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Eigenheim

Kampf gegen Energieschlupflöcher

Wer sein Haus energetisch sanieren möchte, hat viele Möglichkeiten. Wie man das Projekt am besten angeht und wo es Förderungen gibt, erklären unsere Experten.

02.07.2019

Von SIMONE DÜRMUTH

Wo im Haus Energie verloren geht. Foto: Grafik: SWP. Quelle: HEA, Faber14/Shutterstock.com

Wie saniere ich mein Haus energetisch, und wie finanziere ich das? Darum ging es in unserer aktuellen Telefonaktion. Andreas Alt, Bausachverständiger vom Verband Privater Bauherren, Manfred Becker vom Verband der Privaten Bausparkassen und Andreas Kohl, Experte bei der Zeitschrift „Finanztest“, beantworteten die Leserfragen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen.

Gerade ist es unerträglich heiß in unserem Einfamilienhaus. Glaubt man den Prognosen, dürften solche Hitzeperioden künftig der Normalfall sein. Was kann ich unternehmen?

Der größte Teil der Wärme kommt über das ungedämmte Dachgeschoss und über die Fenster ins Haus. Da heißt, Sie könnten die Dachfläche so dämmen, dass die Anforderungen nach der Energieeinsparverordnung erfüllt sind. Bei Fenstern sind Verschattungseinrichtungen zu empfehlen – zum Beispiel Außenjalousien – oder spezielle Wärmeschutzverglasungen. Falls Sie neu bauen, ist ein so genannter sommerlicher Wärmeschutz laut Energieeinsparverordnung vorgeschrieben.

Mein Haus ist Baujahr 1965, ich will es zum KfW-Energieeffizienz-Haus sanieren. Wer sagt mir, was ich machen muss, und woher bekomme ich einen Kredit?

Ein Energieberater macht einen Energiecheck und die Maßnahmen sollten mithilfe eines KfW-Kredites finanziert werden. Die Konditionen liegen aktuell bei 0,75 Prozent, für zehn Jahre fest, können aber bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren abgeschlossen werden. Das Zinsänderungsrisiko nach zehn Jahren kann durch einen Bausparvertrag, den Sie jetzt schon abschließen, verringert werden. Den KfW-Kredit beantragen Sie bei Ihrer Bank oder Bausparkasse.

Kann ich Handwerkerkosten bei einer Dämmung steuerlich absetzen?

Ja, aber nur, wenn Sie weder einen Kredit noch einen Zuschuss von der KfW nutzen.

Wer muss die Heizung austauschen?

Die Austauschpflicht betrifft Eigentümer, deren Heizung das Baujahr 1989 oder vorher hat. Wer der Pflicht nicht nachkommt, riskiert ein Bußgeld bis zu 50 000 EUR. Ausgenommen sind Brennwert- und Niedertemperatur-Kessel. Das Baujahr der Heizung steht auf dem Typenschild des Kessels. Auch der Schornsteinfeger kann weiterhelfen.

Unsere Heizung stammt von 1997 und muss ausgetauscht werden. Welche neue Heizanlage ist optimal?

Das kann man nicht pauschal sagen, weil es von verschiedenen Faktoren abhängt. Ein Energieberater berücksichtigt alle Gegebenheiten und kann das passende Heizsystem empfehlen. Außerdem kennt er mögliche staatliche Förderungen.

Mein Sohn will in seinem Haus die Heizung austauschen. Ist es günstiger, bar zu zahlen oder zu finanzieren? Der Bausparvertrag ist noch nicht zuteilungsreif. Wie kann die Finanzierung aussehen?

Barzahlung ist die günstigste Variante. Wenn das nicht geht, ist es wichtig zu wissen, was die Heizung kostet und wie viel Eigenkapital vorhanden ist. Ein nicht zuteilungsreifer Bausparvertrag kann aufgefüllt und zwischenfinanziert werden. Möglich sind auch ein Sofortdarlehen von der Bausparkasse oder ein klassischer Bankkredit. Ihr Sohn sollte verschiedene Finanzierungsanbieter bitten, Varianten auszurechnen lassen.

Ist es sinnvoll oder möglich, energetische Sanierungsmaßnahmen zeitlich versetzt anzugehen?

Möglich ja, aber nicht sinnvoll. Alle Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt sein. Ein Heizungsaustausch nützt wenig, wenn die Wärme über eine schlecht dämmende Fassade leicht entweichen kann. Konsultieren Sie deshalb einen Energieberater.

Unser Nachbar hatte einen Energieberater im Haus und war ganz begeistert. Gibt es für so eine Beratung einen Zuschuss?

Ja, und zwar beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (bafa). Da gibt es einen Zuschuss von maximal 800 EUR für ein Eigenheim. Weitere Informationen unter www.bafa.de.

Ich habe bereits viel Geld in Dachdämmung und neue Fenster investiert. Bringt es was, noch eine Außenwand zu dämmen?

Das ist vor allem eine Frage der bauphysikalischen Betrachtung, und man muss herausfinden, ob diese Maßnahme nachteilig für die nicht gedämmten Wände ist. Werden außerdem zum Beispiel mehr als 10 Prozent der Fassadenfläche energetisch verändert, müssen die Bestimmungen und Dämmwerte an der gesamten Fassade eingehalten werden.

Wir möchten mit unserem Bauspardarlehen den Fensteraustausch finanzieren. Geht das? Sind dreifachverglaste Fenster Vorschrift?

Der Fensteraustausch gehört zu den wohnwirtschaftlichen Maßnahmen, für die man das Bauspardarlehen verwenden kann. Dreifach verglaste Fenster sind nicht vorgeschrieben, wohl aber der so genannte U-Wert des Fensters, das heißt, der Wärmedämmwert. Der Handwerker muss deshalb eine Fachunternehmererklärung unterschreiben, dass er die entsprechenden Fenster eingebaut hat. Wollen Sie neben dem Bauspardarlehen noch KfW-Mittel bekommen, müssen erhöhte Anforderungen beim Fenstereinbau eingehalten werden.

Ich will die Fenster austauschen. Bekomme ich dafür einen Zuschuss?

Ja, von der KfW in Höhe von bis zu 5000 EUR, maximal 10 Prozent der förderfähigen Kosten.

Wir haben neuerdings dreifach verglaste Fenster. Jetzt zieht es zwar nicht mehr, aber in der Wohnung gedeiht Schimmel. Wie kann das sein? Und was können wir unternehmen?

Das kann passieren, wenn beispielsweise die Bauhülle nicht gedämmt ist. Es entstehen Wärmebrücken, die die Schimmelbildung befördern. Jetzt können Sie nur die Fensterlaibungen dämmen. Ihr Fensterbauer hätte Sie dazu eigentlich beraten müssen.

Ich möchte einen Holzvergaserkessel einbauen in Kombination mit einer thermischen Solaranlage. Gibt es dafür Fördermittel, und wenn ja, wo?

Ja, beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gibt es das so genannte Marktanreizprogramm. Die förderfähigen Geräte sind dort aufgelistet. Alles, was sonst zu beachten ist, steht gut verständlich auf der Website unter www.bafa.de. Aber Achtung: Besteht für die bisherige Heizung bereits eine Austauschpflicht, gibt es keine Förderung.

Ich möchte eine Photovoltaik-Anlage auf meinem Dach installieren. Gibt es einen Zuschuss?

Nein, aber Sie bekommen eine garantierte Vergütung für die Einspeisung ins Stromnetz. Wählen Sie die Anlage so, dass Sie möglichst viel Strom selber verbrauchen, denn eingekaufter Strom ist teurer, und die Vergütung ist sehr gering. Möglich ist es auch, die gewonnene Energie zu speichern. Dann fließt Strom, unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder nicht. Wollen Sie das, sollten Sie unbedingt einen Experten zu Rate ziehen.

Am Telefon (von links): Manfred Becker, Andreas Alt und Andreas Kohl. Foto: Matthias Kessler

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Erstellt:
2. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Juli 2019, 06:00 Uhr

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