison – unabhängig vom Ziel, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen?

Ich wünsche uns auf jeden Fall mindestens noch einen Sieg. Ganz ohne Erfolgserlebnis wieder absteigen zu müssen, wäre schade, aber ich denke, dass uns mindestens dieser eine Sieg schon noch gelingen wird.

Kai Kocheise über Lehrgeld in der Württembergliga und die Rest-Hoffnung
Kai Kocheise

Kai Kocheise, Trainer, Jugendleiter und selbst aktiver Schütze beim SV Hubertus Grünmettstetten, ist 32 Jahre alt und lebt in Seebronn. Der Diplom-Betriebswirt stammt aus Horb-Bittelbronn, und wirkt inzwischen im sechsten Jahr auch als Landestrainer.
Selbst im Schießsport aktiv ist Kocheise seit 1993, nächstes Jahr also dann bereits 20 Jahre lang. Seinen größten sportlichen Erfolg feierte er als DM-Teilnehmer, wo er unter die ersten 20 kam, aber auch aktuell als Schütze in der Württembergliga. Der kontinuierliche Aufstieg des jungen Grünmettstetter Teams, für den Kai Kocheise maßgeblich verantwortlich ist, zählt auch als Trainer zu seinen größten Erfolgen. Allerdings freute er sich auch, als Landestrainer in diesem Jahr erstmals eine Deutsche Meisterin feiern zu dürfen.

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28.11.2012, 12:00 Uhr

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